Umbau der Automatické mlýny in Pardubice

Kultur in Mühlenhalle und Silo

Am Ufer des Flusses Chrudimka, im Zentrum der tschechischen Stadt Pardubice, ist ein Gebäude nicht zu übersehen: die Automatické mlýny, zu Deutsch Automatische Mühlen. In dem heutigen Denkmal wurde rund 100 Jahre lang Getreide gemahlen. Unter Beteiligung von Prokš Přikryl architekti und TRANSAT architekti wandelte sich das Areal zu einem Kulturzentrum. 2023 war die Transformation abgeschlossen.

Die Mühle (im Bild links) wurde 1911 fertiggestellt. Das Silo (rechts) kam 1924 hinzu.
Das Erdgeschoss des Silos von 1924 wurde zum Platz hin geöffnet. Im Hintergrund ist der 2023 eröffnete Neubau zu erkennen.
An der Mauerwerksfassade des Silos zeichnen Zementputzbänder das innenliegende Betonskelett nach.

Der monumentale Komplex wurde in zwei Abschnitten errichtet: 1910 bis 1911 entstand die längliche Mühle am Flussufer. 1920 bis 1924 kam ein großes Silo hinzu. Beide Gebäude sind im 4. Obergeschoss über eine Brücke verbunden. Josef Gočár hatte die zurückhaltend ornamentierten Mauerwerksfassaden entworfen. Das dahinterliegende Stahl- und Stahlbetontragwerk stammte vom Bauingenieur Jindřich Pollert und die Mühlentechnik von Josefa Prokopa synové (Josef Prokop und Söhne). 2013 stellte die Anlage den Betrieb ein. Das Silo ging ein paar Jahre später an eine private Stiftung über, die sich für eine kulturelle Nutzung einsetzte, während die Region Pardubice den älteren Gebäudeteil erwarb.

Ausstellungen in der Mühle

TRANSAT architekti richteten die ursprüngliche Mühle für die Gočárova Galerie her. Die Ausstellungsräume konzentrieren sich im Mittelteil des länglichen Baus, der fünfstöckigen Mühlenhalle. Hier trägt eine Stahlkonstruktion aus Rundstützen und H-Trägern eine Holzdecke. Flussseitig blieben die Decken und Fensteröffnungen erhalten, hofseitig wurden die Decken zugunsten einer langen Foyertreppe und eines Glasbodens teilweise abgebrochen und die Fassaden geschlossen. Im Erdgeschoss befindet sich ein großzügiges Foyer, ganz oben sind Wechselausstellungen und ein Multifunktionssaal mit Dachterrasse zu finden. 

Die beiden Kopfbauten sind in Stahlbeton errichtet worden: Im südlichen sind Sanitärräume und ein Treppenhaus mit Fahrstuhl untergebracht, im nördlichen ein Café und Lager- und Arbeitsräume für die Sammlungen. Von dort streckt sich ein 2023 eingeweihter Neubau gen Osten, in dem das Bildungszentrum Sféra und die Galerie Gampa zuhause sind. In Zukunft sollen weitere Neubauten den Platz östlich des Ensembles vollständig einrahmen.

Öffnung des Silos

Das 1924 angebaute Silo strukturiert den weiträumigen Außenbereich und wird heute ebenfalls kulturell genutzt. In dem kleinen, südlich vorgelagerten Bereich ist die städtische Tourismusinformation untergebracht. Prokš Přikryl architekti öffneten das Erdgeschoss zum Platz hin, sodass unter den Siloausläufen ein frei zugängliches Foyer entstand. Darüber befindet sich eine vier Geschosse hohe Ausstellungshalle, ein Saal für Theater und Konzerte und eine Dachterrasse mit Bar. Im neu ausgehobenen Untergeschoss befinden sich öffentliche Toiletten und Technikräume.

Alle Ebenen sind über einen großen Treppenkern im Norden verbunden, in den ein Aufzugsschacht eingebaut wurde. Die Besucher*innen laufen auf Streckmetallgittern durch die hohen Räume. Im Erdgeschoss und im Veranstaltungssaal bewegen sie sich auf neuen Glas-Beton-Bodenplatten. Die Beton- und Mauerwerksoberflächen blieben weitgehend erhalten, mitsamt ihrer Patina, Bohrlöchern sowie den Narben, die der Abriss von Zwischenwänden hinterließ.

Drei Fassaden, drei Konstruktionen

Während die Erdgeschossfassade gemauert ist, umgeben die sechzehn Betonkammern des Silos ca. 450 mm starke, zweischalige Außenwände. Sie bestehend zu je gleichen Teilen aus einer gemauerten Außenschale, einem Hohlraum und einer Innenschale aus Stahlbeton. Vertikale Zementputz-Bänder und drei Trägerlagen zeichnen sich in der Fassade ab und machen so das eigentlich innenliegende Betonskelett außen ablesbar. Die scheinbaren Ausfachungen zeigen ein Kreuzornament, gemauert aus grauen und roten Ziegeln.

Ab dem 5. Obergeschoss ändert sich die Konstruktion wieder: Hier beginnt ein gemauertes Attikageschoss ohne Ornamente. Das 300 mm starke Mauerwerk wird von Stahlbetonstützen mit einem Querschnitt von 300 x 300 mm verstärkt. Der Dachstuhl dieses früheren Technikgeschosses wurde ebenfalls freigelegt, mit einer Stahlkonstruktion verstärkt und neu gemauert. In dem Betonkubus, der den Aufzugsschacht krönt, ist die Bar des nun begehbaren Flachdach untergebracht.

Beton: guter Zustand trotz hohen Alters

Betonprüfungen ergaben für die Hauptstützen eine Festigkeit von C25/30 (1. Obergeschoss) und C12/15 (3. bis 6. Obergeschoss). Bei den Silokammern erreichte der Beton die Festigkeitsklasse C16/20 und bei den übrigen Bauteilen C20/25. Lage und Stärke der Bewehrung sowie die Betondeckung ließen sich mit Bodenradarsonden ermitteln, die die Reflexion elektromagnetischer Wellen am Bewehrungsstahl messen. Die Bewehrung in den Silowänden wurde mithilfe von Oberflächenscannern untersucht.

Es zeigte sich, dass Beton und Bewehrung trotz des hohen Alters von über 100 Jahren keiner Sanierung bedurften. Das mag unter andrem daran liegen, dass die Bauherren des Silos an alten Standards festhielten, obwohl infolge des Stahlmangels nach dem Ersten Weltkrieg die Anforderungen an Bewehrungen reduziert worden waren. Dennoch mussten einige Decken ersetzt werden, in Hinblick auf die erhöhten Nutzlasten im Veranstaltungs- und Ausstellungsbetrieb.

Neues Untergeschoss als weiße Wanne

Vermutlich wegen der Nähe zum Fluss hatte man die Silokammern über vier Meter tief gegründet – deutlich tiefer gegründet, als in den Plänen aus dem Bauarchiv zu sehen ist. Die Stützen der Silozellen gehen in Einzelfundamente mit Stufenfüßen über. Der gemauerte Fassadensockel wurde eigenständig gegründet, bis zu einer Tiefe von etwa einem Meter. Leider waren die Fundamente nicht abgedichtet worden, sodass aufsteigende Feuchtigkeit zu Rissen im Mauerwerk geführt hatten. Der Sockelbereich wurde daher vollständig zurückgebaut. 

Anschließend legte man die Gründungspfähle frei und baggerte den Boden für das neue Kellergeschoss aus. Dieses ist als Weiße Wanne mit 300 mm starken Wänden und Boden ausgebildet, um dem Grundwasserdruck standzuhalten. Bei der Verbindung der neuen Bodenplatte mit den bestehenden Silostützen war es wichtig, Schwind- und Arbeitsfugen vorzusehen. Zugleich mussten die Anschlüsse abgedichtet werden. Die Fugen wurden mit Dichtgummistreifen geschlossen, PVC-Folien schützen die alten Fundamente an den Anschlussstellen. Verklebte Bewehrungsstifte nehmen die statischen Wechselwirkungen zwischen den neuen und alten Fundamente auf.

Über dem Kellergeschoss befindet sich nun eine Decke aus monolithischem, 200 mm starkem Stahlbeton und eingelegten, vorgefertigten Glas-Beton-Platten. Für die wiederhergestellte Sockelzone wurden die Bestandsziegel verwendet, den Vorgaben der Denkmalpflege entsprechend.

Bautafel

Architektur: TRANSAT architekti (Umbau Mühle) und Prokš Přikryl architekti (Umbau Silo)
Projektbeteiligte Umbau Mühle:
Stabil (Hochbau); Etna (Lichttechnik); Optimal Engineering (Haustechnik); TRASER (Brandschutztechnik); Dřevozpracující výrobní družstvo Jaroměřice (Instandsetzung); Verein zur Restaurierung der automatischen Mühlen in Pardubice, Metrostav und Chládek & Tintěra (Neubau)
Projektbeteiligte Umbau Silo:
Jan Kolář (Bauingenieur); MDS Projekt (Betontragwerke); STA-CON (Stahlkonstruktionen); Projekty PO (Brandschutz); Mikroklima (Lüftungstechnik); MK Profi (Sanitärtechnik); Miroslav Bouček (Elektrik); Jiří Vik (Heiztechnik); Ladislav Tikovský [AST] (Lichttechnik) 
Bauherr*in: Pardubice Region (Mühle); Automatické mlýny nadace (Silo)
Fertigstellung: 2022 (Umbau Mühle); 2023 (Umbau Silo)
Standort: Automatické mlýny 1963, 530 03 Pardubice, Tschechische Republik
Bildnachweis: Petr Polák und BoysPlayNice (Fotos); Prokš Přikryl architekti und TRANSAT architekti (Pläne)

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