Sanierung des Wohnhauses Casa Hope in La Floresta

Farbrausch in Bonbonrosa und Mintgrün

„Gute Architektur hat die Fähigkeit, zeitlos zu sein.“ Davon sind die sechs Architektinnen des Büros Cierto Studio aus Barcelona überzeugt. Entsprechend fielen die Interventionen bei ihrem letzten Projekt Casa Hope, einem von Antoni Roselló entworfenen Wohnhaus in La Floresta aus dem Jahr 1988, nur punktuell aus. Obwohl das zweistöckige Gebäude keinen offenen bzw. flexiblen Grundriss aufwies, sind seine Nutzungsmöglichkeiten nach Ansicht der Architektinnen dennoch zeitgemäß. Ihr Entwurf bewahrt die Essenz des Hauses und stellt seine Besonderheiten heraus, etwa das wiederkehrende Motiv des Kreises. Als Hauptwerkzeug dient dabei Farbe, mit der sie neue räumliche Beziehungen kreierten.

Dem Geschmack der 1980er-Jahre entsprechend waren die vorherrschenden Farben im Haus Terrakotta und Schwarz, die in Teilen erhalten blieben …
... und um zwei Pastelltöne ergänzt wurden: Bonbonrosa und Mintgrün.
Diese dominieren Wände, Decken und Einbauten der Innenräume sowie den Poolbereich.

Der Ort La Floresta befindet nordwestlich von Barcelona, im Naturschutzgebiet Serra de Collserola und entstand Anfang des 20. Jahrhunderts als Rückzugsort in den Bergen mit exklusiven Ferienvillen. So gehört zur Casa Hope auch ein großer Garten, der aufgrund der Hanglage des Grundstücks auf Höhe des Obergeschosses liegt. Auf Wunsch der neuen Bewohner*innen erhielt er nun einen Naturpool, dessen Wasser durch spezielle Pflanzen aufbereitet wird. Dem Geschmack der 1980er-Jahre entsprechend waren die vorherrschenden Farben im Haus Terrakotta und Schwarz, die in Teilen erhalten blieben und um zwei Pastelltöne ergänzt wurden: Bonbonrosa und Mintgrün. Diese dominieren Wände, Decke und Einbauten der Innenräume sowie den Poolbereich. Dabei kommen sie als Wandfarbe, an Holzmöbeln und bei den Fliesen zum Einsatz.

Purismus im Schlafzimmer

Ausnahmen bilden das Elternschlafzimmer und das Kinderzimmer im Obergeschoss. Hier sind die Wände blütenweiß. Ein hochfloriger brauner Teppich, der im Schlafzimmer auch den Bettkasten und das Betthaupt bekleidet, lädt zum Barfußlaufen und auf dem Boden Spielen ein. Neben der melierten Auslegware bringen auch die runden Bullaugenfenster in diesen und anderen Räumen sowie Oberlichter verspieltes, maritimes Flair ins Haus. Das Team von Cierto Estudio vergrößerte zudem die Öffnungen zum Garten und setze Glasschiebetüren ein. So verschmelzen Außen und Innen noch mehr zu einer Einheit.

Alte Fliesen an neuem Ort

Neben den Farben sind keramische Fliesen das zweite wichtige Gestaltungselement und der vorherrschende Bodenbelag. Die ursprünglich im Schlafzimmer verlegten, schwarzen Fliesen mit den Maßen 20 x 20 cm liegen nun im Erdgeschoss, in der Küche, und bilden dort einen starken Kontrast zu den rosafarbenen Einbauschränken. Sie wurden diagonal zur Laufrichtung verlegt und hellgrau verfugt, was dem schmalen, länglichen Raum Dynamik verleiht.

Am Übergang zum Wohnzimmer, wo sich noch die ursprünglichen, terrakottafarbenen Fliesen befinden, wurde die Keramik jeweils mittig halbiert, um trotz der diagonalen Verlegerichtung eine gerade Kante zu erzielen. Neben Format und Größe stimmt auch der Verband in Wohnzimmer und Küche überein. Der Belag führt zudem nahtlos nach draußen zu einer großen, in Teilen von einer Pergola beschatteten Terrasse mit einem kleinen Springbrunnen in der Mitte, dessen Becken mit weißen Mosaikfliesen bekleidet ist.

Barbies Traum

Vollständig monochrom gehalten ist das den Schlafzimmern zugeordnete Bad, das zum Garten hin mit einer halbrunden Wand abschließt: Nicht nur Boden und Wände sind mit quadratischen Mosaikfliesen in Bonbonrosa verkleidet, sondern ebenso Wanne und Waschtisch – und zwar außen und innen. Die kleine, leicht konvex gewölbte Keramik wurde weiß verfugt. Die Decke ist im Rosaton der Fliesen verputzt, sodass Raum und Inventar miteinander verschmelzen und ihre Konturen und Dimensionen nur schwer zu fassen sind.

Baden in Melonengrün

Neben dem Bad befindet sich der Zugang zu einer weiteren Terrasse, die ebenfalls mit den terrakottafarbenen Fliesen belegt ist, sowie zum Garten mit dem neu hinzugekommenen Pool. Hier dominiert Melonengrün. Das Schwimmbecken ist inklusive Randbereich mit weiß verfugten Mosaikfliesen in diesem Farbton ausgeführt. Das Treppenpodest liegt als runde Plattform in einer der Pool-Ecken – ein Rückgriff auf die geometrischen Formen, die im ursprünglichen Entwurf von Roselló bereits ein wichtiges Gestaltungsmerkmal waren. Am Beckenboden und auf der Plattform wird das Grün in regelmäßigen Abständen von Quadraten aus je 16 weißen Mosaikfliesen unterbrochen.

Indem die Architektinnen von Cierto Estudio die Qualitäten und Besonderheiten des Bestands herausgearbeitet und sie um den mutigen Einsatz von Farbe ergänzt haben, ist für die Eigentümerfamilie ein individuelles, verspieltes und sehr persönliches Zuhause entstanden. -sas

Bautafel

Architektur: Cierto Estudio, Barcelona
Bauherr*in: Privat
Fertigstellung:
2021
Standort: La Floresta, Barcelona
Bildnachweis: José Hevia (Fotos); Cierto Estudio (Pläne)

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