Schießscharten

Funktion, Geschmack, Interpretation

Fenster, die als zu winzig, zu schmal, zu tief in einer Laibung sitzend oder grundsätzlich irgendwie als hässlich und falsch empfunden werden, werden oft als Schießscharten bezeichnet. Umgangssprachlich wird der Ausdruck Schießscharten-Fenster oder Schießscharten-Architektur besonders häufig als Abwertung im Zusammenhang mit Fassaden verwendet. Vermeintliche gestalterische Störungen werden als Abweichungen von geschmacklichen Konventionen kritisiert. Schießscharten-Architektur wird auch im Abriss-Atlas Berlin aus dem Mitte Rand Verlag thematisiert.

Schon im Alten Testament werden die Befestigungsanlagen beispielsweise von Jericho geschildert.
In antiken und mittelalterlichen Festungen, Burgen und Wehrtürmen dienten kleine Lücken und Schlitze in den massiven Mauern als Öffnungen, aus denen heraus geschossen wurde. Im Bild: Osthofentor in Soest, erbaut 1523-1526 als Teil eines Stadtwalls
Schießscharte ist ursprünglich ein militärischer Begriff. Im Bild: Laibungsnische einer Schießscharte, Osthofentor in Soest, erbaut 1523-1526 als Teil eines Stadtwalls

Militärische Funktion

Schießscharte ist jedoch ursprünglich kein geschmacklicher, sondern ein militärischer Begriff. In antiken und mittelalterlichen Festungen, Burgen und Wehrtürmen dienten kleine Lücken und Schlitze in den massiven Mauern als Öffnungen, aus denen heraus mit Pfeil und Bogen, mit Armbrüsten sowie, je nach Entwicklung der Waffentechnik, mit Gewehren geschossen wurde. Der Schütze stand oder lag innenseitig in einer Nische mit einer trichterförmigen Laibung, um wahlweise nach unten oder seitlich zu zielen. Er selbst wurde durch die Mauer wie durch ein Schild für Angreifer geschützt. Von außen war er nur durch die extrem kleine Öffnung und eine nahezu technisch unmögliche Präzision zu treffen. Er blieb damit sehr effektiv in seinen Aktionen und weitestgehend unsichtbar für Angreifer.


In Varianten wurden diese Öffnungen auch als sogenannte Pechnasen konstruiert, um beispielsweise heißes Pech, also Teer, aber auch kochendes Wasser oder Öl über sohlbankartige Schrägen auf die Angreifer hinabzugießen. Derartige Löcher in den Wänden der Wehranlagen leisteten außerdem Aufgaben als Spähpunkte, Beobachtungs- und Signalposten, als Lüftungs- und Entrauchungsöffnungen.

Bibel, kunstgeschichtliche Interpretation, Science-Fiction

Schon im Alten Testament werden die Befestigungsanlagen beispielsweise von Jericho geschildert. Die biblische Erzählung der Belagerung und Zerstörung Jerichos und ebenso die Geschichte des Königs Zedekia und seine Gefangennahme durch die Babylonier bei Jericho wurden vielfach in Gemälden, Zeichnungen und Stichen dargestellt. Zwar gibt es keine bildlichen Belege, die die tatsächlichen Kriegshandlungen und Befestigungsanlagen des antiken Jerichos um etwa 587 v. Chr., so Datierungen der Zerstörung, zeigen, doch die Künstler orientierten sich an den vorhandenen zeitgenössischen Befestigungsanlagen, die sie in ihre Bilder übertrugen.


Die Gemälde und Stiche aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, die heute weltweit in Museen zu sehen sind, zeigen damit also eine Collage aus Phantasie-Festungen, die sich als Imagination der biblischen Beschreibungen und tatsächlich zu der Zeit vorhandenen Festungen zusammensetzen und diese sozusagen in action interpretieren.

Die Darstellung von Schießscharten unter anderem in Raumschiffen, Weltraumstädten und Fantasy-Welten entspricht diesem Prinzip. Legendär ist beispielsweise die Sequenz, in der es Luke Skywalker, einem zentralen Charakter der Star-Wars-Saga, gelingt, den feindlichen planetenartigen Stützpunkt durch den unwahrscheinlichen, aber erfolgreichen Beschuss durch ein minimales, kaum wahrnehmbares Loch als Schwachpunkt, nämlich durch die Öffnung eines Ventilationsschachts, zu zerstören. Hier wird die Schießscharte sozusagen à la David gegen Goliath umgedreht.

Typologie und Komplexität der Aufgaben

Nach typologischer Klassifikation sind Schießscharten Lochfenster. Im geschichtlichen Rückblick erfüllten diese Lochfenster erfolgreich eine ganze Reihe verteidigungstechnischer und sogar bauphysikalischer Funktionen.

Angesichts der Vielzahl unterschiedlicher, teils sogar widersprüchlicher und damit höchst komplexer Aufgaben, die von Fenstern geleistet werden müssen, sind deshalb Vorgaben, Regelungen oder gar gesetzliche Vorschriften bezüglich Größe, Dimensionierung und Anordnung äußerst schwierig. Faustformeln, etwa zum Verhältnis der Verglasungsfläche zur Bodenfläche eines Raums, bieten nur Näherungswerte und bedürfen der Überprüfung weiterer Rahmenbedingungen im Gesamtzusammenhang eines Gebäudes. -sj

Fachwissen zum Thema

Fenster sind Öffnungen in den Außenwänden eines Gebäudes als der äußeren Hülle sowie auch, wenn auch seltener, in inneren Bauteilen.

Fenster sind Öffnungen in den Außenwänden eines Gebäudes als der äußeren Hülle sowie auch, wenn auch seltener, in inneren Bauteilen.

Planungsgrundlagen

Aufgaben eines Fensters

Fenestella im Mausoleum der Kaiserin Galla Placidia in Ravenna, Ausschnitt aus einer historischen Fotografie, ca. 1893 bis 1898, unbekannter Fotograf

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Fensterarten

Fenestella

Sonnenlicht ist eine unverzichtbare Grundlage für das Wohlbefinden von Menschen. Balkone und Fensterflächen sorgen für Lichteinfall (Lokdepot, Berlin).

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Planungsgrundlagen

Tageslicht, Fenster und Wohlbefinden

In Metropolen auf der ganzen Welt verknappt sich die Ressource Wohnraum in Relation zu der zur Verfügung stehenden Fläche, und dies nicht nur finanziell sondern auch geometrisch-mathematisch sowie physisch (im Bild: Studenteinwohnheim Woodie in Hamburg, Sauerbruch Hutton).

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Planungsgrundlagen

Verhältnis Fenster zu Raumvolumen

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