Wohn- und Geschäftshaus Wonderwoods in Utrecht

Hochhaus-Ensemble von Stefano Boeri Architetti und MVSA

Im neuen Utrechter Viertel Healthy Urban Quarter sollen Wohnen, Arbeiten und Erholung an einem Ort vereint werden. Das Mixed-Use-Gebäude Wonderwoods von den Architekturbüros Stefano Boeri und MVSA beherbergt daher neben Miet- und Eigentumswohnungen auch Büros, ein Restaurant, ein Fitnessstudio und einen digitalen Kunstraum. Daneben sorgen zahlreiche Dachgärten für die Erholung der Bewohner*innen. 

Jeder der Türme des Wonderwoods kommt jeweils einem divergierenden Begrünungskonzept und eigener Formensprache daher.
Während der höhere der beiden Türme (links im Bild) von Stefano Boeri Architetti entworfen wurde, stammt der zweite Turm aus der Feder von MVSA.
Der Boeri-Turm ist mit zahlreichen Bäumen, Sträuchern und Stauden auf abgetreppten Vorsprüngen ausgestattet.

Exkurs: Vertikaler Wald

Wonderwoods ist eine Variante des von Stefano Boeri Architetti entwickelten Gebäudetyps Vertikaler Wald. International bekannt wurde das Konzept durch den 2014 erbauten Bosco Verticale in Mailand. Das Konzept des vertikalen Waldes fördert die Biodiversität und soll die Beziehung zwischen Menschen und Natur stärken. Zugleich verbindet es städtische Verdichtungsprozesse mit dringend notwendiger Begrünung. Im Gegensatz zu Glas- oder Steinfassaden filtert die Pflanzenhülle Sonnenstrahlen, schafft ein angenehmes Innenklima, reguliert die Luftfeuchtigkeit, produziert Sauerstoff und absorbiert CO₂ sowie Mikropartikel. 

Zwei Türme, zwei Konzepte

In Utrecht entwickelten die Architekt*innen das Konzept des vertikalen Walds weiter und setzten sie in einer neuen Form um. Wonderwoods besteht aus zwei Türmen, mit jeweils individuellen Begrünungskonzepten und eigener Formensprache. Der Turm von Stefano Boeri Architetti ist etwa 100 m hoch und mit zahlreichen Bäumen, Sträuchern und Stauden auf abgetreppten Vorsprüngen ausgestattet. Die Natur umgibt hier – wie in vielen anderen Projekten von Boeri – die Architektur. Die Fassaden des Turms verändern sich durch Farbe und Dichte der Vegetation je nach Jahreszeit und Wachstum der Pflanzen. Im Erdgeschoss und sechsten Stock befindet sich der Vertical Forest Hub: ein Zentrum für die Dokumentation und Forschung zur urbanen Begrünung. 

MVSA entwarfen den zweiten Turm mit einer Höhe von etwa 70 Metern. Der Schwerpunkt der Begrünung liegt hier im Inneren des Gebäudes und ist als Parkanlage auf der Dachfläche fortgesetzt. MVSAs Entwurf erinnert an Gewächshausarchitektur; für diesen Eindruck sorgen die zahlreichen Wintergärten und natürlich beleuchteten Atrien. Das Grün von außen durch die Fassade sichtbar – insbesondere, wenn sich in den Sommermonaten die großformatigen Fenster öffnen.

Insgesamt wachsen an und in den Türmen 360 Bäume sowie 9.640 Sträucher und blühende Pflanzen, was einem Hektar Wald entspricht. Jährlich absorbiert die Begrünung 5,4 Tonnen CO₂ und Mikropartikel. Als Inspiration für die Pflanzenarten diente der Nationalpark Utrechtse Heuvelrug. Viele hoch- und mehrstämmige Bäume sowie eine vielfältige Auswahl an weiteren Arten sorgen dafür, dass Insekten und Vögel von Frühling bis Herbst von der neuen Begrünung profitieren. Zugleich sorgen die Planzen durch ihre Filterwirkung für einen Kühlungseffekt: Sie wirken als Pufferzone zwischen Innen und Außen und ermöglichen so eine Senkung der Energiekosten des Gebäudes.

Ortsspezifische Wasserwirtschaft

Nach umfangreichen Tests zu Wind- und Sogkräften an und auf den Türmen, konnte eine geeignete Dachbegrünung inklusive Substrat gewählt werden. Für beide Gebäude wurde ein Retentionsdach implementiert, das Regenwasser zurückhält und zur Umsetzung der Schwammstadt beiträgt. An den Fassaden des begrünten Gebäudes sind vorgefertigte Betonmulden eingearbeitet. In jeder Mulde sind Retentionsboxen und ein Bewässerungssystem verbaut, das vollständig mit Regenwasser gespeist wird. Eine zentrale Messstation überwacht und kontrolliert mithilfe von Sensoren den Wasserbedarf der Pflanzen sowie die Programmierung von Schnitt- und Pflegearbeiten.

Wonderwoods wurde bei den European Property Awards als bestes Mixed-Use-Projekt in Europa ausgezeichnet.

Bautafel

Architektur: Stefano Boeri (Turm A), MVSA (Turm B)
Projektbeteiligte:); Arcadis, MVSA Architects, Laura Gatti (Landschaftsgestaltung); Van Rossum, Amsterdam (Tragwerksplanung); Arcadis (Akustik); INBO (Ausführung und Bauleitung)
Bauherr/in: G&S Vastgoed; VolkerWessels BVGO
Fertigstellung: 2024
Standort: Utrecht, Niederlande
Bildrechte: Optigrün international

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