The Doctor’s House in Turís

Neue Mitte zwischen Haus und Garten

Im spanischen Turís nahe Valencia hat das Büro José Costa ARQ. ein Wohnhaus aus den 1920er-Jahren behutsam saniert und erweitert. The Doctor’s House verbindet die Geschichte eines über Generationen genutzten Familienhauses mit den Anforderungen zeitgemäßen Wohnens. Eine neu eingefügte Treppe übernimmt dabei eine zentrale Rolle: Sie verknüpft den weitgehend erhaltenen, zur Straße ausgerichteten Teil mit dem stärker umgestalteten Gartenbereich.

Blick vom Eingangsbereich durch die historischen Flügeltüren in Richtung Garten
Die restaurierte Türanlage mit strukturierten Glasfüllungen trennt Eingangsbereich und Wohnräume.
Große neue Fenster und die geöffnete Tür stellen einen unmittelbaren Bezug zwischen Wohnraum und Garten her.

Erst Arztpraxis, dann Ferienunterkunft, jetzt Hauptwohnsitz

Die Geschichte des Gebäudes reicht bis ins Jahr 1941 zurück, als die Großeltern der heutigen Eigentümerin das Haus zunächst mieteten und wenig später erwarben. Der Großvater, der als Arzt im Ort tätig war, nutzte einen Teil des Hauses für seine Praxis – eine zu jener Zeit verbreitete Verbindung von Wohnen und Arbeiten. Im Garten entstand zudem ein kleiner, erhöhter Pavillon als privater Rückzugsort zum Lesen. 

Nach dem Umzug der Familie nach Valencia Ende der 1970er-Jahre diente das Haus über viele Jahre als Ferienwohnsitz. Mit der Entscheidung, wieder dauerhaft nach Turís zurückzukehren, stellte sich die Frage nach einer zeitgemäßen Anpassung des rund 300 Quadratmeter großen Bestands. Das Haus sollte sowohl für den Alltag von ein oder zwei Personen als auch für die Zusammenkünfte der Großfamilie in den Ferien funktionieren.

Ein Haus, zwei Hälften

Wie im Schnitt ersichtlich ist, besteht das zweigeschossige Wohnhaus aus zwei Teilen, die den verschiedenen Nutzungsszenarien dienen und sich in der Tiefe der Eingriffe durch die Planenden unterscheiden. Der zur Straße orientierte Gebäudeteil mit Ziegelfassade, Holztüren und Ziegeldach blieb weitgehend erhalten. Dort befinden sich nun fünf Schlafzimmer und drei Bäder für Familienmitglieder und Gäste. Bestehende Fliesen, Bodenbeläge und Teile der Holzbauteile wurden sorgfältig restauriert oder wiederverwendet.

Der zum Garten gerichtete Hausteil wurde dagegen umfassender erneuert. Hier befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Räume mit Wohnbereich, Esszimmer und Küche sowie das Schlaf- und Badezimmer der Eigentümerin. Im Zuge der Sanierung wurden die Dachkonstruktion und Teile der bestehenden Tragstruktur ersetzt. Großzügigere Öffnungen in der Fassade stärken zugleich die räumliche und visuelle Beziehung zum Garten. Zum Grundstück gehören außerdem ein kleines Wasserbecken, das an traditionelle Bewässerungsbassins erinnert, ein Malatelier sowie der restaurierte Gartenpavillon.

Materialien mit Bezug zum Bestand

Die Materialwahl vermittelt zwischen historischer Substanz und neuen Bauteilen. Natursteinwände und erhaltene Oberflächen treffen auf neue Holzkonstruktionen, Aluminiumfenster sowie Bodenbeläge aus Feinsteinzeug. Für die Küche kamen Hochdrucklaminat und Arbeitsplatten aus Macael-Marmor zum Einsatz. Außen ergänzen keramische Ziegelbeläge die Gartenräume. So entstand ein Wohnhaus, das seine Herkunft nicht überdeckt, sondern weiterführt. Die neue Treppe steht exemplarisch für diesen Ansatz: Als zeitgemäßes Einbauteil schafft sie Orientierung und Verbindung, ohne den Charakter des gewachsenen Hauses zu verdrängen.

Treppe als verbindendes Element

Die innenliegende Treppe verbindet die Geschosse über zwei unterschiedlich gestaltete Treppenabschnitte. Im unteren Bereich folgt sie einem gewendelten Verlauf mit blockhaft ausgebildeten, holzbelegten Stufen. Zwei brüstungshohe, weiß verputzte Wangen fassen diesen Abschnitt ein und bilden zugleich eine klare räumliche Begrenzung zum angrenzenden Wohnbereich. 

Nach dem Richtungswechsel setzt sich die Erschließung als gerader Lauf mit offenen Holztrittstufen fort. Ohne Setzstufen ausgebildet, lässt dieser obere Abschnitt Durchblicke zwischen Treppenraum und den angrenzenden Bereichen zu. Am Austritt im Obergeschoss sichert ein filigranes Metallgeländer die Deckenöffnung. Der zurückhaltende Grünton findet sich auch an den Rahmen der verglasten Kücheneinfassung, den Fensterprofilen und dem Balkongeländer wieder. Damit verbindet die Farbgebung neue Einbauten in unterschiedlichen Bereichen des Hauses.

Bautafel

Architektur: José Costa ARQ., Valencia
Projektbeteiligte: Javier Betancor (Tragwerksplanung); Edibe Arquitectura y Construcción (Bauunternehmen)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2025
Standort: Turís, Spanien
Bildnachweis: Mariela Apollonio (Fotos); José Costa ARQ. (Pläne)

Fachwissen zum Thema

Grundtypen gerader Treppen

Grundtypen gerader Treppen

Treppenformen

Gerade Treppen

Grundtypen gewendelter Treppen

Grundtypen gewendelter Treppen

Treppenformen

Gewendelte Treppen

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Treppen sponsored by:
METALLART Treppen GmbH
Hauffstr. 40
73084 Salach
www.metallart.com