Stadthaus in Wien

Innerstädtische Nachverdichtung mit Bestandseinbindung

Im 5. Wiener Bezirk Margareten, zentral gelegen und nur wenige Gehminuten von Karlskirche und Naschmarkt entfernt, hat das Planungsbüro feld72 Architekten eine über Jahrzehnte bestehende Baulücke geschlossen. Wo zuvor ein niedriges Fachwerkhaus zur Straße und ein Werkstattgebäude im Hof standen, erhebt sich nun ein siebengeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Gestalterischer Blickfang ist die industriell anmutende Glasfassade zur Straußengasse. Sie integriert die Bestandsbauten als Spolie behutsam in die Gebäudehülle und verbindet so innerstädtische Nachverdichtung mit dem Erhalt historischer Bausubstanz.

Blickfang ist die zur Straußengasse orientierte, industriell anmutende Glasfassade, die einen Bestandsbau als Spolie in die Gebäudehülle integriert.
Fassadenrücksprünge im Eingangsbereich sowie den Einzelhandels- und Büroetagen schaffen eine sanfte Trennung zwischen Alt und Neu.
Der Neubau beherbergt dreizehn Wohnungen, zwei Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss und eine Büroetage.

Dialog zwischen Alt und Neu

Der straßenseitige Haupteingang führt in ein luftiges, zweigeschossiges Foyer. Links grenzt es an das erhaltene Fachwerkhaus, rechts an den Erschließungskern mit Treppenhaus und Aufzug. Die Fassade greift den frühindustriellen Stil der Altbauten auf und übersetzt ihn mit beigegrauen, horizontalen und vertikalen Metallelementen in die Gegenwart. Fassadenrücksprünge im Eingangsbereich und bei den Einzelhandels- und Büroetagen schaffen eine behutsame Trennung zwischen Alt und Neu.

Hybrides Nutzungskonzept

Insgesamt dreizehn durchgesteckte Wohnungen, zwei Einzelhandelsflächen im Erdgeschoss und eine Büroetage beherbergt der Neubau. Die Wohnungen in den Regelgeschossen verfügen über Wintergärten zur Straße, die als Pufferzone dienen. In den beiden Dachgeschossen befinden sich vier weitere Wohnungen, darunter ein 156 Quadratmeter großes Penthouse mit zwei großzügigen Dachterrassen.

Tragstruktur und Energiekonzept

Die Tragstruktur besteht aus Stahlbetonwänden und -stützen in Scheibenbauweise sowie Stahlbetondecken. Das Dach ist als Sargdeckelkonstruktion in Massivbauweise ausgeführt und geht in zwei eingeschnittene Terrassen und ein Flachdach über. Zum Energiekonzept gehören eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Photovoltaikanlage sowie Bauteilaktivierung in den Büroetagen und im zweiten Dachgeschoss.

Flexible Wintergärten als klimatische Pufferzone

Die straßenseitig vorgelagerten, unbeheizten Wintergärten mit Südwestausrichtung tragen zur Verbesserung der Energiebilanz bei. Als gläserne Pufferzone schützen sie vor Lärm und Witterung; in der kühleren Jahreszeit ermöglichen sie passive Solargewinne. Bei Bedarf lassen sich die großflächigen Glaselemente seitlich verschieben und verwandeln dann die Wintergärten in luftige Loggien. Zum Einsatz kamen die raumhohen Schiebeelemente des Systems Proline S Mega von Solarlux. Die Glasflächen liegen hinter einem filigranen Geländer aus feinmaschigem Streckmetall. Ein Vorhang aus semitransparentem Metallgewebe bietet flexiblen Sicht- und Sonnenschutz.

Präzise Technik für flächenbündige Fassaden

Das Ganzglas-Schiebesystem wurde speziell für flächenbündige Fassaden entwickelt und erfüllt hohe Anforderungen an Transparenz, Statik und Witterungsschutz. Für einen gleichmäßigen Lastabtrag und maximale Stabilität sorgen schmale Aluminiumprofile, in denen die seitlich rahmenlosen Glaselemente oben und unten fixiert sind. Sie verfügen zudem über eine integrierte Aushebe- und Absturzsicherung und erfüllen alle relevanten Sicherheitsvorgaben.

Im Stadthaus Wien bestehen die Schiebeanlagen – je nach Wohnungsbreite – aus vier bis sechs Elementen mit Höhen von 2.576 mm und Breiten bis zu 1.157 mm. Zwei bis drei Flügel lassen sich nach links und rechts auf flachen Bodenschienen verschieben, um die Fassade großzügig zu öffnen. Kugelgelagerte Edelstahl-Laufwagen mit wartungsarmen Rollen gewährleisten eine leise und leichtgängige Bedienung.

Bautafel

Architektur: feld72 Architekten, Wien
Projektbeteiligte: Michael Adams, Theresa Amersberger, Markus Gianmoena, Philipp Grassl, Constantin Koblmiller, Michael Mulavka, Gerhard Oberhofer, Gorana Savic (Projektteam); Buschina & Partner (Tragwerksplanung und Bauphysik); Kainer Gebäudetechnik (Gebäudetechnik und Elektrik); Erich Röhrer (Brandschutz); Buchegger 7 Baumanagement (Leistungsbeschreibung); Solarlux, Melle (Hersteller: Ganzglas-Schiebesystem Proline S Mega) 
Bauherr*in: AVEST Immobilien & MEGUS.; STR14 Immobilien
Fertigstellung: 2023
Standort: Straußengasse 14, 1050, Wien
Bildnachweis: Hertha Hurnaus (Fotos); feld72 Architekten (Pläne)

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Glaswände/​Balkone

Balkonverglasungen

Fenstertüren werden oft als Balkon- oder Terrassentüren eingesetzt. Im Bild das Beispiel einer Glas-Faltwand mit Holzrahmen (Serie Woodline von Solarlux).

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Fenstertüren

Schiebefenster bestehen aus einem Blendrahmen und Flügeln, die in einem Schienen- bzw. Nutsystem seitlich verschoben werden (im Bild: großformatige Schiebefenster cero-III von Solarlux mit schmalen Rahmen)

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Schiebefenster

Wintergärten, Glashäuser bzw. mit Glas umhüllte Volumina werden grundsätzlich in Warm- und Kalthäuser unterschieden, haben jedoch auch zahlreiche Mischformen. Diese Glashaus-Typen können vielfältige Formen annehmen (im Bild: Wohnwintergarten).

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