Umbau: Hof Wimmer im Salzburger Land

Ein Wohnhaus zwischen ehemaligen Silotürmen

Kaum vorstellbar, dass in alten Heusilos nun eine Treppe, Bäder, eine Bibliothek oder Kapelle ihren Raum finden. Doch genau diese außergewöhnliche Umnutzung zeigt sich in der Gemeinde Schleedorf nördlich von Salzburg. Dort hat eine mutige Bauherrenfamilie gemeinsam mit dem Architekten Tom Lechner von LP Architektur vier alte Silotürme aus Beton zu einem Wohnhaus mit Mehrzweckraum erweitert und umfunktioniert.

Ebenfalls neu ist ein Stallgebäude in Holzbauweise auf dem Gelände.
Die horizontale Schichtung des Stampfbetons erinnert laut Architekten an die frühere Bestimmung der Silos.
Die nach außen gedämmten und mit einer Schicht aus Stampfbeton ertüchtigten ehemaligen Silos nehmen innen neue Funktionen auf.

Die vier Silos bilden nun den Rahmen für einen ergänzenden Neubau, der sich – weitgehend in Holzbauweise errichtet – zwischen die bestehenden Ecktürme einschiebt. Mit seinem Satteldach reiht er sich zudem in die Architektur der Nachbarschaft ein. Ebenfalls neu ist ein Stallgebäude auf dem Gelände.

Holz- und Stahlkonstruktion in einem Rahmen aus Beton

Die Außenwände und Fassaden der Ergänzung sind als Holzriegelkonstruktion mit einer Verschalung aus Lärchenholz ausgeführt. Die horizontal und vertikal geschichteten Holzelemente rahmen an allen vier Seiten die mittig platzierten Tür- und Fensterelemente, die für großzügigen Lichteinfall in die Innenräume sorgen. Lediglich auf der Südseite kragt im zweiten Obergeschoss ein Balkon aus der sonst weitgehend einheitlich gestalteten Fassade aus. Mit der Zeit wird die Holzlattung an den Giebeln und Fassaden verwittern und sich so dem Ton der Silotürme angleichen.

Innen bildet ein Tragwerk aus Stahl und Brettsperrholz die Konstruktion. Fenster und Türen sind ebenfalls aus Lärchenholz gefertigt. Die Deckenplatten sind aus Fichtenholz, die Böden mit gebürsteter Weißtanne bekleidet. Die Raumhüllen aus Sichtholz schaffen dabei rundum eine warme, wohnliche und aufgrund offener Raumstrukturen auch hell belichtete Umgebung.

Transformation zum dreigeschossigen Wohnhaus

Im Erdgeschoss ist ein offener Mehrzweckraum untergebracht, in dem sowohl die Familie zusammenkommen kann als auch kleinere Veranstaltungen stattfinden können. Sogar eine Hauskapelle befindet sich hier, umgeben von ehemaligen Silowänden und einer zusätzlichen runden Filtermauerwerkswand aus wiederverwendeten Ziegeln. Am Zugang zur Kapelle ist der historische Schwellenstein vom alten Hof eingesetzt. Im ersten Obergeschoss finden sich drei Schlafzimmer. Die angrenzenden drei Silobereiche nehmen je ein Badezimmer auf. Das oberste Geschoss ist als offener Wohnbereich angelegt und beherbergt in den Silobereichen eine Küche, eine Bibliothek und einen Nebenraum.

Während in drei der Silos Decken eingezogen wurden, befindet sich im vierten eine Spindeltreppe, sodass hier die gesamte Silohöhe erlebbar ist. Die Stufen sind an einem mittig platzierten Pfeiler aus gestapelten Betonrohrsegmenten verankert, die mit Beton ausgegossen wurden und somit als verlorene Schalung dienten.

Stampfbeton als neue äußere Hülle der erhaltenen Bestandselemente

Die 15 cm starken Wände der Silotürme sollten ursprünglich in ihrer rohen Materialität nach außen erhalten bleiben und nach innen gedämmt werden. Da jedoch die Betonoberfläche aufgrund altersbedingter Risse und Undichtigkeit nicht mehr als Wetterschicht taugte, musste im laufenden Planungsprozess umgedacht werden, wie der Architekt in einem Beitrag in der Fachzeitschrift Holzbau Austria berichtet.

So erhielten schließlich die Bestandsbetonwände von außen eine 15 cm dicke Hartschaumdämmung, die wiederum mit 20 cm starkem Stampfbeton umhüllt ist. Die horizontalen Lagen des Stampfbetons sind nun zum charakteristischen Merkmal der außergewöhnlichen Fassade geworden und erinnern an das einst in den Silos geschichtete Heu. Im Inneren bleibt wiederum die originale Oberfläche in Sichtbeton erlebbar – und damit die vormalige Nutzung abermals für die Bewohnerschaft allseits präsent.

Bautafel

Architektur: LP architektur ZT, Altenmarkt im Pongau
Projektbeteiligte: Zimmerei Hutterer (Holzbau Silotürme), Ebster Holzbau (Holzbau Stallgebäude), Gruber ZT
(Tragwerksplanung), Ing. Rothbacher (Bauphysik)
Bauherr*in: Monika und Stefan Wimmer
Standort: 5205 Schleedorf, Österreich
Fertigstellung: 2025
Bildnachweis: Albrecht Schnabel (Fotos); LP architektur (Pläne)

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Betonarten

Stampfbeton

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Herstellung

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