Umbau und Sanierung in der Sperrstraße 91 in Basel
Wärmeschutz und Wohnungszuwachs
Dichte Häuserreihen prägen die Straßen zwischen Mustermesse, Clara- und Matthäusquartier in Basel. Hier liegt in der Sperrstraße 91 ein Wohnhaus aus dem Jahr 1956, mit einem ehemaligen Gewerbebau im Hinterhof. Nach Plänen von SAG Architekten wurden die beiden Häuser für die Stiftung Habitat hergerichtet. Seit 2024 ist hier Platz für begleitete Wohnformen.
Stiftung fördert günstigen Wohnraum
1998 wurde die Stiftung Habitat auf dieses und ein weiteres Wohnhaus im Viertel aus den 1950er-Jahren aufmerksam. Die Stiftung macht sich seit 1996 in Basel für eine wohnliche Stadt und bezahlbare Mieten stark. Dazu erwirbt sie selbst Liegenschaften und Grundstücke und überlässt sie Dritten zur Nutzung. Als Orientierung dienen die Bedürfnisse des jeweiligen Quartiers sowie das Potenzial des Bestands. Im Fall der Sperrstraße 91 überzeugten die Stiftung neben der soliden Bausubstanz auch die guten Grundrisse und die gewachsene Mieterstruktur. Die Mieterschaft ist heute bunt gemischt: Drei der Wohnungen sind an die Heilsarmee und an ein Kinderheim vermietet, die darin Projekte für begleitetes Wohnen unterhalten.
Sanierung für Wohnen auf kleinem Raum
In den 1950er-Jahren waren viele Wohnungen noch deutlich kleiner konzipiert als heute und ihr Komfort beschränkte sich auf das Notwendige. Die Stiftung wertete das keinesfalls als Nachteil, schließlich ist in der Schweiz eine Rückbesinnung auf das Wohnen auf kleinem Raum zu beobachten. Ausgehend von den vorhandenen elf Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen passten SAG Architekten fünf weitere in das Dachgeschoss des Vorderhauses sowie in den hofseitigen Gewerbebau ein. In diesem Zuge wurden die beiden Gebäude außerdem energetisch ertüchtigt. Dass das Ensemble im bewohnten Zustand saniert werden musste, stellte insbesondere beim Einbau der neuen Küchen und Bäder eine Herausforderung dar.
Neue Räume im Vorderhaus
Im ausgebauten Dachgeschoss des Vorderhauses ist nicht nur eine ganze Wohnung, sondern auch ein zumietbares Mansardenzimmer entstanden. Zudem organisierten die Planer*innen das Erdgeschoss neu: Die straßenseitige Wohnung gewann an Privatheit, indem sie zum Hof hin, in die früheren Garagenboxen verlegt wurde. Dort entstand auch ein zusätzlicher Trockenraum. In der Folge erhielt die Hoffassade im Erdgeschoss großzügige Fensteröffnungen mit dreifachverglasten Holzfenstern und Metall-Faltschiebeläden. Darüber erweiterte man die sehr kleinen Bestands-Balkone mit einer Stahlkonstruktion zu großzügigen, einladenden Balkonen. An der Straßenfassade liegt jetzt ein großer Raum für Fahrräder (mit Lademöglichkeiten für E-Bikes), der direkt von der Durchfahrt aus zugänglich ist und dem gestiegenen Platzbedarf für Zweiräder gerecht wird.
Wohnen statt Gewerbe im Hinterhaus
Im behutsam umgebauten Hofgebäude reihen sich heute vier Kleinstwohnungen aneinander. Um den beengten Platzverhältnissen Rechnung zu tragen, sind die nur 35 Quadratmetern Wohnfläche sind als Maisonette organisiert, mit Blick auf den begrünten Innenhof. Im Erdgeschoss verfügen sie über eine gemeinsame, überdachte Terrasse. Das Hinterhaus und auch das Erdgeschoss des Vorderhauses wurden mit wiederverwendeten Trapezblechen verkleidet. Auch sonst kamen diverse wiederverwendete Bauteile zum Einsatz. So sind die Küchen ein Patchwork aus alten Schulküchen und neuen Elementen.
Dämmung Vorderhaus
Auf die bestehende Beton-Bodenplatte des Erdgeschosses wurde eine 100 mm Dämmschicht mit Feuchtigkeitssperre aufgebracht und darauf 55 mm Weißzement als Bodenbelag. Im ausgebauten Dachgeschoss ertüchtigte man die bestehende Brandmauer:
- 25 mm zwei Lagen Gipskartonplatten
- 50 mm Metall-Ständerwand, ausgedämmt
- 100 mm Wärmedämmung aus XPS
- 20 mm Putz (Bestand)
- 390 mm Brandmauer (Bestand)
- 20 mm Putz (Bestand)
Auch die Holzbalkendecke zwischen dem Dachgeschoss und dem vierten Obergeschoss wurde schall- und brandtechnisch ertüchtigt. Der Aufbau ist nun wie folgt:
- 10 mm Linoleumbelag
- 30 mm Gipsfaserplatten mit Holzfaserplatte
- 40 mm Ausgleichsschüttung
- 27 mm Riemenboden (Bestand)
- 200 mm Balkenlage mit 50 mm Dämmung (beides Bestand)
- 100 mm Mineralwolle im Balkenzwischenraum
- Abhängung mit Schallentkopplung
- 25 mm zwei Lagen Gipsfaserplatten
Dämmung Hinterhaus
Analog zum Vorderhaus wurde auch beim Hinterhaus die Außenwand zur benachbarten Brandmauer ertüchtigt. Zum Hof erstellte man die Außenwände komplett neu:
- 150 mm Beton-Überzug / Holzträger / Holzkonstruktion
- Dampfbremse
- 200 mm mineralische Wärmedämmung
- 40 mm Holzfaserplatte
- Windpapier
- 40 mm Holzlattung
- Trapezblech-Verkleidung
Die Wohnungstrennwände bestehen aus vollfugig vermauertem Kalksandstein. Sie sind auf der einen Seite sichtbar belassen, auf der anderen ist sie verkleidet: Hier befindet sich vor einem 5 mm tiefen Hohlraum eine 50 mm starke, ausgedämmte Metall-Ständerwand, verkleidet mit zwei Gipskartonlagen. Ebenfalls neu ist der Bodenaufbau im Erdgeschoss:
- 80 mm Unterlagsboden aus geschliffenen Weißzement, mit Fußbodenheizung
- Trennlage
- 30 mm Trittschalldämmung
- Feuchtigkeitssperre
- 250 mm Recycling-Stahlbeton
- 140 mm Wärmedämmung aus XPS
Das Projekt wurde mit dem best architects 2026 Award (Kategorie Umbauten & Erweiterungen) ausgezeichnet.
Bautafel
Architektur: SAG Architektur, Basel
Projektbeteiligte: von Ah Tragwerksplanung; Eplan; Graf Ingenieure; V+B Sanitärplaner; BAKUS Bauphysik & Akustik; Kasburg Siemon Ingenieure; Zirkular
Bauherrschaft: Stiftung Habitat, Basel
Fertigstellung: 2024
Standort: Sperrstrasse 91, 4057 Basel
Bildnachweis: foto-werk gmbh, Michael Fritschi (Fotos); SAG Architektur, Basel (Pläne)
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