Wohnhaus in Ravensburg

Faltbare Glaswand mit automatisierter Alu-Jalousie

Zahlreiche Glashäuser zeugen von der Sehnsucht, Innenraum und Natur so fließend wie möglich auch in mitteleuropäischen bzw. nordamerikanischen Breiten ineinanderübergehen zu lassen. Die Familie des Architekten Alexander Frangoul wünschte sich nicht nur lichtdurchflutetes Wohnen im Einklang mit der Natur, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten mit einem privateren Bereich für Schlaf- und Badezimmer. Auch die Lebensqualität im Sommer sollte stimmen, denn wer möchte schon bei 30 Grad im Schatten hinter einer Glasscheibe mit heruntergelassenem Sonnenschutz sitzen.

Gartenansicht bei geöffnetem Zustand
Faltwand von innen
Blick über das Terrassenpodest

Alexander Frangoul entwarf für sich und seine Familie ein zweigeschossiges Gebäude mit 300 m² Wohnfläche bei 1.260 m³ umbautem Raum. Zunächst wurde mit einer geschosshohen, grundstücksumlaufenden Einfriedung ein klar definierter Gartenwohnraum geschaffen, der sich von der Umgebung deutlich abgrenzt. Die Längsfassaden sind gegensätzlich ausgebildet: Nach Norden hin bildet ein geschlossener Baukörper mit klassischer Lochfensterfassade und einer Verkleidung aus naturgrauen Faserzementplatten sozusagen den Rücken des Hauses. Zum Garten nach Süden hin öffnet sich ein zweigeschossiger Glasvorbau, der den Wohnbereich beherbergt.

Im Inneren ist das Erdgeschoss auf mehreren Ebenen als loftartige, offen fließende Wohnlandschaft gestaltet. Die Hauptebene geht dabei nahtlos auf ein gartenseitig vorgelagertes Terrassenpodest über. Den Übergang zwischen außen und innen bildet eine Glasfaltwand, die sich auf ihrer Gesamtlänge vollständig öffnen lässt. Bei geöffneter Fassade bekommt der Innenraum den Charakter einer überdachten Terrasse.

Sonnenschutz
Die 17 Meter lange Glasfassade besteht aus 19 Elementen, die sich nach innen falten und an jeder beliebigen Stelle zusammenschieben lassen. Verwendet wurde ein normales 2-fach Glas mit einer Dicke von 28 mm und einem U-Wert von 1,1 W/m²K. Auf den Einbau eines 3-fach Glases mit ggf. besserem U-Wert wurde aufgrund der Elementhöhe verzichtet. Die Fassade erfüllt die Anforderungen an die Luftdurchlässigkeit und die Schlagregendichtheit gemäß EN 12153 und EN 12155. Die 2,80 m hohen Faltelemente sind frei beweglich und vollisoliert. Bei einer Komplett-Öffnung der Fassade stehen sie ganz am Rand. „Wir wollten uns mit der faltbaren Glasfassade möglichst viel Licht und Natur ins Haus holen“ beschreibt Frangoul das erträumte Wohngefühl. „Bei schönem Wetter verschmilzt der Innenraum mit dem Wohnraum Garten. Doch auch an regnerischen Tagen mit nur leicht geöffneter oder geschlossener Fassade können wir komplett auf Kunstlicht verzichten.“

Dazu trägt auch die Jalousieanlage bei, die 30 cm vor der Fassade angebracht ist. Der Architekt wählte hierfür Aluminiumlamellen als frei tragende Raffstoreanlage, die sich mit ihren Blenden aus gebogenem Plexiglas unauffällig ins Gesamtbild einfügen. Die Jalousien bewegen sich automatisch gesteuert nach der Wetterlage. Ein Sonnen-/Windsensor übermittelt seine Messwerte kontinuierlich an die zentrale Steuereinheit und stellt sicher, dass sich das Haus bei Abwesenheit der Bewohner nicht zu stark aufheizt oder die Anlage bei starken Unwettern beschädigt wird.

„Das ist schon ein sehr komfortables System – auch wenn wir zu Hause sind, lassen wir die Jalousien mitunter von der Automatik regulieren. Doch natürlich können wir den Sonnenschutz bei Bedarf auf Handbetrieb umstellen – die Lamellen lassen sich frei in jeden Winkel verstellen“, so Frangoul. Zum Beispiel wenn sich die Familie mehr Privatsphäre hinter der transparenten Außenwand wünscht: „Dann stellen wir den Lamellenwinkel per Tastendruck so ein, dass wir neugierige Blicke aussperren, aber dennoch genügend Tageslicht in die Wohnung kommt.“

Bautafel

Architekten: Alexander Frangoul, Wangen
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Böller, Lindenberg (Statik); Ernst Schweizer, Hedingen/CH (Vorhangfassade); Schön-Sonnenschutz, Herrenberg (Sonnenschutz); Elero, Beuren (Antriebe und Steuerung)
Bauherr: Alexander und Sabine Frangoul
Fertigstellung: 2007
Standort: Ravensburg
Bildnachweis: Elero, Beuren; Alexander Frangoul, Wangen

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