Sanierung des „Wunders von Mannheim“

Frei Ottos Multihalle wird verstärkt und abgedichtet

Die Multihalle Mannheim gilt mit ihrer weit spannenden Freiform bei zugleich filigraner Konstruktion als eines der bedeutendsten Bauwerke des Leichtbaus. Ein mehrlagiges Holzgitter, bedeckt von einem lichtdurchlässigen Gewebe, ist zugleich Dach und Fassade für den weitläufigen, bis zu 20 Meter hohen Innenraum. Das sogenannte „Wunder von Mannheim“, ursprünglich als temporäres Bauwerk gedacht, wurde von Frei Otto für die Bundesgartenschau 1975 geplant. Noch heute ist es die weltgrößte freitragende Gitterschale über amorphem Grundriss – und inzwischen ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung.

Bis zu 20 Meter hoch ist der weitläufige Innenraum der Halle.
Nun erfolgte eine probeweise Instandsetzung an drei Testflächen der Hüllkonstruktion.
Eine Testfläche erhielt innenseitig Verstärkungslatten.

Dass die Halle für eine kurze Lebensdauer konzipiert war, zeigt ihre bisherige Erhaltungsgeschichte: Bereits 1981 wurde die erste Plane aus PVC-beschichtetem, geschwärztem Trevira-Gewebe, durch eine weiße, deutlich haltbarere Plane ersetzt. Seit 2008 stützt ein Gerüst das sich verformende und durch undichte Stellen in der Plane geschädigte Holztragwerk. Aufgrund der Holzschäden infolge der porösen Dachhaut drohte 2016 sogar ein Abriss. 

Dank Sponsor*innen und Fördermitteln konnte 2019 die jetzige, umfassende Sanierung beschlossen werden. Im Zuge dessen wurden zunächst drei Testflächen des Hallendachs probeweise instandgesetzt. Die Stadt Mannheim, die als Bauherrin fungiert, hatte zusammen mit dem Darmstädter Ingenieurbüro Fast + Epp sowie mit finanzieller Unterstützung und beratender Begleitung der Wüstenrot Stiftung planerische Sanierungs-, Verstärkungs- und Reparaturideen und ihre Herangehensweisen geprüft.

An einer der Testflächen ließ das Team Verstärkungslatten montieren und Übergangsdetails testen, ebenso wie den Einbau von Schubverbindern, Anschlussdetails an Randbereichen und den Austausch von Bolzen und Aussteifungsseilen. An der zweiten Testfläche wurden mit einer Lasermessanlage die Möglichkeiten zur schadensfreien Rückverformung von Beulen im Gitter der Dachkonstruktion ausgelotet. An der dritten Testfläche wurde ein Randträger geöffnet und ausgetauscht. Hier galt es, eine Verstärkung der Verbindung der beiden Randträgerhälften durch Schubblöcke und einen verbesserten Membrananschluss zu testen.

Für diese Art der Sanierung existieren keine anerkannten Regeln der Technik. Die probeweise Instandsetzung mithilfe der Testflächen liefert ein tieferes Verständnis für das Tragverhalten der Konstruktion. Schließlich ist das Ziel, trotz der Eingriffe die Authentizität der Multihalle zu bewahren. Über die Maßnahmen informiert eine dem Bauwerk gewidmete Webseite der Stadtverwaltung (siehe Surftipps).

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