Seniorenwohnhaus St. Josef in Frankfurt am Main

Dachaufbau mit Bitumenabdichtung, gewappnet für die Begrünung

Soviel Selbstständigkeit und Komfort wie möglich, soviel Hilfe wie nötig: Diese Vorstellung haben wohl viele Menschen, wenn sie an das Wohnen im Alter denken. Insofern ist es wünschenswert, dass Angebote wie das Seniorenwohnhaus St. Josef in Frankfurt am Main künftig häufiger umgesetzt werden. Das dreiteilige Ensemble nach Plänen von Waechter + Waechter Architekten aus Darmstadt überzeugt nicht nur konzeptuell und formal, auch die Lage und funktionale Einbindung könnten kaum besser sein. In unmittelbarer Nähe der drei miteinander verknüpften Baukörper befinden sich Einkaufsmöglichkeiten, eine Kirche mit Gemeindezentrum, eine Stadtbücherei sowie ein Altenzentrum mit Pflege- und Freizeitangeboten. Rückwärtig öffnen sie sich zu einem begrünten Hof, die Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr ist gut, und auch das Mainufer und weitere Naherholungsgebiete liegen hier im Stadtteil Niederrad nicht weit entfernt.

Eine gemeinsame Erschließung verbindet die drei unterschiedlich hohen Baukörper des Seniorenwohnhauses
In jedem Baukörper reiihen sich pro Geschoss drei Wohnungen aneinander
Breite Fenster vor den Küchen und eingerückte Eingänge: Viel Tageslicht und Sichtbezüge waren das Ziel

Durch die gemeinsame Erschließung verbunden sind ein viergeschossiger, ein dreigeschossiger und ein fünfgeschossiger Riegel an der Ecke Goldsteinstraße/Kniebisstraße. Die beiden höheren Baukörper stoßen L-förmig aneinander und bilden den straßenseitigen Raumabschluss im Süden und Westen. Dazwischen befindet sich das außen liegende Treppenhaus und der Aufzug zu den beiden Laubengängen, von denen einer auch zu den Wohnungen des dreigeschossigen Quaders führt. Dieser steht parallel zum höchsten der drei Häuser und ist zu diesem leicht versetzt, sodass ein kleiner, nach Osten offener Hof entsteht. In jedem Haus reihen sich pro Geschoss drei Wohnungen aneinander. Insgesamt gibt es 24 barrierefreie und zehn rollstuhlgerechte Apartments sowie eine Wohngemeinschaft aus zwei Einheiten im Erdgeschoss. Sie verfügen alle über zwei Zimmer, eine Diele, ein kleines Bad und eine kleine Küche.

Ziel der Architekten war es, möglichst helle Wohnungen zu schaffen, Sichtverbindungen herzustellen und die Häuser so zu gestalten, dass sie zur Kommunikation einladen. Die Küchen erhielten breite Fenster zum Laubengang, die eingerückten Wohnungseingänge daneben besitzen Glasfüllungen. Auf der gegenüberliegenden Seite sind alle Zimmer raumhoch verglast, Türen öffen sich zu den durchgängigen Balkonen. Wer es privater mag, trennt den eigenen Bereich ab. Als Sicht- und Sonnenschutz nach außen lassen sich weiße Markisen bis auf Brüstungshöhe hinabziehen.

Obwohl das Gebäude nicht den Anschein erweckt, konnten die Planer die geforderte kostengünstige Lösung umsetzen: Zunächst durch eine größtmögliche Ausnutzung der Grundfläche, die dank der Aufgliederung in mehrere Baukörper den Gesamtbau weder massig noch trist erscheinen lässt. Weiterhin durch die Ausführung in Schottenbauweise mit kurzen Spannweiten, einfachen Fügungen und Details sowie einen hohen Vorfertigungsgrad. Der Einsatz von oberflächenfertigen Sichtbetonfertigteilen ermöglichte eine wirtschaftliche, schnelle Bauweise. Das Meranti-Holz für die Fenster- und Türrahmen entstammt nachhaltiger Forstwirtschaft, eine Dreifachverglasung bietet einen guten Wärmeschutz, ebenso das Wärmedämmverbundsystem mit Mineralwolle und körnigem Splittputz.

Flachdach
Den oberen Abschluss aller drei Baukörper bildet ein unbelüftetes Flachdach; die schmale Aufkantung der Attika besteht aus Aluminiumblech. Der Dachaufbau wurde so gewählt, dass er eine spätere Begrünung bzw. die Anlage eines Dachgartens ermöglicht. Die Laubengänge und Balkone wurden als Betonfertigteile ausgebildet und hydrophobiert.

Auf der Stahlbetondecke, die den Flachdachaufbau trägt, befindet sich eine bituminöse Abdichtung als Dampfsperre und Notabdichtung. Darüber sorgt eine Gefälledämmung aus expandiertem Polystyrol für den Wärmeschutz und die notwendigen 2% Gefälle. Die Dachabdichtung besteht aus zwei Lagen Bitumenschweißbahn mit Glasfasereinlage. Diese schrumpft nicht, ist wurzelfest und säurebeständig. Naht- und Stoßverbindungen wurden vor Ort thermisch verschweißt. Eine feine Deckschicht aus dunklem Schiefer schützt die Oberlage der Bitumenabdichtung. -us

Bautafel

Architekten: Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt
Projektbeteiligte:
Kehrel + Krämer Architekten, Neu-Isenburg (Objektüberwachung); DBT Ingenieursozietät, Frankfurt (Tragwerksplanung, Brandschutz, Bauphysik); Ingenieur – Planungsgesellschaft Dries + Liebold, Rüdesheim am Rhein (Elektroplanung); Planungsbüro für Haustechnik Alois Bonleitner, Alsbach (TGA-Planung); Waechter + Waechter Architekten, Darmstadt (Freianlagenplanung); S.C.H.I.N.D.L.E.R. Haus- und Dachpflege, Sondershausen (Flachdacharbeiten); Bauder, Stuttgart (Hersteller Dachabdichtung)
Bauherr:
Caritasverband Frankfurt am Main
Fertigstellung:
2015
Standort:
Kniebisstraße 31, 60528 Frankfurt am Main
Bildnachweis: Thomas Ott, Mühltal

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