Überäume für die Universität der Künste Berlin

Guter Klang in goldenen Boxen

Kontrabass, Violine oder Harfe, Fagott, Waldhorn oder ein anderes Instrument in der Stadtwohnung zu spielen – sei es auch kunstvoll – ist selten in häufiger Frequenz möglich. Doch insbesondere Musikstudierende verbringen viel Zeit mit Üben und brauchen Probemöglichkeiten mit guter Raumakustik und geringem Risiko der Lärmbelästigung. Deshalb sind Orte zum Proben an der Musikhochschule unabdingbar – jedoch aufgrund der hohen Nachfrage oft stark begrenzt. Auch an der Musikfakultät der Universität der Künste (UdK) in Berlin herrschte Raumnot. Abhilfe schafft ein Neubauprojekt in Modulbauweise, dessen Entwurf von TRU Architekten stammt: Zwei goldumhüllte Baukörper mit je sieben Überäumen sind eingebettet in den straßenabgewandten Hof des historischen Bestandbaus der UdK. Sie bieten als schallentkoppelte Boxen nun Platz zum ungestörten Proben.

Zwei goldumhüllte Quader mit je sieben Räumen sind eingebettet in den straßenabgewandten Hof des historischen Bestandbaus. Sie bieten als schallentkoppelte Boxen nun Platz zum ungestörten Proben (im Bild: die nördliche Box).
Die golfarbene Fassaden aus perforiertem, eloxiertem Wellblech hüllen die vorgefertigten Holzmodule ein und greifen den warmen Farbton der umliegenden Klinkerwände auf.
Nicht nur eine akustische Abschirmung war wichtig, sondern es galt auch, die Räume vor neugierigen Blicken abzuschirmen. Die gelochte Wellblechfassade ermöglicht den Musizierenden Blickbeziehungen nach außen und lässt Licht einfallen, erschwert jedoch Einblicke von außen.

Konzentriert Proben in goldenem Gewand
Der neoklassizistische Bestandsbau der UdK, dessen Mittelrisalit und beide äußeren Flügel je einen dreiflügeligen Rahmen für die flachen Neubauten bilden, steht unter Denkmalschutz. So galt es, bestimmte Vorgaben für die beiden eingeschossigen Massivholzbauten zu beachten: Unter anderem sollten die Quader farblich an dem mauwerwerkssichtigen Altbau orientiert sein. Die Lösung wurde im Aufgreifen des goldgelben Farbtons gefunden: Die aus Dreischichtplatten bestehende Wetterhaut der Erweiterungsbauten wird durch eine vorgehängte gewellte, goldfarbene Metallhülle überdeckt, die sich schwingend um das Gebäude legt und den warmen ockerfarbenen Ton der umliegenden Klinkerwände aufnimmt.

Nicht nur eine akustische Abschirmung der neuen Räumlichkeiten war wichtig, sondern es galt auch, die Räume vor neugierigen Blicken abzuschirmen, damit ein störungsfreies Proben gewährleistet ist. So fiel die Wahl fiel auf eine Perforation in der Wellblechfassade, die den Musizierenden Blickbeziehungen nach außen ermöglicht und Licht einfallen lässt, jedoch Einblicke von außen erschwert. Bei Nacht gelangt durch die gelochte Fassadenbekleidung aus gold eloxiertem Metall warmes Licht nach draußen und lässt somit schemenhaft das Geschehen im Inneren des Gebäudes erahnen – sofern die innenliegenden Vorhänge nicht zugezogen sind.

Akustik: Schallentkoppelter Modulbau
In jedem der beiden Baukörper befinden sich jeweils sechs kleine Überäume mit je knapp sechs Quadratmeter Fläche und ein doppelt so großer Raum mit Konzertflügel. Die Erschließung erfolgt bei beiden Quadern durch einen zentral zwischen den Zellen liegenden Flur. Die einzelnen Räume wurden als Module in Massivholzbauweise vorgefertigt, per LKW angeliefert und innerhalb von zwei Tagen aufgestellt. Sie stehen nebeneinander auf einer Bodenplatte aus Stahlbeton und sind zueinander komplett schallentkoppelt. Eine 10 Zentimeter breite, mit Mineralwolle gefüllte Fuge verhindert die Schallübertragung zwischen den Wänden. Die Kragplatten an den Übungszellen bilden den Flur. Der Luftauslass liegt gut eingebettet über einer Wandnische neben der Tür. Da auf dem begrünten Dach keine Lüftungsanlage stehen sollte, ist das eigentliche Lüftungsgerät im Altbau untergebracht.

Farbenfrohe Schallschutzbekleidung
Um die Neubauten zu charakterisieren und besser voneinander unterscheiden zu können, wurde die in den zentralen Fluren verbaute Schallschutzbekleidung farbig gestaltet: Der nördlich gelegene Quader leuchtet im Inneren tiefrot, der Flur der südlichen Box in dunklem blau. Durch die verglasten Eingangstüren strahlt die Farbe bis draußen. In den Fluren wurde zudem eine abgehängte, gelochte und gedämmte Gipskartondecken mit 50 Millimeter Mineralwollauflage verbaut, die schallabsorbierend ist.

Die Überäume sind mit Holzlamellendecken aus Holzweichfaser ausgestattet. Auch ohne zusätzlichen  Schallabsorber gewährleisten die Deckenelemente bereits eine effiziente Schallbsorptionswirkung mit einem Absorptionskoeffizienten aW von bis zu 0,90. Durch die ausschließlich sichtbaren Holzoberflächen in den Räumen wird zudem eine angenehme Aufenthaltsqualität geschaffen.

Textilien regeln den Nachhall
In den Räumen können die Schallreflexionen über den schweren Stoff eines umlaufenden Akustikvorhangs individuell geregelt werden. Ist der Vorhang zugezogen, werden die Töne absorbiert, offen werden sie von den harten Oberflächen reflektiert. -kl

Bautafel

Architektur: TRU Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: GSE Ingenieur Gesellschaft, Berlin (Technische Gebäudeausrüstung und Tragwerksplanung); KME Germany (Fassade);  Müller Metallbau (Außentüren);  Schörghuber (Innentüren); FSB (Beschläge); Knauf Schalter Hager (Trockenbau); Hoch C Landschaftsarchitekten, Berlin (Landschaftsplanung); Gerriets (Akustikvorhänge); Lignotrend, Weilheim-Bannholz (Holzlamellendecken); ALB Akustiklabor, Berlin (Akustik und Tontechnik)
Bauherrschaft: Universität der Künste Berlin
Standort: Bundesallee 1-12, 10719 Berlin
Fertigstellung: 2019
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin

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