Universitätsgebäude The Science Place in Townsville

Feststehender Sonnenschutz in vielen Varianten

Normalerweise benötigt ein Universitätsgebäude im Nordosten Australiens, wo tropisches Klima herrscht, eine kräftige Klimatisierung. Wird allerdings die Auszeichnung LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) in Gold angestrebt, ist Einfallsreichtum gefragt. Dem zur James Cook University in Townsville gehörigen Bau The Science Place ist die Ideenfülle anzusehen, mit der die Architekten von Hassel Studio aus Brisbane die Planung angingen. Die Fassade des lang gestreckten, zwei- bis viergeschossigen Bauwerks mit weit auskragenden Flachdächern zeigt ein Potpourri an Sonnenschutzsystemen aus Aluminium.

Der lang gestreckte, zwei- bis viergeschossige Bau vereint auf 12.000 Quadratmetern die Fakultäten für Chemie, Biochemie und Biologie
Der Eingang ist nach Norden gerichtet: Die Erschließungszone markieren rostrote Aluminiumleisten, den Arbeitsplätzen ist eine Rautengitterstruktur vorgeblendet
Der Neigungsgrad der Gitterstruktur verhindert eine direkte Sonneneinstrahlung zu jeder Tageszeit, was aufgrund der empfindlichen Labortechnik unbedingt notwendig ist

Das neue akademische Zentrum vereint auf rund 12.000 Quadratmetern die Fakultäten für Chemie, Biochemie und Biologie. Der wissenschaftliche Austausch soll so begünstigt, die interdisziplinäre Arbeit angeregt werden. Auf den unteren beiden Etagen erstreckt sich „The Hub", ein für das problemorientierte Arbeiten und die Recherche konzipiertes Lernzentrum für Studenten. Projekträume und ein großer Saal mit Arbeitsplätzen befinden sich hier neben einem Vorlesungssaal und einem Café. Die oberen Geschosse beherbergen Labore für die Forschung sowie zwei sogenannte Super-Labs mit jeweils 150 Sitzplätzen, in denen sowohl geforscht als auch gelehrt wird. Mit ihrer Ausstattung werden sie unterschiedlichen Klassengrößen ebenso gerecht wie differenten Fachgebieten, die Raumnutzung ist also äußerst flexibel. Verbunden sind die Zonen „Lernen“ und „Forschen“ durch mehrere Lufträume sowie einen zentral an der nördlichen Eingangsseite platzierten Treppenaufgang.

Zur LEED-Klassifizierung in Gold trägt eine breite Palette energiesparender Maßnahmen bei. Neben der Wiederverwertung und dem Recycling alter Baumaterialien gehören eine tageslichtabhängig gesteuerte Beleuchtung, wassersparende Armaturen sowie das helle reflektierende, eine Erwärmung durch Sonnenstrahlung reduzierende Dach dazu.

Sonnenschutz
Fast jedem Quadratmeter der überwiegend verglasten Gebäudehülle sind Sonnenschutzelemente vorgeblendet. Zum Einsatz kommen fünf verschiedene, durchweg feststehende außenliegende Systeme. Sie sind so geformt und positioniert, dass ein Maximum an Tageslicht eindringen kann, direkte Sonnenstrahlen aber verhindert werden. Dennoch ergeben sich viele, teils unerwartete Aus- und Durchblicke.

An der Ost- und Westfassade wurden geschosshohe, konkave Aluminiumelemente angebracht, die mit drei bis fünf Millimeter großen Löchern unterschiedlich perforiert sind. Sie gliedern die Schmalseiten des Gebäudes wie übergroße Lamellen und lassen gefilterte Ausblicke zu. Aufgrund der leichten Wölbung ist in einem flachen Winkel zwischen den Elementen eine klare Durchsicht möglich.

Die Hauptfassade ist gen Norden gerichtet. Hier liegen der Haupteingang mit Treppenhaus, die galerieartige Erschließung sowie Büros und Laborbereiche. Die unterschiedlichen Nutzungen sind ablesbar: Während die Erschließungszone in der Mitte durch rostrote, vertikale Aluminiumleisten markiert ist, verbergen sich die Arbeitsbereiche beidseitig hinter einer rund 40 cm tiefen, beinahe haushohen Rautenstruktur. Der Neigungswinkel der Gitterstruktur verhindert eine direkte Sonneneinstrahlung zu jeder Tageszeit, was aufgrund der empfindlichen Labortechnik auch unbedingt notwendig ist. Von den Steinböden rundum wird jedoch viel natürliches Licht in die Räume reflektiert. Die Rauten öffnen sich so weit, dass horizontale Ausblicke möglich sind.

Die Südfassade wird von vertikalen Aluminiumlamellen in verschiedenen Höhen und Tiefen dominiert. Übergreifend sorgt das weit auskragende Dach für Schatten – vor allem zu den Mittagsstunden, wenn die Sonne am höchsten steht. 

Bautafel

Architekt: Hassel Studio, Brisbane
Projektbeteiligte: Lucy O'Driscoll, Peter Hastings (Projektleitung Hassel Studio); Troy King (Innenarchitekt); Lendlease, Sydney (Bauausführung); Opus, Springhill (Fassade)
Bauherr: James Cook Universität, Townsville
Fertigstellung: 2017
Standort: 1 James Cook Dr, Douglas QLD 4814, Townsville, Australien
Bildnachweis: Andrew Rankin, Townsville

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Materialien

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