Vöhlinschloss in Frickenhausen
Sanierung eines Baudenkmals
Wehrhafte Gemäuer treffen auf gemütlichen Wohnraum: Seit dem 15. Jahrhundert prägt das Vöhlinschloss das Ortsbild des kleinen Pfarrdorfs Frickenhausen im Unterallgäu. Das Denkmal befand sich in baufälligem Zustand, als es die Architekt*innen Anna Kern und Sebastian Heinzelmann erwarben und für eigene Wohnzwecke behutsam instandsetzten. Dabei legten sie ein besonderes Augenmerk auf den größtmöglichen Erhalt der Substanz – von mittelalterlichen Holzbohlenständerwänden bis hin zu bauzeitlichen Beschlägen.
Baugeschichtlicher Kontext
Die Anlage wurde 1492 von der Handels- und Patrizierfamilie Vöhlin erbaut. Auffällig sind die beiden, zur Verteidigung gedachten Rundtürme – einer mit kegelförmigen Spitzdach, der andere mit flachem Dachabschluss als Freisitz. Neben Wirtschaftsräumen im Erd- und Obergeschoss besaß das Schloss zunächst nur eine Wohnetage im zweiten Obergeschoss. Ein zweigeschossiges Satteldach vervollständigte das dickmaurige Bauwerk.
Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das zweite Obergeschoss umgestaltet und Aborterker angebaut. Etwas später folgte der Ausbau des ersten Dachgeschosses zu einem Vollgeschoss. In diesem Zuge entstanden die Zwerchhäuser, die bündig zum westlichen Giebel an beiden Traufseiten zu finden sind. Das herrschaftliche Gebäude diente ab Ende des 18. Jahrhunderts als Pfarrhaus und ging 1950 in Privatbesitz über.
Bauliche Maßnahmen
Die Instandsetzung erfolgte auf Grundlage umfassender denkmalpflegerischer Voruntersuchungen. Zur statischen Sicherung wurde das Fundament ertüchtigt und erweitert sowie ein Stahl-Sekundärtragwerk integriert. Für die Fassadensanierung trug man einen trockengelöschten Kalkputz auf und ergänzte ihn mit einem Kalkanstrich. Das Dach erhielt eine neue Eindeckung mit naturroten Biberschwanzziegeln, wobei historische Ziegel nach Möglichkeit wiederverwendet wurden.
Besonderes Augenmerk lag auf dem Erhalt der bauzeitlichen Hölzer. Die mittelalterliche Holzbohlenständerwand im ersten Obergeschoss wurde querschnittsgleich an den Schwellen ergänzt und in ihrem ursprünglichen Erscheinungsbild wiederhergestellt. Industriell vorgefertigte Produkte vermieden die Planenden zugunsten regionaler Rohstoffe. Den Bauprozess beschreiben die Architekt*innen als praxisnah und experimentell, geprägt von enger Zusammenarbeit mit lokalen Handwerker*innen.
Historische Türen, Fenster und Beschläge
Die Sorgfalt bei der Sanierung zeigt sich vor allem in der detailgetreuen Restaurierung kleinster Bauteile. Die historischen Türen erhielten gemäß der denkmalpflegerischen Befunde wieder monochrome Farbanstriche in Blau und Grün. Fenster aus dem 20. Jahrhundert wurden durch maß- und teilungsgleiche Neuanfertigungen ersetzt, Fenster aus dem 18. Jahrhundert restauriert und mit vorgesetzten Isolierglas-Fenstern energetisch optimiert. Die Schießscharten in den Ecktürmen sicherte man mit innenliegenden Glasscheiben.
Besonders eindrucksvoll ist die Vielzahl bauzeitlicher Zierbeschläge, die restauriert und da, wo sie fehlten, ergänzt und verzinnt wurden, um die ursprüngliche Gestaltung wiederherzustellen. Von dekorreichen Aufschraubbändern über Vorreiber bis hin zu alten Schlössern und Fensteroliven – langweilig wird es beim Öffnen und Schließen von Fenstern und Türen im Vöhlinschloss keinesfalls.
Halböffentliche und private Nutzung
Im Erdgeschoss sehen Anna Kern und Sebastian Heinzelmann eine halböffentliche Nutzung für die Dorfgemeinschaft vor: Der Gemeinderat soll künftig das Tonnengewölbe für seine Sitzungen nutzen dürfen. Die privaten Wohnräume der beiden Eigentümer*innen erstrecken sich über die oberen drei Etagen.
Eine weiß verputzte Mauer und ein Holzzaun grenzen das Grundstück samt großzügigen Garten von der Dorfstraße ab. Ein kleiner, ebenfalls sanierter Nebenbau bietet Platz für eine Garage und zusätzlichen Stauraum. Das Projekt wurde mit dem Denkmalpreis Schwaben 2024 und dem 1. Preis beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2023 ausgezeichnet. -sms
Bautafel
Architektur: Kern Architekten, Mindelheim
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung: 2023
Standort: Schloßberg 2, 87761, Frickenhausen (Lauben)
Bildnachweis: Célia Uhalde, Marktoberdorf; Nicolas Felder, Wiggensbach (Fotos); Kern Architekten, Mindelheim (Pläne)