Wohnquartier Gretelriede in Hannover

Mauerwerk aus vorkonfektionierten KS-Planelementen

Zwischen Bahntrasse, kleinteiligen Gewerbestrukturen und heterogener Wohnbebauung ist im Stadtteil Hannover-Burg das Wohnquartier Gretelriede entstanden. Auf einem zuvor stark versiegelten, gewerblich vorgeprägten Grundstück realisierte die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen gemeinsam mit dem Architekturbüro PK Nord fünf unterschiedlich große Baukörper in Kalksandsteinbauweise mit insgesamt 136 Wohneinheiten. 

Um das Quartier vor Lärm zu schützen, platzierten die Architekt*innen entlang der Bahntrasse an der westlichen Grundstücksgrenze einen fünfgeschossigen, L-förmigen Riegel.
Dessen innere Organisation reagiert ebenfalls auf die laute Umgebung:
Zur Bahntrasse liegen die Flure, Bäder und Küchen; die Wohn- und Schlafräume orientieren sich zum Quartier.

Dabei sahen sich die Planenden mit einer herausfordernden Ausgangslage konfrontiert: der hohen Lärmbelastung durch den Bahnverkehr, der ungünstigen, dreieckigen Grundstücksgeometrie sowie den schwierigen Bodenverhältnissen mit hohem Grundwasserspiegel und Altlasten. Zunächst wurden also die bestehenden, baufälligen Wohnhäuser rückgebaut, eine Lagerhalle ab- und an anderer Stelle wieder aufgebaut und die Grundstücksfläche entsiegelt. Um das Quartier vor Schallimmissionen zu schützen, platzierten die Architekt*innen entlang der Bahntrasse an der westlichen Grundstücksgrenze einen fünfgeschossigen, L-förmigen Riegel. Dessen innere Organisation reagiert ebenfalls auf das laute Umfeld: Zur Bahntrasse liegen die Flure, Bäder und Küchen, die Wohn- und Schlafräume orientieren sich zum Quartier. 

Auf der Garage gärtnern 

Aufgrund des hohen Grundwasserspiegels wäre eine Tiefgarage zu aufwendig und teuer gewesen. Daher entschieden sich die Planenden für eine erdgeschossige Garage, deren begrüntes Dach als Terrasse für die Maisonetten im ersten Obergeschoss des Riegels dient. Auch sechs dreigeschossige Reihenhäuser grenzen so an die Garage, dass sie im ersten Obergeschoss einen direkten Zugang von jedem der Häuser zum Dachgarten ermöglichen. Drei viergeschossige Solitäre auf unregelmäßigen, sechseckigen Grundrissen schließen das Quartier nach Osten ab. 

Grün, das verbindet

Nicht nur in den Wohntypologien, auch in der Größe variieren die Wohnungen: Sie verfügen über zwei bis fünf Zimmer sowie eine private Terrasse, einen Balkon oder eine Loggia. Die Flächen zwischen den Häusern ziehen sich als grünes Band mit Sitzgelegenheiten, Spielplätzen und Sportgeräten durch das Quartier – ein Nachbarschaftsgarten für alle Generationen.

Trotz der unterschiedlichen Kubaturen und Wohntypologien folgt das Ensemble einem einheitlichen Gestaltungsprinzip: Die Sockelbereiche sind mit hellrot changierenden Klinkerriemchen bekleidet. Die Obergeschosse wurden weiß verputzt und haben fein ausdifferenzierte Details, etwa bei der Gestaltung der Fensterfaschen und -stürze. Eine Ausnahme bilden die Reihenhäuser, die mit hellgraubraunen Fassadenplatten umhüllt sind. Der erdig-warme Farbton findet sich auch in Türen, Toren, Sonnenschutzelementen und Balkonbrüstungen der anderen Bauten wieder.

Schallschutz durch Masse

Konstruktiv wurden die Baukörper in einschaliger Kalksandsteinbauweise erstellt. Aufgrund seiner hohen Rohdichte und Druckfestigkeit schützt das Material gegen Schall und Lärm. Durch seine hohe Masse wirkt es zudem als wärmespeicherndes Element, das Temperaturschwankungen ausgleicht. Somit unterstützt der ausschließlich aus Kalk, Sand und Wasser bestehende Stein ein wohnphysiologisch angenehmes Raumklima.

Für einen besonders effizienten Bauablauf griffen die Planenden auf ein großformatiges, vorkonfektioniertes Bausystem zurück. Im Werk wurden maßgenaue Wandbausätze erstellt, die „just-in-sequence“ direkt auf die Baustelle geliefert wurden. Dort konnten die Elemente mithilfe eines Versetzgeräts zügig und mit hoher Maßgenauigkeit verarbeitet werden. Dieses Vorgehen reduzierte Schnittarbeiten und damit die Lärm- und Staubelastung erheblich und ermöglichte eine gleichbleibend hohe Ausführungsqualität trotz der teils komplexen Gebäudegeometrien.

Das Quartier erfüllt den KfW-55-Standard und ist ans Fernwärmenetz angeschlossen. PV-Anlagen unterstützen die Stromversorgung.

Bautafel

Architektur: Architekturbüro pk nord Blencke und Knoll Architekten-PartG mbB
Projektbeteiligte: GrünPlan Landschaftsarchitekten, Hannover; KS-Original, Hannover (Kalksandsteine; verwendetes Produkt: KS-Plus)
Bauherr*in: Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen
Standort: Gretelriede / Innersteweg, 30419 Hannover
Fertigstellung: 2024
Bildnachweis: Julian Martitz; Blickpunkt Photodesign Bödeker; Jonathan Keune

Fachwissen zum Thema

Aufgrund seiner hohen Druckfestigkeit ist Kalksandstein ein besonders geeigneter Baustoff für die Elementbauweise.

Aufgrund seiner hohen Druckfestigkeit ist Kalksandstein ein besonders geeigneter Baustoff für die Elementbauweise.

Wand

Kalksandstein-Bausysteme

Kalksandstein-Sichtmauerwerk am Fraunhofer Institut Kaiserslautern

Kalksandstein-Sichtmauerwerk am Fraunhofer Institut Kaiserslautern

Mauersteine

Kalksandsteine

Bauwerke zum Thema

Mittelpunkt des neuen Quartiers École Maternelle nach Plänen von ROSA Wirtz Architektur aus Frankfurt ist ein viergeschossiger Riegel in Kalksandsteinbauweise.

Mittelpunkt des neuen Quartiers École Maternelle nach Plänen von ROSA Wirtz Architektur aus Frankfurt ist ein viergeschossiger Riegel in Kalksandsteinbauweise.

Wohnen/​MFH

Wohnquartier École Maternelle am Petrisberg in Trier

Nach Plänen von BHK Architekten entstanden sieben viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohneinheiten und zwei Villen.

Nach Plänen von BHK Architekten entstanden sieben viergeschossige Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 34 Wohneinheiten und zwei Villen.

Wohnen/​MFH

Wohnsiedlung am Triller in Saarbrücken

Surftipps

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Mauerwerk sponsored by:
KS-ORIGINAL GmbH
Entenfangweg 15
30419 Hannover
www.ks-original.de