Wohnhaus Lakeside in Birmingham
Außen Schiefer, innen Eschenholz
Der geschwungene Verlauf des River Rouge zieht sich durch die US-amerikanische Vorstadt Birmingham nördlich von Detroit. Kleine und größere Parkanlagen beidseitig des Flusses machen ihn zu einer blau-grünen, verzweigten Ader inmitten ausgedehnter Wohngebiete. Hier ließ sich eine Galeristin auf einem parkähnlichen Grundstück ein Wohnhaus aus Holz und Schiefer errichten. Die ehemalige Kuratorin für asiatische Kunst beauftragte das Architekturbüro Disbrow Iannuzzi, um auch für ihre Sammlung handgefertigter Kunstobjekte den passenden Rahmen zu schaffen. Dass Holz eine wichtige gestalterische Funktion hat, ist auf die Familiengeschichte der Bauherrin zurückzuführen, die seit Generationen mit der Holzindustrie verwoben ist.
Langhäuser überkreuzt
Das Entwurfskonzept der in Detroit ansässigen Architekten verschränkt zwei schlichte Langhäuser zu einem Y-förmigen Grundriss. Damit ergibt sich eine Wohnfläche von rund 370 Quadratmetern, verteilt auf zwei Flügel im Erdgeschoss und ein Dachgeschoss. An zwei Stellen sind die Konturen der schlichten Satteldächer durchbrochen: Den tiefen Eingangsbereich an der Südseite markiert ein gerahmtes, überhöhtes Portal; der nördliche Gebäudeflügel verfügt an der Gartenseite über ein Zwerchhaus.
Trichterförmiger Eingang
Der einladend-repräsentative Zugang ist trichterförmig angelegt. Er mündet in einem strahlenartig verzweigten Flur entlang der gläsernen Gartenfassaden. Private Räume befinden sich im östlichen Gebäudetrakt: zunächst zwei Schlaf- oder Arbeitszimmer mit vorgelagertem Stauraum und am Ende des Ganges der größte Schlafraum mit Garderobe und Bad.
Links vom Eingangsbereich sind der Garage Haushaltsräume und ein Gäste-WC angegliedert. Ein langgestreckter Wohnbereich im nördlichen Flügel vereint Kochen, Essen und Wohnen – er lässt sich über Glasschiebetüren an drei Seiten öffnen. Vom Wohnraum abgetrennt, befindet sich unterhalb des Zwerchhauses das Büro und Kunstlager der Bauherrin. Eine schmale, einläufige Treppe führt ins Dachgeschoss: Auch dort ist Platz zum Schlafen und Arbeiten, an einem Tisch im Zwerchhaus mit Gartenblick. Zusätzlich gibt es ein Badezimmer und einen Schrankraum.
Helles Eschenholz, dunkler Schiefer
Während die Innenräume konsequent in Eschenholz gestaltet sind, dessen warmer, heller Farbton durch die großen Verglasungen und viel Tageslicht hervorgehoben ist, besteht die Gebäudehülle nahezu vollständig aus Schiefer. Der dunkle, teils vielfarbige Naturstein kommt auch für die Außenanlagen in unterschiedlichen Varianten zum Einsatz.
Farb- und Schattenspiel der Bruchkanten
Der als Dachdeckung und Fassadenbekleidung, als Terrassen- und Stufenbelag, für Trockenmauern und Gabionen zur Einfriedung des Grundstücks sowie als Splitt eingesetzte Schiefer stammt aus einem einzigen Steinbruch. Die Rechteckdeckung auf dem Dach erscheint homogen in Anthrazit. Die Außenwände sind mit Schieferblöcken in diversen Formaten und bruchrauen Ansichtskanten verblendet. Die heterogene Struktur der unterschiedlich großen Steine, deren Vermörtelung in tiefen Schattenfugen zurücktritt, erzeugt ein lebhaftes Erscheinungsbild. Aus teils schillernden Grautönen heben sich weiße, gelbe, braune, kupferfarbene und rostrote Adern hervor, manche Schiefer scheinen sich aus der Fassade herauszuschieben. Das Farbenspiel intensiviert sich bei tieferem Sonnenstand und variiert über die Jahreszeiten. Licht und Schatten verstärken die Wirkung der bizarren Textur.
Die Schieferplatten auf den Terrassen und Stufen zum Garten sind lange und schmale Rechteckformate, die im Überlängenverband verlegt sind. Reststücke der verarbeiteten Schiefer ließen sich für die Gabionen nutzen oder soweit verkleinern, dass sie als Splitt gestreut die Wege vereinheitlichen. Dunkler Schiefer und helles Holz sind die Markenzeichen des Wohnhauses – natürliche und auch gegensätzliche Materialien, die sich stimmig ergänzen. -us
Bautafel
Architektur: Disbrow Iannuzzi, Detroit
Projektbeteiligte: Thomas Seabold Associates, Birmingham (Bauleitung); Buckingham Slate, Arvonia (Schieferproduzent); Fleetwood, Holland (Möbelhersteller); Maharam, New York (Textilhersteller); Oakwood Veneer, Troy (Furnierarbeiten); Scavolini, New York (Küchenhersteller)
Bauherr/in: Privat
Fertigstellung: 2025
Standort: Birmingham, Michigan
Bildnachweis: Rafael Gamo (Fotos); Disbrow Iannuzzi, Detroit (Pläne)
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