SAP Garden in München

Stadion im Olympiapark von 3XN

In einer der größten Grünanlagen Münchens – dem Olympiapark – ist am westlichen Ende, zwischen dem kleinen Olympiasee, der Parkharfe und dem Aufwärmplatz, eine neue, ufo-förmige Sportanlage entstanden. Der SAP Garden, entworfen von 3XN Architects aus Kopenhagen, ersetzt das 2015 abgerissene Radstadion von Herbert Schürmann. Die Mehrzweckhalle ist Heimarena der Eishockeymannschaft EHC Red Bull München – was sich mit etwas Fantasie an der Fassade ablesen lässt, die sich wie aneinandergereihte Hockeyschläger um den runden Baukörper legt.

Neben dem Zeltdach von Frei Otto und Günther Behnisch sowie dem Olympischen Dorf gilt auch die Landschaftsarchitektur des Olympiaparks als gestalterischer Meilenstein.
Entworfen von Günther Grzimek im Rahmen der Olympischen Spiele 1972, verbindet der Park natürliche Topografie mit funktionalen Sport- und Freizeitflächen.
In enger Zusammenarbeit mit CL MAP und Latz + Partner entstand mit SAP Garden ein ovales Bauwerk, das sich dank seiner geschwungenen Formen und eines begrünten Dachs in die hügelige Topografie einfügt.

Demokratische Landschaft

Neben dem Zeltdach von Frei Otto und Günther Behnisch sowie dem Olympischen Dorf gilt auch die Landschaftsarchitektur des Olympiaparks als gestalterischer Meilenstein. Entworfen von Günther Grzimek im Rahmen der Olympischen Spiele 1972, verbindet der Park natürliche Topografie mit funktionalen Sport- und Freizeitflächen. Charakteristisch sind die sanften, künstlich aus Kriegsschutt modellierten Hügel und der Olympiasee, die dem Großevent Naturbezug gaben und einen Kontrast zu den Aufmarschplätzen der Olympischen Spiele 1936 unter den Nationalsozialisten darstellen sollten. Die fließenden Übergänge zwischen Architektur und Landschaft sowie der offene Charakter der Parkanlage sollten das demokratische Leitbild der Spiele unterstreichen.

Form und Bewegung im Park

Mit seiner Gartenkunst und den denkmalgeschützten Bauten stellt der Olympiapark einen anspruchsvollen Baugrund dar: Der neu errichtete SAP Garden hat die städtebauliche Aufgabe, die (landschafts-)architektonischen Qualitäten fortzuführen. In enger Zusammenarbeit mit CL MAP und Latz + Partner entstand ein ovales Bauwerk, das sich durch seine geschwungenen Formen und ein begrüntes Dach in die hügelige Topografie einfügen soll. Die Fassade besteht aus individuell geformten, vertikalen Pilastern, von denen einige – bis zu 18 Meter hoch und eine Tonne schwer – die Eingänge betonen. Die markante Fassade verweist dabei weniger auf die baukulturelle Geschichte des Ortes als auf die eigene Formsprache der Architekt*innen. Dafür ergänzen in Grzimekcher Manier drei Eishallen unter einer künstlichen Anhöhe die vorhandene Wegeführung und Geländetopografien.

Nutzung – auch außerhalb von Spieltagen

Im Innenraum bietet die Multifunktionsarena Platz für 10.700 Zuschauer*innen bei Eishockeyspielen und 11.500 bei Basketballveranstaltungen. Ein modulares Tribünensystem ermöglicht eine Ausrichtung der Sitzanordnung an verschiedene Sportarten und Veranstaltungsformate. Während der EHC Red Bull München und FC Bayern Basketball die Haupthalle nutzen, sind die drei zusätzlichen Eisflächen öffentlich zugänglich. Weitere Einrichtungen wie ein großer Gastronomiebereich, das E-Sport-Zentrum Gaming Garden, Konferenzräume, Büros, ein Parkhaus sowie ein öffentlich zugängliches Dachterrassenplateau beleben den SAP Garden auch außerhalb von Spieltagen.

Retentionsdach mit Mäander

Im Zuge wachsender Anforderungen an eine klimaangepasste Stadtentwicklung und angesichts zunehmender Starkregenereignisse statteten die Planenden das Dach des SAP Garden mit einem Retentionsdach samt extensiver Begrünung aus. Herzstück des Systems ist eine mäanderförmige Struktur, die das Niederschlagswasser über eine verlängerte Fließstrecke ableitet. Dieser Umweg reduziert die Fließgeschwindigkeit und damit die Abflussmenge in die Kanalisation. Die extensive Begrünung trägt zur Verbesserung des Mikroklimas, zur Förderung der Biodiversität und zur Reduktion urbaner Hitzeinseln bei. Gleichzeitig entsteht auf dem Arena-Dach ein neuer Lebensraum für Insekten und Vögel.

Bautafel

Architektur: 3XN Architects, Kopenhagen und CL MAP, München

Projektbeteiligte: Buro Happold, Berlin (Tragwerksplanung, Versorgungstechnik, Fassade, Elektro, Bauphysik und Akustik); Unger Stahlbau (Tragwerksplanung); Vasko und Partner, Wien (Versorgungstechnik); HHP, Berlin (Brandschutz); Latz + Partner, Berlin (Landschaftsarchitektur); Frener & Reifer, München (Fassade); Klauss, Seiersberg (Elektro); Licht Kunst Licht (Licht); PMI (Bauphysik und Akustik);  Optigrün international (Begrünungssystem)

Bauherr*in: Red Bull Stadion GmbH München

Fertigstellung: 2024

Standort: Toni-Merkens-Weg 4, 80809 München

Bildnachweis: Rasmus Hjortshoj

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