Schloß-Gymnasium Benrath
Neubau einer Schule auf engem Raum
Etwa vier Fußballfelder, soviel Fläche wird in Düsseldorf-Benrath durch den Abriss der alten Papierfabrik frei. Die Umwandlung des Areals ist ein Großprojekt, für das der Projektentwickler IDR 2022 einen Bebauungsplan vorlegte. Darin zeigte sich, für das Raumprogramm wird es trotzdem eng: Zwei Schulen für mindestens 1.700 Schüler*innen sollen Platz finden, samt Pausenhof und großer Vierfeld-Sporthalle. Dazu kommen eine Wohnanlage für ca. 120 Senioren und ein Wohnkomplex mit einer geplanten Bruttogeschossfläche von ca. 11.000 m².
Die Schulen – das Schloß-Gymnasium Benrath und die Realschule Benrath – und die Sporthalle dazwischen bilden das Rückgrat des Areals. Sie dienen als Puffer zwischen der nördlich und westlich angrenzenden Industrie und dem Wohngebiet im Süden, zwischen großen und hohen Bauvolumen und schmalen Zeilenbauten, zwischen lauter Nutzung und dem Bedürfnis nach Ruhe beim Wohnen.
Flächen maximal ausnutzen
Das Büro RKW Architektur+ erhielt den Zuschlag, das Gymnasium und die Sporthalle zu planen. Aber wie organisiert man eine zeitgemäße Schule auf fünf Geschossen und mit – im Verhältnis – sehr wenig Grundstücksfläche? Die Idee war, möglichst viele Gebäudeoberflächen als Freiflächen zu nutzen.
Das Team plante einen relativ schlanken, winkelförmigen Stahlbetonskelettbau, der partiell aufgeständert ist und so Platz macht für einen teilweise überdachten Pausenhof. Es ließ auch die Sporthalle aufständern und begrünen, damit sich unter dem Gebäude die Hoffläche und am Gebäude die Grünfläche fortsetzen kann.
Das Dach plante es mit einer Rückstaffelung, die im vierten Obergeschoss Platz macht für einen weiteren Pausenhof mit Basketballplatz, Tischtennisplatte und Hochbeeten. Gleichzeitig erzeugt die Staffelung einen Höhenübergang von den angrenzenden Industriehallen zu den Wohngebäuden. Auch die Höhe der Schule lässt sich nutzen: Das oberste Geschoss beherbergt eine öffentlich zugängliche Sternwarte, ein Highlight für die Schule mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt.
Organisation des Grundrisses
In enger Abstimmung mit der Schulgemeinde plante das Architekturteam einen Grundriss in Clustern. Typischerweise erzeugen diese eine eher flächige Ausdehnung des Schulgebäudes, angelehnt an den Typus der Lernhäuser mit offen bespielbaren Flächen dazwischen. Das ging hier aus Platzmangel nicht. Also stapelte man die Cluster in Ebenen übereinander und entwickelte zwei verbindende Geschosse für die Gemeinschaftsflächen, ähnlich wie auf einem Schiff.
Die beiden unteren Sockelgeschosse fassen nun sämtliche Funktionen, die für die 900 Schüler*innen und teilweise für eine Öffentlichkeit zugänglich sein müssen: Verwaltung, Mensa, Aula, Musik- und Kunsträume. Eine Glasfassade ermöglicht die Öffnung und damit Erweiterung der Aula und Mensa zum Schulhof. Drei Treppenhäuser führen in die einzelnen Jahrgangs-Cluster.
Clustergrundriss
Zu jedem Cluster gehören fünf Klassen eines selben Jahrgang sowie mehrere Flexräume, die sich im Dreibund um eine Mittelzone gruppieren. In dieser Mitte liegen gemeinsame, offene Lernflächen und Sanitär- und Nebenräume. Sie sind unterschiedlich gestaltet, haben flexible Sitzgruppen und Tische. Glasfenster in den Trennwänden sorgen für einen Sichtbezug aus den Klassen auf die Lernflächen, sodass im Rahmen des Unterrichtes unterschiedliche Lernformate gleichzeitig möglich sind. Die naturwissenschaftlichen Fachklassen und die Oberstufe bilden je ein eigenes Cluster.
Wenig Zeit, trotzdem Qualität sichern
Nach vier Jahren von Konzept bis Fertigstellung, durfte die Schulgemeinde im Februar 2025 in den Neubau einziehen – eine zügige Entwicklung, besonders für öffentliche Gebäude. Das liegt auch am etablierten Qualitätsmanagement bei RKW Architektur+. Sie unterstützten hier das Controlling, um im gesamten Projektverlauf die Qualität von Planung und Ausführung zu garantieren. Wegen der engen Zeitvorgaben musste das Team auf ungewöhnliche Bauabläufe reagieren und das Controlling über die Ausführung auf der Baustelle intensivieren.
Etabliertes Qualitätsmanagement
Dabei half das im Büro entwickelte, prozessorientiertes Qualitätsmanagement-System. Es umfasst jeden Teilbereich von Planung und Ausführung und hat vordefinierte, in einem Handbuch schriftlich festgehaltene Handlungsanweisungen für alle Abläufe und absehbare Störungen. Dazu zählen der Umgang mit Kunden und Kooperationspartnern, die Unternehmensplanung und -organisation, die Mitarbeiterführung und -förderung, die interne und externe Kommunikation und Dokumentation, sowie der Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Das große Ziel ist, einheitlichen Abläufen auf allen Ebenen und über alle Leistungsphasen hinweg zu etablieren, damit in der Praxis sowohl die internen Büroabläufe als auch das Projekt- und Baumanagement und die Zusammenarbeit mit Kunden und Gewerken reibungslos und zeitsparend läuft. Grundlage ist nicht nur das einmal entwickelte QM-Handbuch, sondern auch regelmäßige Audits und interne Reviews zu Routinen, Störungen und Fehlern, um das Qualitätsmanagement weiterzuentwickeln und die Abläufe neuen Anforderungen anzupassen und zu verbessern.
Bautafel
Architektur: RKW Architektur+, Düsseldorf
Projektbeteiligte: TGA-Planung: Lindschulte, Nordhorn (TGA-Planung), Schüßler-Plan, Düsseldorf (Tragwerksplanung), KRAFT.RAUM, Düsseldorf (Landschaftsplanung), Görtzen Stolbrink & Partner, Kalkar (Branschutzplanung)
Bauherrin: IDR Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz
Fertigstellung: 2025
Standort: Benrodestraße 132, 40597 Düsseldorf
Bildnachweis: Michael Reisch, Düsseldorf
BauNetz Architekt*innen
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