Universitätsgebäude in Bogotá

Stufen zum Verweilen

Am Fuße bewaldeter Hänge in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá erhebt sich ein 74 Meter hoher Turm mit filigraner Stahlfassade. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine Erweiterung der Päpstlichen Universität Javeriana, die unter anderem die Labore der Ingenieursfakultät beherbergt. Geplant wurde der 15-geschossige Bau von den ortsansässigen Architekturbüros Juan Pablo Ortiz Arquitectos JPO und Taller Architects.

Bei dem 74 Meter hohen Turm handelt es sich um einen Anbau an ein bestehendes Univerversitätsgebäude.
Juan Pablo Ortiz Arquitectos JPO und Taller Architects entwarfen eine Stahlrahmenkonstruktion aus Hohlprofilen, die das Erscheinungsbild des markanten Bauwerks charakterisiert.
Auf mittlerer Höhe befindet sich ein Technikgeschoss hinter Vertikallamellen.

Stahl trifft Ziegel

Dem Bau des neuen Universitätsturms ging ein Wettbewerb aus dem Jahr 2014 voraus. Darin war die Sanierung eines bestehenden Ziegelbaus der Technischen Fakultät aus den späten 1980er-Jahren und ein Anbau in Stahl gefordert. Umgesetzt wurde die Fassade des Neubaus als Stahlrahmenkonstruktion aus Hohlprofilen, die mit ihrer messingfarbenen Oberfläche den Turm charakterisiert. Die filigranen Profile und schmalen Fenster, die seitlich von lisenenartigen Blechen gefasst sind, betonen die Vertikale. Die schlanke Konstruktion trägt dazu bei, dass sich der Neubau harmonisch in den Bestand einfügt, der sich sowohl in der Höhe, als auch in Farbigkeit und Materialität von ihm unterscheidet.


Lernen und forschen auf 14.000 Quadratmetern

Das neue Gebäude teilen sich die Fakultäten für Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Wirtschaftsingenieurwesen und Systemtechnik. Es ist mit etwa 14.000 Quadratmetern etwa doppelt so groß wie der Bestandsbau. Darin untergebracht sind unter anderem 94 Labore, daneben gibt es Bereiche für Lehrende und auf einer Fläche von 700 Quadratmetern informelle Lernareale für Studierende. Glaswände sorgen für Transparenz und sollen den Austausch zwischen den verschiedenen Forschungseinrichtungen und Disziplinen fördern; bodentiefe Fenster gewähren Ausblicke über die Ausläufer der Anden.


Technikgeschoss schafft Dachterrasse

Statt wie sonst üblich auf dem Dach ordneten die Architekt*innen das Technikgeschoss auf mittlerer Höhe des Turms an. Von außen ist dieses Geschoss an den Vertikallamellen zu erkennen, die den Blick ins Innere verdecken. Auf diese Weise blieb Platz für eine Dachterrasse, die mit zahlreichen Sitzmöglichkeiten und einer Begrünung ausgestattet, zum Verweilen unter freiem Himmel einlädt.


Atrium mit Sitztreppe

Über ganze fünf Geschosse reicht das großzügige Atrium, das den Ziegelbau mit dem Stahlturm verbindet. Es soll nicht nur als Eingangs- und Übergangsort dienen, sondern auch als Treffpunkt und Pausenraum, an dem sich die Gebäudenutzer*innen gerne aufhalten. Eine breite gerade Treppe mit Zwischenpodest nach der zehnten Stufe überbrückt die unterschiedlichen Höhenniveaus auf beiden Seiten des Komplexes. Am Fuße der Treppe stehend, blickt man auf die mit dunklem Holz verkleideten Setzstufen, die die Farbigkeit der Ziegelwand des Bestandsgebäudes aufgreifen. Ein minimalistisches, messingfarbenes Metallgeländer korrespondiert mit der Stahlfassade des Turms.

Die Treppe ist so konstruiert, dass sie entlang der beiden Außenseiten begangen wird. Mittig sind die Stufen doppelt so hoch und tief wie außen und können als Sitzgelegenheit genutzt werden. Die Treppe ist also Erschließung und Aufenthaltsort zugleich. Universitätsangehörige können hier ihre Pausen verbringen oder sich für informelle Besprechungen treffen. Zur angenehmen Atmosphäre im Atrium trägt eine üppig begrünte Wand bei, die die umgebende Landschaft, zumindest ein Stück weit, ins Gebäudeinnere holt. -np

Bautafel

Architektur: Juan Pablo Ortiz JPO und Taller Architects, beide Bogotá
Projektbeteiligte: Oficina de Construcciones PUJ, Bogotá (Bauleitung); Ekoobim, Bogotá (BIM-Koordination); Acústica, Diseño y Tecnología, Bogotá (Akustikdesign); Ecophi, Karlsruhe (Klimaberatung); Sm&A Ingeniería Eléctrica Y Mecánica, Bogotá (Elektroplanung); CNI Ingenieros Consultores, Bogotá (Tragwerksplanung); Luis Fernando Orozco - Ingenieros De Suelos, Bogotá (Geotechnik); Jorge Armando Granados (Sanitärplanung); Oscar Villamizar y Cia. Ingenieros Consultores, Bogotá (Planung von Heizung, Lüftung und Klimatisierung); Thyssenkrupp, Essen (Vertikale Erschließung); Juan Pablo Ortíz y Taller Arquitectos, Bogotá (Leistungsverzeichnis und Innenarchitektur); Agr y Cia, Bogotá (Brandschutz); Carmenza Henao Londoño, Bogotá (Lichtdesign); Groncol, Bogotá (Landschaftsdesign); Toquica Estudio, Bogotá (Beschilderung und Grafikdesign); Consultécnicos, Bogotá (Bauaufsicht); Hormigón Reforzado y Estahl Ingeniería, Bogotá (Bauunternehmen)
Bauherr*in: Päpstliche Universität Javeriana, Bogotá
Fertigstellung: 2020
Standort: Cl. 40 #550, Bogotá, Kolumbien
Bildnachweis: Alejandro Arango, Diez Veinte (Fotos); Juan Pablo Ortiz JPO und Taller Architects (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Die DIN 18065 Gebäudetreppen unterscheidet lediglich zwischen Treppen, die mit dem Gebäude konstruktiv verbunden sind und Treppen, die unabhängig vom Gebäude im Gelände erstellt wurden (Freitreppen). Im Bild eine Innentreppe im Bauhaus Dessau.

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Treppenarten

Innentreppen

Im Firmengebäude von Osram in München steht diese Metallwangentreppe mit Trogstufen aus Stahlblech und einem Endbelag aus Holz.

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Treppenelemente

Stufenbeläge

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