Villa Kameleon in Zoersel

Sechs Ecken und dreimal Grün

Bei der Villa Kameleon ist der Name Programm. Das auf den ersten Blick unauffällige Gebäude im belgischen Zoersel, rund zwanzig Kilometer nordöstlich von Antwerpen, scheint mit dem Grün des umgebenden kleinen Wäldchens optisch zu verschmelzen. Keramische Fliesen in drei Grüntönen bekleiden die Fassaden des Hauses. Es entstand nach Plänen des Genter Büros Felt auf Initiative eines privaten Bauherrn, der gemeinsam mit der gemeinnützigen Organisation Emmaus ein Wohnprojekt für seine Enkelin und acht weitere Bewohner*innen mit geistiger Behinderung entwickelte. Das Wohnheim ist Teil des 1973 gegründeten Campus Monnikenheide, der sich durch seine herausragende, dem Menschen mit Würde begegnende Pflegearchitektur für geistig oder körperlich beeinträchtigte Personen auszeichnet.

Die Pläne für das Wohnheim für neun Patient*innen mit geistiger Behinderung stammt vom Büro Felt aus Gent.
Bei der Planung wurde der alte Baumbestand berücksichtigt, lediglich an der Südseite des Hauses wurde ein offener Bereich geschaffen, um einen ausreichenden Lichteinfall zu gewährleisten.
Die sechs Fassaden des hexagonalen Baukörpers wechseln zwischen hellgrauem Putz und Fliesen als abschließende Wetterschutzschicht.

Vorgabe der Planung war, den alten Baumbestand auf dem Grundstück soweit wie möglich zu erhalten. Aus diesem Grund entschieden sich die Architekt*innen für ein kompaktes, hexagonales Volumen mit zwei Geschossen, Keller und Flachdach. Lediglich an der Südseite des Hauses wurde ein Bereich gerodet, um einen ausreichenden Lichteinfall zu gewährleisten. Dort öffnet sich das Gebäude über zwei raumhohe, doppelflügelige Schiebetüren zu einer Terrasse, die nahtlos in das Wäldchen übergeht. Grüne Markisen spenden Schatten. Dahinter liegt eine große Gemeinschaftsküche mit Aufenthaltsbereich.

Repräsentatives Entree und Zimmer mit doppelter Aussicht

Eine zentrale Halle mit Wendeltreppe empfängt die Besucher*innen im Erdgeschoss. Sie bildet das Herzstück des Gebäudes und schließt nach oben mit einer rundum verglasten Laterne ab, die Licht bis in die Tiefe des Hauses leitet. Neben den Gemeinschaftsbereichen sind im Parterre drei der insgesamt neun Studios untergebracht. Weitere sechs identisch gestaltete Einheiten befinden sich im Obergeschoss. Um allzu rechteckige und funktionale Räume zu vermeiden, wie sie sonst im Gesundheitswesen üblich sind, befindet sich jedes Studio an einer Ecke des sechseckigen Grundrisses. Dieser zusätzliche Winkel sorgt für eine doppelte Ausrichtung der Zimmer mit zwei verschiedenen Blicken in die Landschaft. Die Bäder liegen jeweils an der Außenwand und verfügen alle über ein Fenster.

Die Innenraumgestaltung ist wohnlich, aber zurückhaltend und kommt mit wenigen, gezielt gesetzten Farben aus. Die Wände sind weiß verputzt, die Böden mit karamellfarbenem Linoleum belegt. Dazu kommt ein tiefes Grün an den Fronten der Einbauküche und den Türen zu den Bädern, das sich auch an der Fassade findet. Die materialsichtig belassenen Holztüren zu den Zimmern wirken hochwertig und bringen Wärme in die Innenräume.

Dreimal Grün und ein Hauch Südeuropa

Hellgrauer Putz und grüne Fliesen alternieren als abschließende Wetterschutzschicht der sechs Fassaden des Baukörpers. Jede Seite erhielt einen anderen Grünton; Mintgrün, Graugrün oder Dunkelgrün. Verwendet wurden quadratische Fliesen mit einer Kantenlänge von 16 cm, die im Kreuzverband verlegt und hellgrau verfugt wurden. An den verputzen Fassaden rahmen die Fliesen die Fenster als Faschen und bekleiden zudem die Fensterlaibungen. Diese Gestaltung erinnert an Südeuropa, wo Fliesen ebenfalls häufig zur Akzentuierung einzelner Bauteile eingesetzt wurden und werden. Dieses Stilmittel wird im Inneren fortgeführt, wo die gleiche dunkelgrüne Keramik die rötlichen Holztüren rahmt und einen Komplementärkontrast erzeugt. Auch die Wände der Bäder sind grün gefliest.

Die Fassade ist als Wärmedämmverbundsystem ausgeführt, das heißt die Fliesen wurden direkt mit der Dämmschicht verklebt.

Zum 50. Jubiläum des Campus Monnikenheide haben die Verantwortlichen ein Buch herausgegeben, das alle Gebäude mit Fotos, Grundrissen und Schnitten vorstellt: Living in Monnikenheide. Care, Inclusion and Architecture. Eine ausführliche Rezension ist bei den Baunetz-Meldungen erschienen. Über den Campus Monnikenheide und die jüngsten Beispiele guter Pflegearchitektur in Flandern gibt es zudem eine Baunetzwoche mit dem Titel Vorbild Flandern. Gute Häuser für die Pflege (beide siehe Surftipps).

Bautafel

Architektur: Felt, Gent
Projektbeteiligte: Robuust (Technische Beratung)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung:
2021
Standort: Zoersel, Provinz Antwerpen, Belgien
Bildnachweis: Stijn Bollaert

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