Sichtbeton

Beim Sichtbeton übernehmen die Ansichtflächen gestalterische Funktion.
Feinster Sichtbeton an der Bibliothek Königgrätz
Die Oberflächen von Sichtbeton werden durch die Schalungshaut bestimmt.

Bei Sichtbeton werden hohe Anforderungen an die Oberfläche gestellt. In Abhängigkeit von der geforderten Qualität folgen besonders bei der Schalung höhere Kosten; diese resultieren aus der

  • Art (Schalungssystem, Schalungshaut, Beschichtungsstärke etc.) und
  • Kombination der Produktionsfaktoren (Ausführungsgenauigkeit, zusätzliche Abdichtungsmaßnahmen, ergänzende Aussteifungen, häufiger Schalungshautwechsel etc.)

In Deutschland ist für die Planung, Ausschreibung und Umsetzung von Sichtbeton das „Merkblatt Sichtbeton“ sehr zu empfehlen.

Bei Verwendung von Schalungsplatten aus Holzwerkstoffen wie beispielsweise Furniersperrholzplatten ist darauf zu achten, dass für Sichtbeton die Beschichtungsstärke mindestens 120 g/m² beträgt. Ideal sind für Sichtbeton Beschichtungsstärken ab 300 g/m². Durch die Beschichtung werden Alterungseffekte, die aufgrund des Gebrauchs und der Schalungslagerung entstehen, gedämpft und daher möglichst gute Bedingungen für die Herstellung von Sichtbetonflächen geschaffen. Mit jedem Einsatz verringert sich die Beschichtungsstärke und es ändert sich auch die Oberflächenbeschichtung der Schalungshaut von „glatt“ in „rau“.

Neben der für die gewünschten Gestaltungsmerkmale geeigneten Auswahl der Schalungshaut, wird das Gelingen der Sichtbetonaufgabe auch maßgebend von der Ausführungsqualität der Bewehrungs- und Betonarbeiten sowie von den während der Betonage herrschenden Witterungsbedingungen beeinflusst. Hierbei führen insbesondere niedrige Außentemperaturen zur Ausbildung von Dunkelverfärbungen auf der Betonfläche.

Im Merkblatt Sichtbeton (S. 10ff) sind zur Beschreibung von Sichtbeton, zur Planung, Ausschreibung, Ausführung und Beurteilung geschalter Flächen vier Sichtbetonklassen (SB) definiert:

  • SB 1 mit geringen gestalterischen Anforderungen bei niedrigen Herstellkosten, z.B. für Kellerwände oder Bereiche mit vorwiegend gewerblicher Nutzung
  • SB 2 mit normalen gestalterischen Anforderungen bei mittleren Herstellkosten, z.B. für Treppenhäuser und Stützwände
  • SB 3 mit hohen gestalterischen Anforderungen bei hohen Herstellkosten, z.B. für Fassaden und
  • SB 4 mit besonders hohen gestalterischen Anforderungen bei sehr hohen Herstellkosten, z.B. für repräsentative Bauteile

Die Differenzierung in den Ansprüchen der Sichtbetonklassen erfolgt durch folgende Anforderungen und Klassen:

  • Textur: Texturklassen T1 bis T3
  • Porigkeit: Porigkeitsklassen P1 bis P4
  • Farbtongleichmäßigkeit: Farbtongleichmäßigkeitsklassen FT1 bis FT3
  • Ebenheit: Ebenheitsklassen E1 bis E3
  • Schalungshaut: Schalungshautklassen SHK1 bis SHK3
  • Arbeitsfugen und Schalungsstöße: Arbeitsfugenklassen AF1 bis AF4

Einen wesentlichen Erfolgsfaktor für das Gelingen von Sichtbeton stellen Erprobungsflächen dar. Nach dem Merkblatt Sichtbeton in Deutschland und der Richtlinie Sichtbeton – Geschalte Betonflächen in Österreich werden für Sichtbetonflächen geringen bzw. normalen Umfangs, Musterflächen zur Vereinbarung der Sichtbetonkriterien empfohlen. Für Sichtbetonflächen von hohem Umfang bzw. für repräsentative Oberflächen ist die Vereinbarung von Erprobungsflächen zwingend erforderlich. Sie können an untergeordneten Bauteilen des Bauwerks realisiert oder als Musterbauteile auf der Baustelle erstellt werden, die später wieder rückgebaut werden.

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Die Wahl der Schalung hat entscheidenden Einfluss auf die Erscheinung der Sichtbetonflächen (Abbildung: St. Canisius-Kirche in Berlin; Architekten: Büttner, Neumann, Braun).

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Die Kostensteigerung – bezogen auf Beton ohne besondere Anforderungen an das Aussehen – liegt bei Sichtbeton im Regelfall zwischen 20 und 60%, wenn dabei Serienschalungen (z.B. Träger- oder Rahmenschalungen) eingesetzt werden

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