Schülerwohnhaus Louisenlund in Güby

Lernen und Leben im begrünten Wohnring

Im Zuge einer umfassenden Erweiterung erhielt die renommierte Louisenlund Stiftung in Schleswig-Holstein neben einem Lern- und Forschungstrakt ein neues Wohngebäude für ihre Internatsschüler*innen. Mit dem kreisförmigen Neubau entstand auf dem privaten Bildungscampus ein ausdrucksstarker Wohnraum für die Lernenden und Hauseltern. Die beiden Campuserweiterungen entwarfen LH Architekten und wurden dafür noch im selben Jahr der Fertigstellung vom Bund Deutscher Architektinnen und Architekten ausgezeichnet.

Die runde Architektur des von den Schüler*innen liebevoll „Donut“ genannten Gebäudes, beherbergt Zimmer für 48 Lernende, vier Hauselternwohnungen sowie großzügige Gemeinschaftsräume.
Der Bau wurde nach drei Jahren Bauzeit im Jahr 2023 fertiggestellt.
Das Gebäude ist auf einer tiefgründenden WU-Sohle in Holz- Tafelbauweise mit massiven Brettsperrholzdecken hergestellt.

Die Stiftung Louisenlund liegt im Gemeindegebiet Güby, direkt an der Schlei, und bietet ein vielseitiges Programm für Kinder und Jugendliche. Neben der Tagesschule für 5- bis 8-Klässler*innen und das Internatsprogramm mit deutschem Abitur und internationalem Baccalaureate umfasst das Angebot auch ein Förderprogramm für Segler*innen, MINT-Interessierte und ein berufliches Gymnasium mit dem Schwerpunkt auf Agrarwirtschaft. Die Stiftung gründete Friedrich Herzog zu Schleswig-Holstein 1949 nach den reformpädagogischen Leitgedanken seines Freundes und Mitgründers Kurt Hahn. Die ganzheitliche Bildungsinstitution war von Beginn an ein staatlich anerkanntes Gymnasium in freier Trägerschaft.

 

Naturnahes Lernen in runder Architektur 

Mit seiner dunkelroten Holzfassade fügt sich das neue Wohngebäude harmonisch in die Landschaft ein. Leicht hügelig liegt der von Schilfwiesen geprägte Naturraum unweit der Wasserkante. In die Hanglage eingebettet, ermöglicht der zweigeschossige Entwurf einen ebenerdigen Zugang vom Vorplatz ins Obergeschoss, während sich zur Wasserseite beide Ebenen öffnen. Die runde Architektur des von den Bewohnenden liebevoll „Donut“ genannten Gebäudes, bietet Platz für 48 Schüler*innen in 13 bis 25 Quadratmeter großen Zimmern, vier Hauselternwohnungen sowie großzügige Gemeinschaftsräume. 

Das Gebäude in Holztafelbauweise ruht auf einer tief gegründeten WU-Sohle und wird durch drei Erschließungskerne aus Sichtbeton gegliedert. Über die Treppenhäuser können die Bewohner*innen die ringförmigen Flure entlang der inneren Holz-Pfosten-Riegelfassade sowie die auf der unteren Ebene liegende Freifläche im Ringinneren erschließen. Die Innenraumgestaltung zeichnet sich durch eine reduzierte Materialpalette und prägnante Farbgebung aus. Sichtbare Brettsperrholzdecken, petrolfarbene Linoleumbeläge, sanft getönte Vorhänge, sowie gelbe Flurwände schaffen eine helle und freundliche Atmosphäre. Die Schülerzimmer und ein Teil der Bäder sind rollstuhlgerecht ausgelegt.

Mit großflächigen Glasfronten, bodentiefen Holz-Alu-Fenstern und der Anordnung der Zimmer entlang des ringförmigen Erschließungsgangs am Innenhof schafft die Architektur einen Bezug zur umliegenden Natur und dem begrünten Innenhof. Der zentrale Hof ist im Sinne der Stiftung gestaltet und bietet windgeschützten Platz für Rückzug und Gemeinschaft. 

Pflegeleichte Dachbegrünung

Neben dem Innenhof ist auch das Dach des Holzbaus üppig begrünt. Es handelt sich um eine kostengünstige Form der Dachbegrünung, die Material und Pflege spart. Die extensive Bepflanzung erfordert wenig Wartung und wiegt etwa so viel wie ein Kiesdach. Im Rahmen der Eingriffs-Ausgleichs-Regelung dient sie als einfache Maßnahme zur Minderung von Eingriffen in die Natur. In Gemeinden mit gesplitteter Abwassergebühr senkt sie zudem die Kosten. Gleichzeitig schützt die Begrünung die Dachhaut und verlängert die Lebensdauer des Dachs.

 

Extensivbegrünungen, die sich selbst erhalten und weiterentwickeln, setzen auf naturnahe Gestaltung. Neben Kräutern, Gräsern und Moosen kommen vor allem Sedumarten zum Einsatz. Die Pflanzen trotzen extremen Bedingungen wie Frost, Hitze, Wind, intensiver Sonneneinstrahlung und Seeluft. Der Aufbau der Begrünung umfasst ein Trenn-, Schutz- und Speichervlies, ein Drän- und Wasserspeicherelement, ein Filtervlies sowie das Substrat mit der Vegetation.

Bautafel

Architektur: LH Architekten Landwehr Henke + Partner mbB, Hamburg
Projektbeteiligte: Dipl.-Ing. Meike Pichler, Oldenburg (Bauleitung); Hans-Erik Friedrich, Christopher Tait (Projektleiter); Frauke Busdiecker, Maria Niklasch, Sina Schaper, Theodora Ignatova (Projektteam); Optigrün international (Begrünungssystem)
Bauherr*in: Stiftung Louisenlund
Fertigstellung: 2023
Standort: Güby
Bildnachweis: Dorfmüller Klier

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