Sozialer Wohnungsbau Les Balcons de Sermenaz in Rillieux-la-Pape
Auf der Anhöhe eingebettet und gestaffelt
Die französische Gemeinde Rillieux-la-Pape gehört zum Großraum von Lyon und ist im Südosten durch die breite Flussaue der Rhône begrenzt. Von Norden fließt die Saône Richtung Stadtzentrum von Lyon und vereint sich im südlichen Teil der Metropole – am bezeichnenden Musée Des Confluences – mit der Rhône. Bedingt durch die Lage zwischen zwei Flüssen erstreckt sich Rillieux-la-Pape auf einer Anhöhe. Zum Siedlungsgebiet gehören außer einem historischen Kern ausgedehnte Wohnquartiere. Im Übergang zur Landschaft im Osten, mit Blick über das Rhônetal, ist das Wohngebiet Les Balcons de Sermenaz zu einem großen Park ausgerichtet.
Gestaffelte Baukörper mit Licht und Luft
Das städtebauliche Konzept, die Größenordnung, Gliederung und Einbindung von insgesamt 140 Wohneinheiten, die sich auf acht Gebäude und zwei Grundstücke verteilen, planten die Pariser HEMAA Architectes gemeinsam mit Brenac & Gonzalez & Associés. Am höchsten Punkt der Topografie sind zwei Geschosswohnungsbauten nach dem Entwurf von HEMAA Architectes durch Sockelgeschosse ins Erdreich eingebunden. Mit länglich-rechteckigen Grundrissen sind sie nach oben hin gestaffelt: Das eine verfügt über drei, das andere über vier Vollgeschosse, wobei die beiden höchsten Etagen jeweils verkürzt sind. Diese Staffelung, die tiefen Balkone an den schmalen Fronten sowie eine insgesamt filigrane und helle Architektur verleihen den Volumen trotz ihrer stattlichen Größe Leichtigkeit. Die Wohnungen öffnen sich über breite Glasschiebetüren zu den Balkonen, welche wie die Pergolen in den oberen Etagen von Rundstützen getragen werden.
Öffentlich geförderte Wohnungen mit Gemeinschaftsflächen
Die beiden Häuser beherbergen insgesamt 44 Sozialwohnungen, die Dächer sind als gemeinschaftliche Dachterrassen genutzt. Es sind überwiegend Drei- bis Vierzimmerwohnungen – in der Regel vier bis fünf Wohneinheiten pro Etage. Der verbindende Sockel mit Stellplätzen für Pkw, Kellerräumen und natürlich belichteten Fahrradstellplätzen ist mit Bäumen bepflanzt. So entsteht ein gemeinsamer Garten für die Bewohner*innen, einsehbar von den zweigeschossigen Eingangsbereichen, welche Erdgeschoss und Gartenebene miteinander verknüpfen.
Carbonbeton als Tragwerk
Die tragende Struktur besteht aus Carbonbeton, mit dem sich vergleichsweise schmale Geschossdecken, Balkone und Stützen realisieren lassen. Eine Querlüftung ist in allen Wohnungen möglich. Die Verglasungen sind mit einem außenliegenden Sonnenschutz ausgestattet. Für zusätzliche Verschattung sorgen die Pergolen.
Noch unter dem Einfluss der Pandemie und ihren Nachwirkungen sind diese Sozialwohnungen großzügig konzipiert, verfügen über natürlich belichtete und belüftete Küchen und eigene Freibereiche. Die Schlafzimmer sind mit Einbauschränken ausgestattet, in den Wohnräumen ist Arbeiten im Homeoffice möglich. Zu jeder Wohneinheit gehört ein Kellerraum.
Aufbau und Gestaltung der Dachterrassen und Balkone
Gemeinsam nutzbare Dachterrassen auf beiden Häusern geben Ausblicke über Lyon und bis in die Alpen frei. Eine 20 cm starke Betonplatte aus Carbonbeton bildet die tragende Ebene. Darauf verlegte man 13 cm trittfeste Dämmschicht und eine bituminöse Abdichtungsbahn. Als Terrassenbelag sind Betonplatten (3 cm) auf einer Unterkonstruktion (14 cm) aufgeständert.
Die ein Meter hohe Brüstung bildet ein filigranes Metallgeländer aus diagonalen Stäben, die wie aufgefaltet wirken. Es handelt sich um einbrennlackierte Stahlelemente. Die Pergolen sind mit Aluminiumstäben (als Brise Soleil) ausgeführt. Dachkanten, Dachrandabschlüsse sowie die Ansichtskanten von Pergolen und Balkonen sind im Farbton der Fassade verputzt und durch Metallabdeckungen geschützt. Die einbrennlackierten Abdeckbleche nehmen den Farbton der Pergolen auf. -us
Bautafel
Architektur: HEMAA Architectes, Paris
Projektbeteiligte: Brenac & Gonzalez & Associés, Paris; 22 Degrés, Paris; Terre Eco, Lyon (Städtebauliche Einbindung, Planung und Gestaltung Freianlagen)
Bauherr: Erilia, Marseille
Standort: Rillieu-la-Pape
Baujahr: 2026
Bildnachweis: © Sergio Grazia; © Charles Bouchaïb
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