Sanierung und Erweiterung der Villa BD House in Bergen

Anbau aus braunen Klinkern nach expressionistischem Vorbild

Nach dem Erwerb einer Villa aus den 1950er-Jahren zog die neue, junge Eigentümerfamilie testweise in das alte Haus und entschied bereits nach einigen Wochen: Wir sanieren und erweitern den Bestand statt ihn durch einen Neubau zu ersetzen! Das zum damaligen Zeitpunkt statisch und technisch labile Gebäude liegt in der niederländischen Kommune Bergen, direkt zwischen den Dünen der Nordseeküste, dem Pinienwald und der offenen Polder Landschaft – ein eingedeichtes, niedrig gelegenes Gelände in Wassernähe. Die Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten planten die zwei Amsterdamer Architekturbüros Studio Vincent und Space Encounters in Zusammenarbeit.

... während gartenseitig ein eingeschossiger, geschwungener Anbau aus braunem Backstein in reduzierter, zeitgemäßer Formensprache eine neue architektonische Schicht hinzufügt.
Die Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten planten die zwei Amsterdamer Architekturbüros Studio Vincent und Space Encounters in Zusammenarbeit.
Der Anbau sitzt auf einem geschwungenen Backsteinsockel und ergänzt den Bestand an den Ecken der Gartenseite um jeweils einen deckenhoch verglasten Raum.

Unterschiedliche Formensprachen

Heute zeigt sich die BD-House genannte Villa straßenseitig im sanierten Zustand mit weiß gestrichenem Mauerwerk und neuen, roten Ziegeln auf dem spitzgiebeligen Dach, aber formal unverändert, während gartenseitig ein eingeschossiger, geschwungener Anbau aus braunen Klinkern in reduzierter, zeitgemäßer Formensprache eine neue architektonische Schicht hinzufügt. Der Anbau orientiert sich laut Planungsteam an den Bauten des schwedischen Architekten Sigurd Lewerentz (1885-1975), der unter anderem für seine expressiv-minimalistischen, teils brutalistisch anmutenden Backsteinbauten bekannt ist. 

Im Erdgeschoss des Altbaus sind Küche und Essbereich sowie ein Bad untergebracht, im neuen Anbau befinden sich das Elternschlafzimmer sowie ein Wohnzimmer. Das Dachgeschoss ist den Kindern vorbehalten und beherbergt zwei kleinere Schlafzimmer und zwei Bäder.


Im Wald wohnen

Der Anbau sitzt auf einem geschwungenen Backsteinsockel und ergänzt den Bestand an den Ecken der Gartenseite um jeweils einen deckenhoch verglasten Raum, wodurch starke Bezüge zum Garten mit dem alten Baumbestand entstehen. Beide Räume sind durch einen überdachten Außenraum miteinander verbunden. Das leicht auskragende Dach nimmt die geschwungene Form des Sockels auf. In dem kleinen Hof zwischen den beiden Räumen darf ein Baum durch eine ovale Öffnung im Dach hindurchwachsen.


Über großflächige Glas-Schiebetüren lassen sich Wohn- und Schlafzimmer vollständig zum Garten öffnen, in dem sich auch ein gemauerter Pool befindet. Der kleine Hof ist vom Wohnzimmer aus über eine Über-Eck-Tür zugänglich. Die Fenster- und Türrahmen bestehen aus afrikanischem Fraké-Holz. Während sich die Fassade des Anbaus durch die brauen Klinker eher dunkel zeigt, wirkt der Innenraum luftig und hell. Dafür sorgen weiß gestrichene Wände, Holzeinbauten und ein heller Terrazzo-Boden. Das Wohnzimmer liegt tiefer als die übrigen Räume und wird über drei Stufen erschlossen. Dadurch wird der Raum zu einer behaglichen Wohnnische.


Braune Klinker mit breiten Fugen

Für den Anbau wurden Handstrich-Ziegel im Format 210 x 50 x 27 mm im mittleren Läuferverband vermauert. Die 18 mm dicken, hellen Fugen verleihen der Fassade einen robusten und rustikalen Ausdruck. Der Wandaufbau besteht von innen nach außen aus 30 mm Gipsplatte mit Lehmputz, 158 mm isoliertem Holztragwerk, 16 mm Zementplatte, 60 mm Isolation (E-Board), 3 mm Kleber und 27 mm Klinker. Das Ziegelmauerwerk des Bestandsgebäudes ist mit weißer Mineralfarbe gestrichen. -lw

Bautafel

Architektur: Studio Vincent Architecture, Amsterdam und Space Encounters, Amsterdam
Projektbeteiligte: IMd Raadgevende Ingenieurs, Rotterdam (Statik); Delva Landscape Architecture and Urbanism, Amsterdam (Landschaftsarchitektur)
Bauherr*in: privat
Fertigstellung: 2022
Standort: Bergen, Niederlande
Bildnachweis: Lorenzo Zandri, London

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