Veterinärmedizinisches Forschungsinstitut in Ås

Offen und abgeschottet zugleich

Schon Jahre vor dem weltweiten Ausbruch der Covid 19-Pandemie beschloss die norwegische Regierung, dass das Land eine Vorreiterrolle auf den Forschungsgebieten der Biosicherheit und der Verbreitung von Infektionskrankheiten einnehmen sollte. Ein Neubau für die Veterinärmedizin auf dem Campus in Ås, etwa 35 Kilometer von Oslo entfernt, galt als Meilenstein für diese politische Zielsetzung. Hier sollten die tiermedizinische Fakultät und das Norwegische Veterinärinstitut sowie fachlich bezogene Einrichtungen von verstreut liegenden Standorten zusammengeführt werden. Den Wettbewerb für das neue Lehr- und Forschungsinstitut gewannen Henning Larsen Architects 2012 mit dem Entwurf einer Lernlandschaft, die Offenheit und Durchlässigkeit mit abtrennbaren Sicherheitszonen verbindet.

Henning Larsen Architects gewannen 2012 den für das Projekt ausgelobten Wettbewerb mit dem Entwurf einer Lernlandschaft, in der Offenheit und Durchgängigkeit mit abtrennbaren Sicherheitszonen verbunden werden.
Der Neubau entstand aus dem Wunsch der norwegischen Regierung, dass Land zu einer führenden Nation in der Erforschung von Biosicherheit und der Verbreitung von Infektionskrankheiten entwickelt werden sollte.
Die Ziegelfassaden orientieren sich an den Bestandsgebäuden, von denen einige aus der Gründungszeit des Campus stammen.

Großprojekt setzt Maßstäbe

Als der Gebäudekomplex 2021 auf dem Campus der Norwegischen Universität für Umwelt- und Biowissenschaften (NMBU) in Ås eröffnet wurde, war er der landesweit größte Bau im Bildungssektor. Nicht nur hinsichtlich seiner Größe setzt er Maßstäbe, auch in der Bandbreite der Fachbereiche, der Raumausstattung, der avancierten Technik und der Vielzahl der hier tätigen Expert*innen.

Die gesamte veterinärmedizinische Anlage umfasst 2.400 Räume mit einer Bruttonutzfläche von 63.000 Quadratmetern, verteilt auf acht Gebäudetrakte. Durch die Höhenbegrenzung auf maximal vier Geschosse fügen sich die gestaffelten Baukörper mit ihren begrünten Innenhöfen unaufdringlich in die Landschaft ein. Die Fassade aus handgeschnittenen, rötlich-braun changierenden Ziegeln passt sich den bestehenden Gebäuden an, von denen einige aus dem Jahr 1859 stammen – der Gründungszeit des Campus.

Offenheit und Abschottung

Die Verzahnung von Forschung und Lehre werden durch die offene räumliche Anordnung begünstigt. Verbindungen, Überschneidungen oder Aufweitungen der Wege und die grünen Innenhöfe bieten Gelegenheit für Begegnungen und den fachübergreifenden Austausch. Weil hier jedoch heikle Mikromaterien erforscht und Krankheiten behandelt werden, sind potenziell gefährliche Spezialräume wie Labore, aber auch Untersuchungszimmer und Operationssäle vom Gesamtorganismus des Gebäudes abgeschottet.

Der gleichzeitige Wunsch nach Öffnung und Abtrennung, Durchlässigkeit und Sicherung, Verbindung und Isolation war eine Herausforderung für den Entwurf. Auf der einen Seite waren leichte Zugänglichkeit und Bewegungsfreiheit in der Lernlandschaft gefragt, auf der anderen Seite hermetische Abschottung durch elektronische und mechanische Schließsysteme, Sensoren und Schutzbeschläge zur Vermeidung von Ansteckungs- oder Kontaminierungsgefahr. Die ergonomisch geformten Türdrücker sind aus matt gebürstetem Edelstahl gefertigt und lassen sich gut reinigen.

Modulare Bauabschnitte

Um die gegensätzlichen Anforderungen umzusetzen, wurde die Gesamtanlage in modulare Einheiten unterteilt, die einzeln abgetrennt werden können, während andere Abschnitte durchlässig bleiben. Im Zentrum sind die Labore und hochsicheren Infektions- oder Isolierstationen angeordnet, außen liegen wie eine schützende Hülle Hörsäle, Mensa, Seminar-, Bibliotheks- und Büroräume, also alle Bereiche, in denen Austausch stattfindet, gemeinsam gearbeitet und Wissen vermittelt wird. In den äußeren Flügeln sind zudem drei eigenständige Kliniken für Nutztiere, Pferde und kleine Haustiere mit Aquarien, Ställen, einer Reithalle und Freiflächen untergebracht.

Brückenschlag

Der Entwurf der Lernlandschaft basiert auf der Vorstellung, dass durch Zusammenarbeit neue wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen können. In Verbindung mit den hochsicheren Gebäudeabschnitten entspreche das Projekt, so Henning Larsen Architects, einem „Brückenschlag zwischen groß und klein, gefährlich und sicher, klinisch und menschlich, isoliert und verbunden.“

Bautafel

Architektur: Henning Larsen Architects, Kopenhagen; Fabel Arkitekter, Oslo
Projektbeteiligte: Multiconsult, Oslo (technische Beratung); Link Landscape, Oslo (Landschaftsarchitektur); Erichsen & Horgen, Oslo (Heizungs-, Sanitär-, Energie- und Klimatechnik); NNE Pharmaplan, Virum (Laborplanung); Randi, Randers (Randi-Line Türgriffe 1010 und 1015)
Bauherr/in: Statsbygg, Norwegen (staatliche Baubehörde Norwegens)
Fertigstellung: 2021
Standort: Elizabeth Stephansens vei 15, 1433 Ås, Norwegen
Bildnachweis: Einar Aslaksen, Oslo; Henning Larsen Architects, Kopenhagen

Fachwissen zum Thema

Türgriff aus Edelstahl, matt und poliert

Türgriff aus Edelstahl, matt und poliert

Materialien

Edelstahl

Die Ummantelung aus Birkenrinde sorgt bei diesem Türdrücker für eine wohlige Haptik. Der Entwurf für den Nordic Straight stammt von dem dänischen Designer und Architekten Lars Vejen.

Die Ummantelung aus Birkenrinde sorgt bei diesem Türdrücker für eine wohlige Haptik. Der Entwurf für den Nordic Straight stammt von dem dänischen Designer und Architekten Lars Vejen.

Grundlagen

Ergonomie von Türbeschlägen

Alarmfenstergirff

Alarmfenstergirff

Grundlagen

Sicherheit durch moderne Türbeschläge

Drückergarnituren bestehen aus verschiedenen Bestandteilen

Drückergarnituren bestehen aus verschiedenen Bestandteilen

Türbeschläge

Türdrücker

Bauwerke zum Thema

Biomedizinzentrum Ruhr in Bochum

Sonderbauten

Biomedizinzentrum Ruhr in Bochum

Auf dem Gelände des Modulbau-Spezialisten KOMA steht seit kurzem ein von Chybik + Kristof mitgestalteter, schillernder Pavillon, in dem die Forschungsabteilung des Unternehmens untergebracht ist.

Auf dem Gelände des Modulbau-Spezialisten KOMA steht seit kurzem ein von Chybik + Kristof mitgestalteter, schillernder Pavillon, in dem die Forschungsabteilung des Unternehmens untergebracht ist.

Büro/​Gewerbe

Modulares Forschungszentrum in Vizovice

Surftipps