Tropenhaus Frutigen

Alarmmanagementsystem steuert Sicherheitseinrichtungen

Kaviar und Tropenfrüchte aus den Alpen? Was zunächst kurios anmutet, ist im Berner Oberland an der Tagesordnung – und auch noch ökologisch verträglich. Im 800 Meter über dem Meer gelegenen Tropenhaus Frutigen wird warmes Wasser aus dem Lötschberg-Tunnel für eine Störfischzucht-Anlage, ein Gewächshaus für exotische Pflanzen sowie eine Ausstellung mit Restaurant genutzt.

Im Gewächshaus gedeihen u.a. Bananen, Papayas und Mangos
Hauptgebäude aus Betonfertigteilen mit felsähnlicher Oberflächenstruktur
In 14 Fischteichen werden sibirische Störe gezüchtet

Die Planung des Tropenhauses stammt von den Berner Architekten Gauer Itten Messerli. Sie gliederten die Anlage in drei Teile: Das gläserne Gewächshaus, den Außenbereich mit groß angelegten Fischbecken und das Hauptgebäude mit Besuchereingang und einer Dauerausstellung über Fischerei und Störe. Nähert man sich der Anlage, fällt als erstes das Hauptgebäude ins Auge, das wie ein langgestreckter Felsblock von den umliegenden Bergen zu stammen scheint. Seine Fassade besteht aus eingefärbten Betonelementen, deren Oberflächen eine felsähnliche Struktur aufweisen. Das einheitliche Erscheinungsbild wird durch schmalen Fugen nicht gestört.

Nach dem Betreten des Gebäudes gelangen die Besucher in die schummrig beleuchtete Eingangshalle, die nur von einem einzigen Fenster mit Sichtblende erhellt ist. Es folgt der ebenfalls dunkle Ausstellungsbereich mit einem Seminarraum, vor dem ein Becken es ermöglicht, die Wärme des Bergwassers zu spüren. Hinter einer weiteren Ausstellungswand öffnet sich ein großes Panoramafenster mit Blick auf die 14 Fischbecken und die umliegenden Berge. Hier befindet sich auch der Zugang zu den Außenanlagen, durch die hindurch ein Rundgang erst über einen Steg und dann in den Untergrund geht, wo die Besucher die Fische wie in einem Aquarium beobachten können. Anschließend führt der Weg in die Gewächshäuser, in denen unter anderem Bananen, Papayas und Mangos gedeihen. Ihm angegliedert sind zwei Restaurants, in denen – wen wundert's – exotische Früchte, Störfleisch- und Kaviargerichte serviert werden.

Das technische Herz des Tropenhauses ist die Energiezentrale, die mit dem warmen Wasser aus dem Tunnel den Grundwärmebedarf der Anlage sicherstellt. Pro Sekunde gibt der Berg etwa 100 Liter Wasser mit einer Temperatur von rund 20°C ab. Weil so viel warmes Wasser zum Schutz der einheimischen Seeforelle nicht in den nahe gelegenen Bergbach eingeleitet werden darf, wird es im Tropenhaus für die Störzucht und die Produktion von tropischen Früchten genutzt und dabei abgekühlt – die Wasserabkühlung also auf optimale Weise umgesetzt. Die benötigte Restenergie zum Heizen stammt aus Biomasse; ein Wasserkraftwerk und eine Solaranlage versorgen das Gebäude mit Strom.

Sicherheitstechnik
Um den Betrieb und die Produkte des Tropenhauses zu sichern, wurden in einem ersten Schritt Risikoanalysen und Sicherheitskonzepte erstellt. Dabei sind die Aspekte Überfall, Einbruch, Diebstahl, Vandalismus, das Eindringen von Raubtieren, ein Störfall auf der benachbarten Kantonsstraße sowie der Brandfall beurteilt und anschließend entsprechende Schutzmaßnahmen erarbeitet worden. Herzstück der letztendlich eingesetzten Sicherheitsanlage ist ein übergeordnetes Alarmmanagementsystem (AMS). Mit ihm werden die Systeme für Brand- und Einbruchschutz, die Fluchttürsteuerung, die Videoüberwachung, das Licht und das Zutrittskontrollsystem zentral überwacht und verwaltet. Daneben übernimmt das System auch die Kontrolle von Sauerstoffgehalt, Wasserniveau und -qualität in allen Fischbecken.

Sämtliche Türen im Gebäudekomplex sind mit einem Zutrittskontrollsystem gesichert. Bei diesem handelt es sich um ein durchgängiges Gesamtsystem, in das sowohl verkabelte als auch nicht verkabelte Türschließkomponenten nahtlos integriert werden können. Das heißt, Berechtigte können mit ein und demselben Schlüssel mechanische Schließzylinder ebenso bedienen wie elektronisch gesicherte Türen. Die Schließ- und Zutrittskontrollanlage kann zudem beliebig verändert und erweitert werden, z.B. mit Modulen wie etwa Zeiterfassung oder Leistungsdatenerfassung.

Bautafel

Architekten: Gauer Itten Messerli, Bern
Projektbeteiligte: Emch+Berger, Bern (Gesamtprojektleitung, Tragwerksplanung); Hansruedi Marti, Frutigen (Bauleitung); Feroplan Engineering, Bern (Fassadenengineering); Gartenmann Engineering, Bern (Bauphysik/Energie/Akustik); Gysi+Berglas, Baar (Gewächshausbau); Jobst Willers Engineering, Bern (HLK-Ingenieur); Minosys, Bönigen (Sicherheitsberatung); Securiton, Zollikofen (Schließanlage)
Bauherr: Tropenhaus Frutigen
Fertigstellung: 2009
Standort: Tropenhausweg 1, 3714 Frutigen, Kanton Bern, Schweiz
Bildnachweis: Tropenhaus Frutigen

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