Tiny Office in Alken
Nachhaltigkeit bis ins Detail
Im belgischen Alken hat das Team von Van Laethem Architecten ein kompaktes Gartenstudio geplant. In der „kleinen Oase der Effizienz und Ruhe“, wie die Architekt*innen ihr Tiny Office beschreiben, haben bis zu drei Mitarbeitende des Büros Platz. Zugleich dient es als Demonstrationsobjekt für ressourcenschonendes, zirkuläres Bauen. 2021 wurde es fertiggestellt.
Domizil im Grünen
Das kleine, mit Zedernschindeln verkleidete Gebäude steht im Garten von Bürogründer Chris Van Laethem. Um eine gewisse Distanz zum Wohnhaus zu schaffen, positionierte man den Neubau am Ende des Gartens, mit einem separaten Eingang und einem Parkplatz an einer Nebenstraße. Durch die großen Fensterflächen ist die üppige Bepflanzung um das Atelier herum zu sehen, sodass man sich inmitten der Natur wähnt.
Im Inneren befinden sich neben dem Arbeitsbereich eine kleine Teeküche sowie ein Sanitärbereich. Für eine warme, rustikale Atmosphäre sorgen die offenen, lediglich mit transparentem Leinöl geschützten Hanfkalkwände. Ebenso zeugt die weitere Ausgestaltung im Innern von einer nachhaltigen Materialwahl: Sowohl die Innenwände als auch die sonstigen Tischlerarbeiten wurden mit Kiefernholzplatten ausgeführt.
Wandaufbau
Für Hanfkalk entschied man sich unter anderem aus dem Wunsch heraus, den eigenen ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Bei dem auch Hanfbeton genannten, nachwachsenden Baustoff handelt es sich um eine Mischung aus Hanfschäben, Kalk und Wasser. Bis dahin hatte das Architekturbüro noch keine vergleichbaren Bauvorhaben umgesetzt. Im Rahmen des Projekts bot sich die Gelegenheit, mehr Erfahrungen mit dem Material zu sammeln und entsprechend viele Bauschritte in Eigenleistung umzusetzen.
Hanfkalkblöcke bilden die raumseitige, monolithische Schicht der 40 Zentimeter dicken Außenwände. Da sie selbst keine tragende Funktion übernehmen können, errichtete man ein innenliegendes Tragwerk aus Holz. Im oberen Bereich schützt eine Verkleidung mit Zedernholzschindeln vor Witterungseinflüssen. Als Spritzwasserschutz im bodennahen Bereich dient ein Sockel aus recycelten Ziegelsteinen.
Bodenaufbau
Auf eine klassische Bodenplatte verzichteten die Architekt*innen weitestgehend. Lediglich direkt unter den Außenwänden verlaufen schmale Streifenfundamente aus Beton. Ansonsten setzte man eine Schüttung aus recycelten Schaumglasgranulat ein, die vor Feuchtigkeit und Kälte schützt. Darüber, in eine Trägerschicht eingebettet, liegt die wasserführende Fußbodenheizung.
Der Bodenbelag besteht aus Stampflehm, der aus einem Abbruchprojekt wiederverwertet wurde. Er ist diffusionsoffen, dennoch verfügt er über eine große Härte, denn durch den Druck beim Stampfen verpressen sich die enthaltenen Ton- und Sandpartikel. Nach dem Trocknen wurde der Lehmboden geschliffen und ausschließlich mit natürlichem Leinöl und Wachs versiegelt. Das macht die Oberfläche wischfest, abriebsicher und schützt vor Flecken, ohne dabei die Poren zu verkleben.
Minimierte Haustechnik
Wo immer es möglich war, knüpfte man an die bestehenden Systeme des Wohnhauses an und hielt so die technische Infrastruktur des kleinen Studios gering. Die Fußbodenheizung wird direkt von den Solarthermie-Kollektoren des Haupthauses gespeist. Der benötigte Betriebsstrom kommt von der dortigen Photovoltaikanlage. Die sanitären Einrichtungen sind an die Regenwassernutzung des Hauptgebäudes angeschlossen, was den Frischwasserverbrauch drastisch senkt. Allein ein kompaktes Lüftungsgerät musste als Haustechnik vor Ort ergänzt werden.
Hanfkalk: Dämmstoff mit vielen Vorteilen
Die monolithischen Hanfkalkmauern sind temperatur- und feuchtigkeitsregulierend zugleich – und somit viel materialeffizienter als konventionelle mehrschichtige Dämmsysteme. Aufgrund ihrer thermischen Masse können die dicken Wände tagsüber Wärme speichern und diese zeitversetzt wieder abgeben. So gleichen sie zeitweise Temperaturspitzen aus. Zudem sind die Wände diffusionsoffen, wodurch sie die Luftfeuchtigkeit im Studio auf natürliche Weise regulieren. Auf diese Weise spart der Wandaufbau im Alltag Energie.
Derweil sorgt der offenporige Hanfkalk für ein angenehmes Raumklima, indem dieser wie ein natürlicher Schwamm wirkt: Er absorbiert überschüssige Luftfeuchtigkeit und gibt sie bei trockener Raumluft wieder ab. Das hält die relative Luftfeuchtigkeit konstant im Wohlfühlbereich von 40 bis 60 Prozent. Da der Hanfkalk im Innenraum nur mit etwas Leinöl beschichtet wurde, gibt es keine Ausgasungen von Wandfarben, Klebern oder Ähnlichem. Weiterhin verfügt der Neubau über eine sehr ruhige, hallfreie Arbeitsatmosphäre, da der Hanfkalk durch seine unregelmäßige, faserige Textur hervorragende schallabsorbierende Eigenschaften hat.
Klimabilanz: ein CO2-negatives Gebäude
Durch den konsequenten Einsatz nachwachsender Materialien fungiert das Studio als Kohlenstoffspeicher. Dies liegt zum einen an der Produktion des Hanfkalks: Zwar werden bei der Kalkverarbeitung und dem Transport Kohlenstoffdioxid freigesetzt, allerdings sind diese Emissionen deutlich geringer als die CO2-Menge, die der Hanf im Laufe seines Wachstums durch Photosynthese aufnimmt. Dieses bleibt potenziell über Jahrzehnte in den Wänden des Studios gebunden. Durch den Kontakt mit der Luft nimmt der Kalk zudem kontinuierlich weiter CO2 auf (Karbonatisierung) – über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes hinweg. Also verbessert sich die Klimabilanz langfristig sogar.
Bautafel
Architekten: Van Laethem Architecten, Alken
Bauherr: Chris Van Laethem
Standort: Steenweg 379, 3570 Alken, Belgien
Fertigstellung: 2021
Bildnachweis: Van Laethem Architecten, Alken (Fotos und Pläne)
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