Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Wien

Übungsarmaturen fürs Krankenhauspersonal

Unmittelbar an der verkehrsreichen Triester Straße in Wien liegt die neue Gesundheits- und Krankenpflegeschule. Das helle und transparente Gebäude ist vor Schallimmissionen durch eine 120 m lange, glatte Glashaut geschützt, großkronige Spitzahorne davor spenden im Sommer Schatten. Auf der anderen Seite des Gebäuderiegels, der nach Plänen der ortsansässigen lichtblau.wagner architekten entstand, befinden sich die Pavillons des Kaiser-Franz-Josef-Spitals aus dem 19. Jahrhundert. Sie sind Teil einer großzügigen Parkanlage im Ortsteil Favoriten. Von hier aus erfolgt die Erschließung der Schule, die 600 Schülern Platz bietet. Alle Lehrräume orientieren sich zum Park, während die Pausen- und Nebenräume in lockerer Abfolge auf der Straßenseite angeordnet sind.

Vielfältige Aufenthaltsbereiche auf der Straßenseite, geschützt vor Schallimmissionen durch eine Glaswand
Die Eingangshalle orientiert sich zum Park
Eingehängte Boxen auf der Südostseite - Bäume schützen vor Sommersonne

Aufgrund der vorhandenen Topografie konzipierten die Architekten das Gebäude mit zwei gleichwertigen Erdgeschossen, die beide von einer zentralen Eingangshalle aus erschlossen werden. Diese befindet sich auf einer Zwischenhöhe: Eine breite Rampe führt zum unteren Erdgeschoss mit Hörsaal und Garderoben, geneigte Ebenen führen aus der verglasten Halle zur Erschließungsachse des oberen Erdgeschosses. Eine Bibliothek ist brückenartig über der Eingangshalle angeordnet.

Eine lineare Kastenwand, die zugleich Stauraum bietet, trennt die Unterrichtsräume von den übrigen Bereichen. Durch Ober- und Unterlichter dringt zusätzliches Tageslicht in die Klassenzimmer. Eingehängt in das Wandraster aus Stahlbeton sind Boxen für Toiletten, Lehrerzimmer u. a. So entsteht ein offenes und vielfältiges Raumgefüge mit unterschiedlichen Orten zur Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern.

Ungewöhnlich ist das Brandschutzkonzept des Langbaus mit einer (zuvor simulierten) Entrauchung übers Dach sowie drei vertikalen Brandabschnitten und dazwischen liegenden, selbstschließenden Schiebetoren. Ein Lüftungssystem sorgt in den Klassenräumen während des Unterrichts für möglichst wenig CO2 in der Luft, eine Wärmerückgewinnungsanlage nutzt die Wärmeenergie, die im Gebäude entsteht, so dass der Heizwärmebedarf erheblich reduziert werden konnte.

Bad und Sanitär
Alle Nebenräume, so auch die Sanitärbereiche, sind über die gesamte Gebäudelänge verteilt und orientieren sich zur Straße. Die Toiletten sind in Boxen zwischen den Pausen- und Nebenräumen untergebracht. Die Wände der WC-Räume sind mit einem hygienischen weißen Latexanstrich versehen, die Ausstattung entspricht dem üblichen Standard des Wiener Krankenanstaltenverbunds.

In den Klassenräumen befinden sich neben Lehrbetten für den praxisorientierten Unterricht auch Waschbecken mit fachspezifischen Armaturen zu Übungszwecken. Diese sind mit Einhebelmischern ausgestattet, die sich nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Ellbogen bedienen lassen. Sollten die Hände des Krankenhauspersonals schmutzig bzw. bereits desinfiziert sein, lässt sich eine solche Armatur also auch mit dem Ellbogen auf- und abdrehen. Für einen reduzierten Wasserverbrauch sind die Armaturen mit Luftsprudler ausgestattet, eine Temperaturbegrenzung ist einstellbar.

Bautafel

Architekt: lichtblau.wagner architekten, Wien
Projektbeteiligte: Fröhlich & Locher, Christian Karner, Wien (Tragwerksplanung); Jakob Fina, Wien (Landschaftsarchitektur); Köstenbauer & Sixl, Unterpremstätten und Michael Künzl, Perchtoldsdorf (Haustechnik); Laufen, Wilhelmsburg (Sanitärkeramik); Hansgrohe, Schiltach (Armaturen)
Bauherr: Stadt Wien
Standort: Kundratstraße 3, 1100 Wien
Fertigstellung: 2010
Bildnachweis: Rupert Steiner, Wien

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