Village des Athlètes bei Paris

Temporäre Unterbringung wird zu dauerhaftem Stadtquartier

Im Zuge der olympischen Sommerspiele 2024 entstanden nördlich von Paris zahlreiche Unterkünfte für über 10.500 Athlet*innen. Das Village des Athlètes (deutsch: Olympiadorf) liegt auf einem ehemaligen Industrieareal an der Kreuzung dreier Gemeinden: Saint-Denis, L’Île-Saint-Denis und Saint-Ouen-sur-Seine. Nach und nach wird aus der temporären Nutzung während des sportlichen Events ein dauerhafter Wohnort für rund 6.000 Einwohner*innen mit ebenso vielen Arbeitsplätzen. Ein Team aus sieben verschiedenen Architekturbüros war für die Gesamtkonzeption und -koordination des Teilbereichs E verantwortlich – darunter das Pariser Büro CoBe, das dort drei Gebäude realisierte.

Während der Olympischen Sommerspiele 2024 kamen in dem Quartier die über 10.000 Sportler*innen unter.
Nach und nach werden die einzelnen Gebäude in Familienwohneinheiten umgewandelt, sodass ein neuer, dauerhafter Stadtteil entstehen kann.
Ein gemeinsamer Sockel mit gerillten Betonfertigteilen verbindet die unterschiedlich hohen Wohntürme.

Ein neuer Stadtteil

Den Masterplan für das 52 Hektar umfassende städtebauliche Areal entwickelte Dominique Perrault. Vier sogenannte Sektoren gliedern das Gebiet an der Seine: Écoquartier auf der L’Île-Saint-Denis, Universeine im Norden, daran anschließend Quinconces und der südliche, an der Seine gelegene Bereich Belvédères (Teilbereich E). Diese wiederum sind in mehrere Baufelder unterteilt. Neben CoBe waren auch KOZ Architects, Atelier Georges, Barrault-Pressaco, SOA, Lambert-Lénack und DREAM an der Planung und Realisierung des Konzepts und der Gebäude im Teilbereich E beteiligt.

Die drei von CoBe entworfenen Gebäude befinden sich am östlichen Rand des Sektors Belvédères, an der Kreuzung dreier großer öffentlicher Räume: der Straße Finot, dem Platz Ampère und der Allee des Coteaux. Durch diese Lage nimmt das Baufeld E2B eine zentrale Stellung im Stadtgefüge ein und markiert eine Eingangssituation in den neuen Stadtteil. Charakteristisch für diesen Bauabschnitt sind die linienförmig aufgereihten hohen Gebäude. Sie überragen die flacheren Nachbargebäude, die sogenannten Villen. So fügen sich die neuen Volumina nahtlos in die bestehende städtische Struktur ein.

Auf dem Baufeld E2B verbindet ein gemeinsamer Sockel die drei unterschiedlich hohen, in L-Form angeordneten Gebäude miteinander. In diesen sind mehrere großzügige Durchgänge geschnitten, die den Blick von den öffentlichen Räumen in die privater gestalteten Freiräume zulassen. Während der Sockel aus geriffelten Betonfertigteilen besteht, dominieren in den Obergeschossen das Holzständerwerk und tragende Holzrahmenwände sowie vorgesetzte, vertikale Metallprofile an der Fassade. Balkone und Geländer fügen sich in das sandfarbene Fassadenbild ein. Die aus den Profilen entstehenden Pergolen rahmen die gemeinschaftlichen Dachterrassen ein und bilden den Gebäudeabschluss auf unterschiedlicher Höhe. Zudem tragen sie die Photovoltaik-Anlagen. Technische Elemente wie Fallrohre wurden sorgfältig hinter den verschiedenen Strukturelementen und Verkleidungen positioniert.

Nutzung in zwei Phasen

Die Herausforderung des Großprojekts lag in den zwei unterschiedlichen Nutzungsszenarien der Gebäude: Zunächst beherbergten die Gebäude Sportler*innen der Olympischen Spiele in kleinen Einzel- und Doppelzimmern. Das gesamte Stadtquartier wird nun sukzessive in ein neues Wohn- und Gewerbegebiet umgewandelt. Alle Elemente, Materialien und die Bauart mussten also von Anbeginn der Planung so konzipiert werden, dass die spätere Umnutzung möglichst abrissarm und zeit- und kostensparend verläuft.
Aus den 23 Einzel- und 145 Doppelzimmern der von CoBe geplanten Gebäude wurden 98 Familienwohneinheiten mit sechs Gemeinschaftsräumen und sieben Gewerbeeinheiten. Für die Visualisierung der Umnutzungsarbeiten nutzte das Planungsteam den sogenannten Renovierungsfilter der Planungssoftware Archicad. So konnte das Team direkt in der Entwurfsplanung bestimmen, welche Teile der ursprünglichen Gebäude erhalten bleiben und welche entfallen oder umgestaltet werden müssen. 

Der öffentliche Auftraggeber schrieb die BIM-Methode vor, um Projektinformationen mit allen Planungsbeteiligten und dem Bauträger auszutauschen. Die sieben verschiedenen Architekturbüros nutzten unterschiedliche BIM Autoren Softwares. Ein reibungsloser und verlustfreier Informationsaustausch gelang über IFC-Modelle. Mithilfe des Austauschformats konnte jedes Büro in der spezifischen Software entwerfen und anschließend Informationen an die öffentliche Einrichtung Solidéo, die für die BIM-Koordination verantwortlich war, übergeben.

Bautafel

Architektur: CoBe (Gebäude E2B1, E2B2, E2B3); 
Projektbeteiligte: CoBe, Paris (Architektonische Koordination); KOZ, Paris (Technische Koordination und Architektur Gebäude E2A, Baufeld E4); Atelier Georges (Landschaftsarchitektur und Architektur Gebäude E2C); Barrault-Pressacco, Le Pré-Saint-Gervais (Architektur E5); DREAM (Architektur E3); Lambert Lénack (Architektur Gebäude E1A); SOA (Architektur Gebäude E1B; Graphisoft, München/Budapest (Verwendete Software: Archicad, BIMx, BIMcloud)
Auftraggeber*in: Nexity, Eiffage, CDC Habitat, Groupama, EDF
Fertigstellung: 2024
Standort: Saint-Ouen, Frankreich
Bildnachweis: Cédric Colin (Fotos), CoBe (Pläne)

Fachwissen zum Thema

BIM-Rollen: Übersicht und Zusammenhänge

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Das Dateiaustauschformat IFC ist wesentlich für die Umsatzung von BIM-Projekten. Damit können BIM-Modelle samt nicht-geometrischer Informationen zwischen proprietären Softwares ausgetauscht werden.

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