The Barn – die Scheune in Hertfordshire

Prototyp für den Selbstbau

In Hertfordshire, rund 50 Kilometer nördlich von London entfernt, befindet sich ein außergewöhnliches Einraumhaus in Holzbauweise. Inspiriert von dörflichen Mehrzweckbauten und Scheunen, entwarfen die Planer vom Londoner Architektur- und Designbüro Boano Prišmontas ein Gebäude mit rechteckigem Grundriss, gewölbtem Dach und Holzwänden mit kleinen Fenstern.

Die Planer vom Londoner Architektur- und Designbüro Boano Prišmontas ließen sich von dörflichen Mehrzweckbauten inspirieren.
The Barn – die Scheune in Hertfordshire
Die digital unterstützte Fertigung des Gebäudes beruht auf kleinen, vorgefertigten Bauteilen und einfachen, CNC-gefrästen Steckverbindungen.

Einfache Montage, kurze Bauzeit

„The Barn“ ist ein Prototyp für den Selbstbau, genutzt als private Kunstgalerie und Rückzugsort. Denkbar ist aber auch eine Nutzung des rund 50 Quadratmeter großen Raums als Werkstatt, Tanzstudio oder erweitertes Wohnzimmer. Die digital unterstützte Fertigung beruht auf kleinen, vorgefertigten Bauteilen und einfachen, CNC-gefrästen Steckverbindungen. Wenige Personen können das Gebäude errichten und auch wieder zerlegen. Nach der Vorfertigung im Werk ließ sich das Haus in drei Tagen errichten. Zwei weitere Wochen benötigte der Innenausbau, bevor es bezugsfertig war. Insgesamt werden für die Planung und Fertigstellung rund acht Wochen benötigt. Die kurze Bauzeit ist laut Planern in der Verwendung kleiner und überwiegend identischer Bauteile begründet. Für die Montage sind keine Baumaschinen nötig, sondern lediglich ein mobiles Arbeitsgerüst und eine Leiter. Die Anzahl der Werkzeuge beschränkt sich auf ein Minimum.


Passgenauigkeit dank CNC-gefräster Verbindungen

Neben unterschiedlichen Fassadenmaterialien sind auch verschiedene Abmessungen und Größen möglich. Das Haus kann nachträglich erweitert oder verkleinert werden. Bei einem Umzug lässt es sich demontieren und an einem anderen Ort wieder aufbauen. Ein großer Vorteil der CNC-gefrästen Steckverbindungen ist die hohe Präzision der Bauteile.

Holzständerbau mit karbonisierter Lärchenholzfassade

Der Prototyp ist in Holzständerbauweise auf einer Bodenplatte aus Stahlbeton errichtet. Die Holzständer stehen auf einem Sockel aus Betonstein, um einer Schädigung des Holzes durch Feuchtigkeit vorzubeugen. Die Fassade ist mit vertikalen Holzbohlen aus vorverkohltem (karbonisiertem) Lärchenholz ausgestattet. Das Verkohlen der Oberflächen bewirkt, dass die Holzzellen sich verdichten, dadurch ist das Material vor Schimmelpilzen, dem Eindringen von Insekten, Verwitterung, Fäulnis und Wasser geschützt. Die Giebelflächen an den Stirnseiten des Hauses sind mit rauen Betonfertigteilen gestaltet.

Im Innern sind die Wände mit großformatigen Sperrholzplatten und einer Dämmung ausgekleidet. Modulare Holzkassetten an den Stirnseiten bieten Stauraum. Als Bodenbelag dient schwimmend verlegtes Eichenparkett. Darunter sorgt eine Heizmatte (5 mm) für gleichmäßige Wärme im Raum. Die Schalungsbretter des Dachs und der Ringbalken sind mit reinen Holzsteckverbindungen gefügt, die Dachträger aus OSB-Platten geschraubt.

Bautafel

Architektur: Boano Prišmontas, London
Projektbeteiligte: My Room in the Garden, London (Fertigung); Simple Works, London (Statik)
Bauherr/in: Privat
Fertigstellung: 2022
Standort: Hertfordshire
Bildnachweis: Boano Prišmontas, London

Fachwissen zum Thema

Der konstruktive Holzschutz greift auf den Erfahrungsschatz einer Jahrtausende alten Bautradition zurück. Für Holzhäuser in alpiner Region typisch sind weite Dachüberstände.

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Für eine wirtschaftlich erfolgreiche Abwicklung (wenige Änderungen) sind bereits in der Vorplanungsphase spezifische Inhalte des Holzbaus zu berücksichtigen, die die Konstruktion und die Herstellung der Elemente betreffen (Abb.: Firmensitz Flexim in Berlin-Marzahn, ZRS Architekten Ingenieure, 2017).

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