Wohnhaus in Santo Tirso

Erneuerung eines unvollendeten Bauwerks

Ein unvollendetes Bauwerk im portugiesischen Santo Tirso, welches in einem fast fertigen Zustand leer stand, verwandelte das Team von NOARQ in ein Wohnhaus, das wesentliche Merkmale portugiesischer Architektur verkörpert. Hohe Räume kennzeichnen die solide zweigeschossige Betonkonstruktion. Weil das Budget für die rund 700 Quadratmeter sehr begrenzt war, wurde in einem ersten Schritt alles Überflüssige entfernt. Die Architekt*innen schufen ein einfaches, sorgfältig durchdachtes und detailliertes Haus.

Die Böden im Außenbereich sind teils mit Kies, teils mit Natursteinplatten aus lokalen Steinbrüchen ausgeführt.
Die Bewässerung der Grünflächen erfolgt über ein Regenrückhaltesystem.
Der Boden ist mit zementfarbenem Mörtel beschichtet (Blick auf den Eingangsbereich).

Renovierung und Rückbau

Der zerstörte Fußboden wurde mit zementfarbenem Mörtel beschichtet, ursprünglicher Stuck renoviert. Nach dem Entfernen der abgehängten Decken kamen inspirierende, variable Raumhöhen zum Vorschein. Die alten Deckenleuchten wurden durch kreisförmige Lampen ersetzt. Wände, die nicht sinnvoll schienen, wurden abgerissen. Die Treppe wurde gekürzt und so der Geometrie des Raums angepasst. Durch Abriss der bestehenden Stahlkonstruktion in der Küche entstand ein imposanter Raumeindruck. Türen- und Fensteröffnungen wurden geschlossen und an anderer Stelle eingefügt, um die Einfachheit des Bauwerks zu unterstreichen, aber ein Maximum an Tageslicht zu gewinnen.


Purismus und sparsame Technologien

In die formal äußerst reduzierte Architektur ist eine innovative Luftheizung und -kühlung integriert. Den Purismus verstärken verdeckt geführte Installationen und verborgene Lichtquellen. Die Böden im Außenbereich sind mit Granitplatten aus lokalen Steinbrüchen oder Kies bedeckt, sie sind wartungsarm und benötigen wenig Wasser. Die Betonkonstruktion ist mit Mineralwolle gedämmt, das Flachdach mit Photovoltaik-Paneelen bestückt. Ein System zur Regenwasserrückgewinnung dient zur Bewässerung der Pflanzen. Die meisten Materialien sind lokaler Herkunft, um den CO₂-Fußabdruck zu senken. Bei der Installation der Wasserhähne oder Toiletten wurde ebenfalls auf einen geringen Wasserverbrauch geachtet.

Flachdachaufbau

Auf die 68 mm dicke, tragende Stahlbetondecke des Bestands wurde eine Ausgleichsschüttung aufgebracht, um das notwendige Gefälle herzustellen. Darauf liegt die erste, 18 cm dicke Dämmschicht aus EPS. EPS schimmelt und verrottet nicht. Zudem ist es gegen Wasser beständig, kann aber welches aufnehmen. Darüber liegt eine 2,5 mm dicke Abdichtungsbahn, um das Durchdringen von Wasser zu vermeiden. Es folgt nochmals eine 25 cm dicke EPS-Dämmung, auf der ein 2 mm starkes, wurzelfestes Vlies verlegt ist. Das Vlies verhindert vegetationsbedingte Bauschäden auf begrünten Flachdächern. Durch Pollenflug beispielsweise können sich Pflanzen auch auf nicht begrünten Flachdächern ausbreiten, daher ist das Aufbringen eines Vlieses generell sinnvoll. Den Abschluss des Dachaufbaus bildet eine 5 cm dicke Substratschicht, welche sowohl Träger als auch Nährboden für die Begrünung ist.

Bautafel

Architektur: NOARQ, Porto / Bougado, Portugal
Projektbeteiligte: EMESERV – Francisco Alves (Bauunternehmen); Cassiano Soares (Elektroplanung); AUMOVE FRIO – José Alfeu Ribeiro (HKLS-Planung)
Bauherrn: Privat
Fertigstellung: 2022
Standort: Santo Tirso, Porto, Portugal
Bildnachweis: Duccio Malagamba

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