Therme in Bad Dürkheim
Erweiterung im laufenden Betrieb
Etwa eine halbe Stunde westlich von Mannheim, in unmittelbarer Nähe zum Kurpark, liegt das Salinarium in Bad Dürkheim. Seit 2025 ergänzt ein neuer Thermen- und Saunabereich das bestehende Freizeitbad. Das Ensemble wurde vom Stuttgarter Büro 4a Architekten weiterentwickelt, wobei besonderer Wert auf die Einbindung des Neubaus in die vorhandenen Strukturen von Freizeit- und Freibad gelegt wurde. Der Clou: Während der gesamten Umbauphase blieb der Betrieb des Salinariums ununterbrochen erhalten.
Verbindung von Bestand und Neubau
Den architektonischen Auftakt bildet ein neu gestalteter Haupteingangsbereich an der Nordseite des Grundstücks mit weit auskragendem Dach. Die abgerundete Außenverkleidung in goldener Tönung soll laut Architekturbüro die Farbe eines gereiften Rieslings aufgreifen und damit die lokale Weintradition in eine architektonische Sprache übersetzen. Zugleich verleiht sie dem Salinarium ein zeitgemäßes, prägnantes Erscheinungsbild. Die umlaufenden Fassadenbänder fassen den bestehenden Freizeitbadkomplex und den neuen, L-förmigen Thermenbereich zusammen, der sich von Norden nach Süden wie eine Spange um den Bestand legt. Holzlamellen in regelmäßigen Abständen gliedern die Fassade vertikal und ermöglichen zugleich diskrete Ein- und Ausblicke.
Thermalhalle mit Badeangebot
Direkt an den gemeinsam genutzten Eingangsbereich schließen der neue Umkleidebereich sowie ein Erschließungsgang an, der die Gäste in den Thermenbereich führt und dabei Einblicke in die Freizeitbadehalle eröffnet. Der Neubau erstreckt sich über drei Ebenen. Das Erdgeschoss beherbergt die Thermalhalle mit einem großzügigen Innenbecken, einem Whirlpool sowie einem weiteren Kalt- und Warmwasserbecken. Ergänzt wird das Badeangebot durch ein Becken, das über eine Schleuse mit Lamellenvorhang mit dem südlich anschließenden Warmaußenbecken im Thermengarten verbunden ist. Großzügige Liegebereiche, ein Sanarium, ein Dampfbad, ein Solebecken, WC-Bereiche sowie ein Gastronomiebereich mit Terrasse nach Osten runden das Angebot ab. Im Saunagarten befindet sich zudem eine Aufgusssauna.
Ebenenspiel, Blickbeziehungen und Saunalandschaft
Das erste Obergeschoss ist über zwei Treppenanlagen – eine Spindeltreppe und eine einläufige Treppe – direkt von der Thermalhalle aus erschlossen und als zum Außenraum geöffnete Galerieebene ausgebildet. Das Spiel der Ebenen ermöglicht vielfältige Blickbeziehungen zwischen den Geschossen und sorgt zusammen mit der zweigeschossigen, vollverglasten Südfassade für reichlich Tageslicht im Innenraum. Auf dieser Ebene befinden sich ein weiterer großzügiger Liegebereich, Massage- und Wellnessräume, ein Dampfbad, ein Tauchbecken, Duschen und WCs sowie eine Sauna mit Saunabar, Kaminlounge und Sonnenterrasse, die unmittelbar an den Bestand anschließt.
Das zweite Obergeschoss weist die kleinste Grundrissfläche auf. Hier befinden sich eine großzügige Panoramasauna, ein Ruhebereich sowie eine Dachterrasse. Diese eröffnet weite Blicke über das Freibad und den Kurpark und verbindet Innen- und Außenraum. Eine weitere Saunabar sowie zusätzliche Liegebereiche ergänzen das Wohlfühlprogramm.
Materialität und Lichtführung
Warme Materialien wie Holzlamellen an Wänden und Decken sowie Sichtbeton und Feinsteinzeugfliesen in gedeckten Grau- und Grüntönen prägen die Innenräume. Auch die Becken sind grau gefliest und unterstreichen damit den ruhigen Charakter der Anlage. Die Lichtgestaltung ist integraler Bestandteil des architektonischen Konzepts: Während die Grundbeleuchtung eher zurückhaltend eingesetzt wird, akzentuieren präzise geführte Lichtlinien ausgewählte architektonische Elemente – wie etwa die Sitzbereiche der Fußbäder – und fördern somit die räumliche Orientierung.
Weiterbauen im laufenden Betrieb
Die bauliche Trennung von Alt und Neu ist klar ablesbar und ermöglichte es, die Erweiterung des Salinariums bei laufendem Badebetrieb umzusetzen. Die Bestandsfassaden im Übergangsbereich wurden saniert und in das gestalterische Konzept des Neubaus integriert. Eine hochwertige Gebäudehülle mit optimierten Dämmwerten und luftdichten Anschlüssen reduziert Wärmeverluste deutlich und verbessert die Energieeffizienz gegenüber dem Bestand. Lüftungsanlagen mit hoher Wärmerückgewinnung sowie bedarfsgerecht gesteuerte Anlagen tragen zusätzlich zur Senkung des Energiebedarfs bei. Auch der Badebetrieb selbst wurde energetisch optimiert: Automatische Beckenabdeckungen reduzieren außerhalb der Nutzungszeiten die Verdunstung und damit Wärmeverluste der Becken. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme und gewährleistet eine stabile und vergleichsweise emissionsarme Energiebereitstellung.
Effiziente Wasser- und Energiewirtschaft
Die technische Infrastruktur folgt ebenfalls nachhaltigen und betrieblich effizienten Prinzipien. Getrennte Badewasserkreisläufe ermöglichen eine bedarfsgerechte Aufbereitung und verhindern unnötige Vermischungen unterschiedlicher Wasserqualitäten, wodurch Energie- und Chemikalieneinsatz reduziert werden. Zusätzlich wird Wärme aus Prozess- und Abwasserströmen zurückgewonnen und dem System wieder zugeführt. Ein stagnationsfreies Trinkwassersystem sowie die zentrale Überwachung und Steuerung über die Gebäudeleittechnik gewährleisten hohe hygienische Standards und einen effizienten Anlagenbetrieb. Ergänzend erzeugen Photovoltaikflächen an Fassade und Dach einen Teil des benötigten Stroms. Extensive Gründächer verbessern den Regenwasserrückhalt, tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei und erhöhen zugleich die Lebensdauer der Dachflächen.
Bautafel
Architektur: 4a Architekten, Stuttgart
Projektbeteiligte: Anke Pfudel-Tillmanns (Projektleitung und Planung), Catalina Valderamma, Tim Döringer (Planung); Catalina Valderamma, Tim Döringer (Ausschreibung); Olaf Feierabend, Daniel Hauptmann (Bauleitung); L.A.U.B. (Landschaftsarchitektur); Tribast Projektmanagement (Projektsteuerung); sbp se schlaich bergermann partner (Tragwerksplanung); KURZ und FISCHER (Bauphysik); Ingenieurbüro STÜMPERT-STRUNK (Brandschutz); Kannewischer Ingenieurgesellschaft (Heizung, Lüftung, Sanitär); planungsbüro für elektrotechnik alexander müller (Elektroplanung); LICHT KUNST LICHT (Lichtplanung); Ricarda Mieth (Kunst am Bau)
Bauherr*in: Stadtwerke Bad Dürkheim
Fertigstellung: 2025
Standort: Salinarium Bad Dürkheim, Kurbrunnenstraße 28, 67098 Bad Dürkheim
Bildnachweis: Uwe Ditz (Fotos); 4a Architekten (Pläne)
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