Verbundsicherheitsglas (VSG)

Verbundsicherheitsglas (VSG) besteht aus mindestens zwei Flachglasscheiben, die mit einer elastischen, reißfesten Hochpolymerfolie, meist Polyvinylbutyral (PVB) oder Sentryglas plus (SGP), so miteinander verbunden sind, dass bei einem Bruch der Scheiben die Bruchstücke an der Folie haften bleiben. Dies mindert das Risiko von Schnitt- oder Stichverletzungen bei Zerstörung der Scheiben und ermöglicht nach dem Bruch eine Resttragfähigkeit der VSG-Einheit. Die Produktion von Verbundsicherheitsglas beginnt mit dem Zuschnitt der Glasscheiben und Bearbeitung der Kanten.

Herstellung von VSG
Resttragfähigkeitsversuch an einem Verbundsicherheitsglas

Gebogenes VSG
Soll VSG aus thermisch gebogenen Glasscheiben hergestellt werden, müssen die Glasscheiben, die später zu einer Einheit zusammengefügt werden sollen, zunächst paarweise gebogen werden. Anschließend können die Scheiben im Offline-Verfahren beschichtet und gewaschen werden. Im Verlegeraum werden die Glasscheiben und Folien sandwichartig zusammengelegt. Bevor das Scheibenpaket dem endgültigen Autoklavenprozess zugeführt werden kann, müssen die beim Zusammenlegen unvermeidbaren Luftblasen zwischen den einzelnen Lagen entfernt werden. Hierfür wird zunächst ein sogenannter Vorverbund hergestellt. Die Vorverbundherstellung kann entweder durch eine Walzen/Rollenpresse oder durch das Vakuumverfahren erfolgen.

Vorverbundherstellung durch eine Walzen/Rollenpresse
Bei der Vorverbundherstellung durch eine Walzen/Rollenpresse wird das lose zusammengelegte Sandwich aus planen Scheiben und Folie auf der Glasoberfläche in einem kurzen Heiztunnel mit mittelwelligen Infrarot-Strahlern auf eine Temperatur von ca. 35°C erwärmt. Anschließend wird mithilfe eines Gummiwalzenpaares die eingeschlossene Luft zu einem großen Teil herausgedrückt. In einem weiteren Heiztunnel wird die Glasoberfläche auf 60°C bis 70°C erwärmt und der Walzprozess wiederholt. Danach ist die Folie flächig mit dem Glas verbunden, sodass eine vorzeitige Trennung vor dem Autoklavenprozess nicht möglich ist.

Vorverbundherstellung durch das Vakuumverfahren
Die Vorverbundherstellung durch das Vakuumverfahren ist normalerweise auf gebogene Scheiben und Glas/Folien-Mehrfachverbunde beschränkt. Zunächst wird hierbei mit einem Vakuum von -0,8 bis -0,9 bar die Restluft aus dem Scheibenpaket evakuiert. Nach vollständiger Entlüftung wird das Scheibenpaket bei 100°C bis 120°C im Wärmetunnel oder Wärmeschrank ca. 20 Minuten erwärmt. Im Vakuumprozess hergestellte Vorverbunde zeichnen sich gegenüber dem Walzenvorverbund durch einen klareren Vorverbund aus. Der Herstellung von VSG wird durch den Autoklavenprozess beendet. Bei einem Druck von etwa 12 bis 14 bar und einer Lufttemperatur von 140°C wird das Sandwich endgültig zu Verbundsicherheitsglas. Dabei ist die Wahl der Prozessparameter (Dauer, Druck, Temperatur) enorm wichtig. Je nach Aufbau und Abmessung der Verbunde muss die Prozessdauer angepasst werden, um ein spannungsfreies Endprodukt zu erhalten. Die Behandlung im Autoklav dauert üblicherweise zwischen einer und sechs Stunden.

Einsatzbereiche für VSG
In Deutschland muss VSG bei Überkopfverglasungen aus Gründen der Resttragfähigkeit Bestandteil des Scheibenaufbaus sein. Zunehmend werden aber auch im Fassadenbereich punktgelagerte Verglasungen aus VSG eingesetzt. Bei Vertikalverglasungen kann im Unterschied zu Überkopfverglasungen bei der Zerstörung beider Scheiben auch mit VSG aus ESG eine gute Resttragfähigkeit erreicht werden. Das Eigengewicht des Glases wirkt dabei in der Scheibenebene und die Bruchstücke werden durch die splitterbindende Wirkung der Folie zusammengehalten. Manche Verbundgläser mit einem Gießharzverbund werden im Rahmen von Zulassungen inzwischen auch als VSG eingestuft.

Zahlreiche gebaute Beispiele in unserer Rubrik Objekte belegen die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von VSG; eine kleine Auswahl siehe Objekt(e) zum Thema.

Fachwissen zum Thema

Bruchbild von Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG)

Bruchbild von Einscheiben-Sicherheitsglas (ESG)

Funktionsgläser

Einscheibensicherheitsglas (ESG)

Die gläsernen Kegelstümpfe im Besucherzentrum des Joanneumviertels in Graz leiten großzügig Tageslicht in das Untergeschoss (eep Architekten)

Die gläsernen Kegelstümpfe im Besucherzentrum des Joanneumviertels in Graz leiten großzügig Tageslicht in das Untergeschoss (eep Architekten)

Glasbearbeitung

Gebogene/Gekrümmte Gläser

Horizontalverglasung über der Berliner Reichstagskuppel; Architekten: Foster & Partners

Horizontalverglasung über der Berliner Reichstagskuppel; Architekten: Foster & Partners

Horizontale Glaselemente

Horizontalverglasungen

Resttragfähigkeitsversuche

Resttragfähigkeitsversuche

Sicherheit/​Tragfähigkeit

Resttragfähigkeit

Funktionsgläser

Verbundglas (VG)

Objekte zum Thema

Außenansicht des Actelion Business Center

Außenansicht des Actelion Business Center

Büro/​Verwaltung

Bürogebäude Actelion in Allschwil

Zwei Glasblasen dienen einem Grappahersteller als Wahrzeichen

Zwei Glasblasen dienen einem Grappahersteller als Wahrzeichen

Gewerbe/​Industrie

Destillerie Nardini in Bassano del Grappa

Das verschachtelte Bauwerk wurde früher vom Ministerium für Straßenbau genutzt, rechts im Bild das neue Eingangsgebäude

Das verschachtelte Bauwerk wurde früher vom Ministerium für Straßenbau genutzt, rechts im Bild das neue Eingangsgebäude

Büro/​Verwaltung

Eingangsgebäude der Bank of Georgia in Tifilis

Der Entwurf von Schneider + Schumacher verändert das historische Ensemble nicht durch zusätzliche Hochbauten

Der Entwurf von Schneider + Schumacher verändert das historische Ensemble nicht durch zusätzliche Hochbauten

Kultur

Erweiterung des Städel Museums in Frankfurt a.M.

Das Jagdschloss aus der Vogelperspektive

Das Jagdschloss aus der Vogelperspektive

Kultur

Jagdschloss Platte in Wiesbaden

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
BauNetz Wissen Glas sponsored by:
Saint-Gobain Glass Deutschland