Windwiderstandsklassen

Da Wind auf ausgefahrene Sonnenschutzanlagen erhebliche Kräfte ausüben kann, ist der Windwiderstand ein wichtiges Auswahlkriterium bei Markisen, Raffstores, Screens, Rollläden oder textilen Sonnenschutzelementen.  Grundlage der Einstufung ist in Europa die Norm DIN EN 13659 – Abschlüsse außen und Außenjalousien – Leistungs- und Sicherheitsanforderungen. Je nach Produktart und Konstruktion werden Sonnenschutzsysteme in Windwiderstandsklassen eingeteilt. Sie geben an, bis zu welcher Windgeschwindigkeit eine Anlage betrieben werden darf beziehungsweise geprüft wurde.

Einteilung von Windstärken nach der Beaufort-Skala
Am Berliner Hochhaus „Upper West“ von Christoph Langhof Architekten und KSP Jürgen Engel Architekten hält ein Edelstahlbehang den hohen Windlasten stand.
Außenrollos am Fashion Center Labels 2 in Berlin, geplant von HHF Architekten aus Basel

Klassifizierung

Die Windwiderstandsklassen werden in numerischen Stufen angegeben. Je höher die Klasse, desto höher ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber Windbelastung. Im Allgemeinen werden die unteren Klassen häufig vereinfacht mit Windstärken der Beaufort-Skala verknüpft:

  • Klasse 0: Produkt erfüllt die Mindestanforderungen nicht bzw. wurde nicht geprüft; Nutzung bei Wind nicht zulässig
  • Klasse 1: entspricht etwa Windstärke 4 (mäßiger Wind, ca. 20 bis 28 km/h)
  • Klasse 2: entspricht etwa Windstärke 5 (frischer Wind, ca. 29 bis 38 km/h)
  • Klasse 3: entspricht etwa Windstärke 6 (starker Wind, ca. 39 bis 49 km/h)
  • Klasse 4 bis 6: entspricht etwa Windstärke 7 und höher (ab 50 km/h bis höher); für besondere Anforderungen
Wichtig: Die Zuordnungen sind nur eingeschränkt aussagekräftig, da sie je nach Produktart, Norm und Hersteller variieren können. Maßgeblich sind daher die konkreten Herstellerangaben für das jeweilige System.

Weitere Einflussfaktoren für die Einstufung

Die Prüfergebnisse allein reichen nicht aus, um die Widerstandsfähigkeit im Einzelfall zu bewerten. Wie robust die eingebaute, konfektionierte Anlage ist, hängt von weiteren Faktoren ab:

  • Breite und Höhe der Anlage: Mit zunehmender Fläche steigt die Windangriffsfläche; große Elemente erreichen daher oft niedrigere Klassen als kleinere Varianten desselben Systems.
  • Ausladung: Bei Markisen erhöht eine große Ausfalltiefe die Windbeanspruchung.
  • Gebäudehöhe: In oberen Geschossen nehmen Windgeschwindigkeiten sowie Druck- und Sogkräfte in der Regel zu.
  • Gebäudelage: Freistehende Gebäude, Ecklagen, Küstenstandorte oder exponierte Höhenlagen sind Wind stärker ausgesetzt als geschützte Innenhöfe.
  • Führungssystem und Konstruktion: Seitlich geführte Anlagen oder Rollläden sind meist windstabiler als frei auskragende Systeme.
  • Befestigung und Untergrund: Die Tragfähigkeit des Baukörpers und die fachgerechte Montage beeinflussen die zulässige Belastung wesentlich.

Fachwissen zum Thema

Grüne Glaspaneele vor den Loggien des Mehrfamilienhaus Bamboo Residency in Genf von Group 8, Châteleine/CH

Grüne Glaspaneele vor den Loggien des Mehrfamilienhaus Bamboo Residency in Genf von Group 8, Châteleine/CH

Grundlagen

Anforderungen an den Sonnenschutz

Um die maximalen Windlasten für Sonnenschutzsysteme berechnen zu können, wurde Deutschland in vier verschiedene Windlastzonen mit unterschiedlichen Grundgeschwindigkeiten eingeteilt

Um die maximalen Windlasten für Sonnenschutzsysteme berechnen zu können, wurde Deutschland in vier verschiedene Windlastzonen mit unterschiedlichen Grundgeschwindigkeiten eingeteilt

Bauphysik

Windstärke und Windbelastung

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Sonnenschutz sponsored by:
MHZ Hachtel GmbH & Co. KG
Kontakt: 0711 / 9751-0 | info@mhz.de