Wohnen weiterbauen: Großwohnsiedlungen in die Zukunft bringen

Wohnen weiterbauen: Großwohnsiedlungen in die Zukunft bringen

Andreas Hild und Andreas Müsseler (Hrsg.)

Dietrich Reimer Verlag, Berlin 2025
1. Auflage; 312 Seiten mit 285 Farb- und 48 Schwarz-Weiß-Abbildungen; Format 20 x 26 cm; Hardcover

Preis: 59,00 EUR

ISBN 978-3-7861-2912-7 (E-Book: 978-3-7861-7534-6)

Wie sich mit Wintergarten-Modulen serieller Geschosswohnungsbau sanieren ließe, veranschaulicht das Buch Wohnen weiterbauen: Großwohnsiedlungen in die Zukunft bringen. Herausgeber des ambitionierten und visuell beeindruckenden Werks, das sich der Zukunftsfähigkeit massiver Nachkriegswohnbauten widmet, sind Andreas Hild und Andreas Müsseler, weitere Autor*innen sind Caroline Dietlmeier, Stefan Gruhne, Simon Pytlik und Mascha Eva Zach. Betrachtet wird die Siedlung Neuperlach in München als „Labor für bewohnbare Dämmung“: Durch Wintergartenmodule in Holzbauweise ließe sich hier nachhaltiges, nachverdichtendes Sanieren und sozialer Mehrwert verbinden.

Die Stärke des Buchs liegt in der gründlichen Analyse des Gebäudebestands (Kapitel 1), einem vielschichtigen Entwurf der Dämmstrategie (Kapitel 2-3) und der fundierten Evaluation energetischer, ökologischer und ökonomischer Dimensionen (Kapitel 4-6). Der titelgebende Ansatz, Großwohnsiedlungen nicht nur energetisch, sondern sozial „weiterzubauen“, trifft den Nerv zeitgenössischer Stadtplanung und zeigt, wie Partizipation, Barrierefreiheit und Nachverdichtung („win‑win‑win‑Strategie“) in Beziehung gesetzt werden.

Handwerklich überzeugt die Publikation durch klare Struktur, hochwertige Visualisierungen und stringente Methodik. Die Darstellung der thermisch-dynamischen Simulationen in Kapitel 4 und die Lebenszyklusanalyse (Kapitel 5) zeigen, dass die „bewohnbare Dämmung“ nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch tragfähig wäre – sowohl in Bezug auf CO₂‑Reduktion als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. 

Bedauerlich ist, dass der Brandschutz ausgespart bleibt. Beim Blick auf Fassade, Holzbauweise, Wintergartenmodule und Nachverdichtung liegen vertiefte Erwägungen in Bezug auf Brandsicherheit nahe. Welche Brandlast bringt eine zusätzliche Holzkonstruktion mit sich? Wie werden Fluchtwege bei nachträglichen Wintergärten gesichert? Gibt es Sonderregelungen für Holz-Fassaden im Bestand? Diese Fragen bleiben unbeantwortet.

Wohnen weiterbauen bietet wertvolle Impulse für Architekten, Stadtplanende, Institutionen im Bestandsschutz und Studierende, die sich mit nachhaltiger Modernisierung von Großwohnbauten befassen. Allerdings sollten diese zusätzlich Literatur und Normen zum Brandschutz heranziehen, um das Konzept rechtlich und sicherheitstechnisch abzurunden. Eine künftige Edition oder ein Folgeband mit einem eigenen Kapitel etwa zu „Feuer, Fluchtwege und Fassade“ wäre wünschenswert. Der Brandschutz gehört untrennbar zur seriellen Sanierung in Holzbauweise – nur wenn dieser Aspekt gleichrangig behandelt wird, ist ein Konzept mit Wintergartenfassaden im Bestand ganzheitlich durchdacht.

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