Villa No. 3 in Dueville

Strohhaus mit Renaissance-Anleihen

Ob sich der Name Dueville auf die Vereinigung zweier Ortschaften bezieht oder auf zwei alte Anwesen, ist nicht gänzlich geklärt. Die nördlich von Vicenza gelegene Kleinstadt verfügt nämlich über gleich zwei architekturgeschichtlich interessante Wohnhäuser: die von Andrea Palladio entworfene Villa Porto a Vivaro aus dem Jahr 1554 und die 1776 fertiggestellte Villa Da Porto Casarotto von Ottone Calderari. 2022 kam nun die Villa No. 3 von Jimmi Pianezzola hinzu.

Blick aus der Umgebung auf die Nordseite
Nordwestfassade mit Garten
An der Westfassade markiert eine Loggia den Eingang.

Dem Namen zum Trotz orientierte sich der Architekt bei seinem Auftrag nicht am palladianischen Stil der beiden Vorgänger. Stattdessen wählte er ein vorpalladianisches Renaissancegebäude als Vorbild, die Villa dei Vescovi. Diese befindet sich in Torreglia, in der Provinz Padua. Entworfen wurde sie um 1540 von Giovanni Maria Falconetto, heute ist sie ein nationales Denkmal (monumento nazionale). Jimmi Pianezzola übernahm von ihr die Konstruktionsprinzipien und Proportionen. So findet man bei dem Neubau den quadratischen Grundriss wieder, ebenso wie das symmetrische Vierseitendach (Zeltdach).

Das Haus ist ebenerdig angeordnet, in engem Dialog mit dem umgebenden Grün. Zwei Loggien an der West- und Ostfassade markieren den Haupt- und Nebeneingang und schaffen zwei wettergeschützte Übergangszonen. Hingegen verläuft die innere Erschließung in Nord-Süd-Richtung. Der Grundriss ist dreigeteilt. Die Schlafzimmer sind im Norden und der Servicebereich mit einer Treppe und zwei Bädern ist mittig angeordnet. Im südlichen Drittel sind die Räume zum Wohnen, Essen und Kochen vereint, die sich entlang eines gemeinsamen Wintergartens aufreihen. Über dem Wohnbereich befindet sich das offene Dachgeschoss mit einer Galerie.

Dämmung: Strohballen im Holzrahmen

Neben der Kubatur zeugen auch die Materialien und die Gebäudetechnik von alten, doch zeitgenössisch interpretierten Bautraditionen. Dazu gehören Holz, Stroh und Kalkputz. Um die Bauzeit vor Ort möglichst kurz zu halten, wählte man vorgefertigte Holzrahmenelemente, die vor Ort zusammengesetzt und mit gepressten Strohballen ausgefacht wurden. Zum Abschluss erhielten die Außenwände einen Kalkputz und einen hellblauen Anstrich. Für die Baustoffe sprach der geringe Einsatz grauer Energie bei ihrer Erzeugung und Verarbeitung sowie der kleine CO2-Fußabdruck, den die Herstellung hinterlässt. 

Gemäß der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffzienz von Gebäuden ist die Villa No. 3 als Niedrigstenergiegebäude (Nearly-Zero Engergy Building – NZEB) eingestuft. Dazu trägt neben einer hohen Energieeffizienz auch ein niedriger Energiebedarf bei, der größtenteils durch erneuerbare Energiequellen vor Ort und in der Nähe gedeckt wird. Die Heizung und Kühlung sind auf das Verhältnis der Öffnungen zum Sonnenlicht und zu den in der Gegend vorherrschenden Winden ausgerichtet. Nach dem Vorbild venezianischer Renaissance-Villen kamen drei verschiedene, natürliche Belüftungsysteme zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein unterirdisches Rohrleitungssystem sowie um eine horizontale und eine vertikale Sommerlüftung. 

Dämmend wirken nicht nur die Strohballen in den Außenwänden, sondern auch der Wintergarten im Süden des Wohnhauses. Er reduziert den Energiebedarf für die Heizung im Winter um etwa 35 Prozent, während er im Sommer zu einer traditionellen schattenspendenden Veranda wird. Ist die Sonne besonders intensiv, können drei Fassadenmarkisen (Senkrechtmarkisen) heruntergelassen werden und die bodentiefen Fenster abschirmen.

Bautafel

Architektur: Jimmi Pianezzola Architetto
Projektbeteiligte: Arpostudio (Tragwerk); Casalogica (Bauunternehmen)
Bauherr*in: privat
Standort: Dueville, Italien
Fertigstellung: 2022
Bildnachweis: Alberto Sinigaglia (Fotos), Jimmi Pianezzola (Baustellenfotos und Pläne)

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Stroh ist in Deutschland lokal verfügbar.

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