Supermarkt Thanopoulos bei Athen

Perforierte Alufassade als Stadtansicht

Sie sind selten geworden, die familiengeführten Supermärkte. In Kifisia, einem Vorort im Norden Athens gibt es sie noch: Hier haben KLab Architecture mit Sitz in Athen und London inzwischen den dritten Supermarkt des traditionsreichen Familienunternehmens Thanopoulos umgebaut.

Der zuletzt umgestaltete Supermarkt der Kette Thanopoulos gegenüber der U-Bahn-Station hat eine Fläche von 1600 Quadratmetern.
Markant ist die neue Westfassade aus weißen Aluminiumblechtafeln, deren unregelmäßige Perforierung ein Bild von Ast- und Laubwerk ergibt.
Die kristalline Form der neuen Hülle weckt Assoziationen zu Hausgiebeln und Dachgauben.

Die rund 70.000 Einwohner zählende Gemeinde ist seit jeher eine beliebte Wohngegend für Wohlhabende. Im zweiten Jahrhundert hatte Mark Aurels Lehrer Herodes Atticus hier eine Villa; 1940 lehnte Iannis Metaxas in seinem Haus in Kifisia ein Ultimatum Mussolinis ab. Heute ist Kifisia vor allem wegen seiner teuren Läden und Restaurants bekannt. Darin fügen sich auch die Lebensmittelgeschäfte von Thanopoulos, von denen 1877 das erste eröffnet hatte.

Neue Corporate Identity

In Reaktion auf Umsatzeinbußen infolge der Finanzkrise hatte Thanopoulos KLab beauftragt, alle drei Supermärkte zum Teil bei laufendem Betrieb umzubauen und für das Unternehmen eine neue Corporate Identity zu entwickeln. Als letzter wurde der größte der drei Märkte schräg gegenüber der U-Bahnstation Kifisia umgestaltet. Im Laufe der Zeit war er durch mehrere Erweiterungen auf drei Geschossen unübersichtlich geworden. Auch optisch und technisch entsprachen Gebäude und Ausstattung nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Die Architekten organisierten das Geschäft mit jetzt 1.600 Quadratmetern komplett neu auf zwei Geschossen: Frische Lebensmittel werden nun im Erdgeschoss angeboten, alle anderen Produkte im Untergeschoss.

Jede Abteilung erhielt eine zugeschnittene Einrichtung und eigens entworfene Möbel, die im Sinne des neuen Brandings in allen drei Läden identisch oder ähnlich gestaltet sind. Markant ist die wiederkehrende Deckenlösung: Da die Raumhöhe für abgehängte Decken nicht ausreichte, wurden in regelmäßigem Abstand weiße Acrylglaspaneele senkrecht an die Grobspanplatten (OSB) montiert, welche die Deckenuntersichten bilden. Zwischen den Acrylglasbändern sind Leuchtstoffröhren angeordnet. OSB-Verkleidungen finden sich auch vielfach in den Sockelbereichen. Im Unterschied zu den anderen beiden Supermärkten bedecken dielenförmige Feinsteinzeugfliesen in Holzoptik die Böden.

Fassade: Unregelmäßig perforierte Aluminiumblechtafeln

Auch die äußere Erscheinung der Geschäfte war nicht mehr zeitgemäß und wurde deshalb neu gestaltet. Die Fassade des Marktes an der U-Bahnstation Kifisia verbindet lokale historische Bezüge mit der neuen Corporate Identity. Im Erdgeschoss wählten die Planer eine Kombination aus geschlossenen Holz- und offenen Glasflächen, die auch den Weg ins Untergeschoss prägt. 

Vor dem Obergeschoss hängt eine zweite Hülle, deren Gestalt abstrakt an die Geschichte des Ortes erinnert. Stärker als heute dominierten höhere Häuser mit Sattel- oder Walmdach sowie zahlreiche Platanen das Straßenbild von Kifisia. Beides greift die neue Westfassade auf: Weiße, unregelmäßig perforierte Aluminiumblechtafeln teilen die Front über einem Vordach in elf gleiche Abschnitte, die alle satteldachartig nach oben abgeschlossen sind. Jeder zweite Teil ist schräg nach hinten gekippt, sodass eine kristalline Struktur entsteht, mit der man mehrere schmale, giebelständige Häuser oder auch hohe Gauben entlang einer großen, traufständigen Dachfläche assoziieren kann. Deren Neigung resultiert aus dem Bestandsgebäude mit zurückgestaffelten Geschossen und hinter der neuen Aluminiumfassade noch erhaltenen abgeschrägten Brüstungen. Die per Laser geschnittene Perforation der Aluminiumtafeln besteht aus unterschiedlich großen spitzen Ovalen, die aus der Distanz ein Bild von Ast- und Laubwerk ergeben.

Der nach zwei Straßen hin ausgerichtete Supermarkt umschließt von zwei Seiten ein älteres höheres Eckgebäude. Die nach Süden hin ausgerichtete Schmalseite des Supermarkts ist hinter einem kleinen Parkplatz zurückversetzt. Sie wäre von der Straße aus kaum wahrnehmbar, hätten die Architekten hier nicht das Thema der Schrägdachlandschaft hinter Platanen mit einem weißen, perforierten Metallzaun und einer ebensolchen, gefalteten Pergola aufgegriffen: Diese fungiert hier zugleich als zweite Adresse und Sonnendach. Im Inneren des Marktes setzt sich das Motiv in Form von abgehänkten Deckenelementen über den Frischprodukten und an den Treppengeländern fort.

Der gut zwei Kilometer weiter nördlich gelegene Thanopoulos-Markt im Stadtteil Nea Kifisia hat ebenfalls eine weiße, perforierte Aluminiumhülle über einem holzverkleideten Erdgeschoss. Dort sind die Aluminiumbleche mit regelmäßigem Punktraster und deutlich größeren spitzen Ovalen perforiert. Sie sollen an die Blätter der Olivenbäume in der Umgebung erinnern.

Bautafel

Architekten: KLab Architecture, Athen/London
Projektbeteiligte: Konstantinos Labrinopoulos, Veronika Vasileiou (Projektteam KLab), Future Constructions, Voula (Projektmanagement), Voutsadakis, Tanagra (Aluminiumfassade), Caesar Ceramics, Modena (Keramikoberflächen) 
Bauherr: Thanopoulos Supermarkets, Athen
Fertigstellung: 2017
Standort: Andrianou & Dragoumi 6, Kifisia 145 61, Griechenland
Bildnachweis: Mariana Bisti, Athen, KLab Architecture, Athen/London

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Materialien

Aluminium

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Fassadenelemente

Bekleidungselemente

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