Sanierung eines Einfamilienhauses in Horgen

Leichtigkeit trotz Aufdopplung

Mehr Wärmedämmung bedeutet größere Wand- und Deckenstärken und höhere Dachpakete. Zwecks Wohnraumerhalt und aus bauphysikalischen Gründen wird dieses „Mehr“ häufig außen am Gebäude angebracht. Wie kann ein Gebäude da noch Leichtigkeit versprühen? Eine Lösung fanden Blusch Architekten bei der 2024 abgeschlossenen Sanierung eines Einfamilienhauses in Horgen bei Zürich.

Hier die ursprüngliche Außenhaut mit hellem Sockel und dunklem Dachgeschoss
Charakteristisch für die Häuser der Siedlung ist das asymmetrische Satteldach.
Statt Faserzementschindeln prägen nun helles Blech und dunkle Holzlatten Dach und Giebel.

Einheitliche Optik

Das Einfamilienhaus gehört zu einer Siedlung von 24 ähnlichen Häusern. Durch die unterschiedliche Neigung der Dachflächen von 30 bzw. 60° verfügt der Giebel über ein asymmetrisches Profil. Als die Architekt*innen ihre Arbeit aufnahmen, war das Dachgeschoss vollflächig in dunkle Faserzementschindeln gehüllt. Große geschlossene Dachrandkästen verstärkten das monolithische Erscheinungsbild.

Die dunkle Haube kontrastierte mit den hellen Außenwänden des Erdgeschosses. Diese bestehen aus geschosshohen, 60 cm breiten Porenbetonelementen, deren sichtbare Stoßfugen die Fassade rhythmisieren. Analog dazu folgen sämtliche Öffnungen wie Fenster und Türen dem Rhythmus. Das Untergeschoss tritt wegen der Hanglage talseitig als Vollgeschoss in Erscheinung.

Zur Leichtigkeit saniert

Mit dem Wunsch nach einer Sanierung der Gebäudehülle und einem erneuerten Heizsystem traten die Bauherr*innen an das Team von Blusch Architekten heran. Diese wollten den Charakter des ursprünglichen Hauses erhalten, ohne es zu plagiieren. Zunächst entfernte man die Faserzementschindeln an Dach und Giebel, mitsamt der Unterkonstruktion. Die Außenwände wurden mit einer gedämmten Holzkonstruktion aufgedoppelt und bekamen eine Vorhangfassade mit stumpf gestoßener Holzschalung. Analog zur Ursprungsfassade ist diese unten hell und im Giebel- und Gaubenbereich dunkel. An Position und Größe der Fenster- und Türöffnungen änderte sich nichts.

Die geschlossenen Vordachkästen wurden bis auf die auskragenden Sparren zurückgebaut, welche nun unter der Traufe sichtbar sind. Die neue Dachhaut – Wellblech auf Holzwerkstoffplatte – stützt sich mittels Gewindeschrauben auf den Sparrenenden ab, wo sich der Ausschnitt der alten Kastenrinne befindet. Dadurch wirkt der neue Dachaufbau trotz hoher Dämmstärke filigran und die Bestandskonstruktion ist weiterhin ablesbar. Unterstrichen wird diese Leichtigkeit durch die helle Farbe des Wellblechs.

Der Rhythmus der Porenbetonelemente findet seine Fortführung in dunklen Deckleisten auf der hellen Holzverschalung des Erdgeschosses. Die dunkle Vorhangfassade des Obergeschosses schließt bündig an die Deckleisten an, sodass die helle Schalung optisch zurücktritt. So knüpft das neue Fassadenkleid an den Bestand an und vermittelt zugleich mehr Tiefe und Leichtigkeit.

Dämmung

Die hinterlüftete Fassadenkonstruktion wurde mit steifen, formstabilen Glaswolleplatten gedämmt, mit einer Wärmeleitstufe von 032. Diese entspricht einem λ-Wert von 0,032 W/(mK). Die Dämmung sitzt direkt auf den Betonelementen, über die Glaswolle wurde eine diffusionsoffene, wind- und wetterfeste Fassadenbahn als winddichte Ebene gespannt. Den Abschluss nach außen bildet die Vorhangfassade mit Hinterlüftungsebene und sichtbarer Holzschalung. Insgesamt kamen 300 mm Außenwandstärke hinzu.

Auf den Bestandssparren des Dachs wurde eine Holzkonstruktion mit horizontalen und vertikalen Latten montiert, die zur statischen Ertüchtigung dient und die Schubkräfte der Zwischendämmung aufnimmt. Zum Einsatz kamen auch hier Glaswolleplatten mit einem λ-Wert von 0,032 W/(mK). Darauf folgen eine Schicht OSB-Platten, Unterdachbahn, eine Hinterlüftungsebene, eine Schicht Holzwerkstoffplatten und schließlich die Wellblechdeckung. 

Der nun um 325 mm stärkere Aufbau verschwindet hinter der Vorhangfassade und im Schatten des vor Schlagregen schützenden Dachüberstands. In diesem Schatten verstecken sich auch die Gewindeschrauben, auf denen sich das Wellblech abstützt. So scheint es, als würde die neue Dachhaut über den hervorlugenden Bestandsparren schweben.

Bautafel

Architektur: Blusch Architekten, Zürich
Bauherrschaft: privat
Standort: Zelgenstrasse, 8810 Horgen, Schweiz
Fertigstellung: 2024 
Bildnachweis: Federico Farinatti (Fotos), Blusch Architekten (Fotos Umbauphase und Pläne) 

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