Sanierung des Hochhauses Herdern in Zürich

Neues Kleid in altem Stil

Seit 1965 prägt das Hochhaus Herdern, das zur Betriebszentrale von Migros gehört, das Stadtbild von Zürich-West. Das von den Architekten Hans Vogelsanger, Ernst Schwarzenbach und Albert Maurer geplante Scheibenhochhaus wurde zum Wahrzeichen des genossenschaftlich organisierten Handelsunternehmens. Zudem gilt der Büroturm nicht nur wegen seiner kurzen Bauzeit, sondern auch wegen zahlreicher Innovationen hinsichtlich Statik und Materialeffizienz als architektonisches Meisterstück. Im Laufe der Jahrzehnte war das Gebäude etwas in die Jahre gekommen. 2018 erhielt das Team Gigon/Guyer Architekten und Walt Galmarini Bauingenieure den Zuschlag für eine umfassende Sanierung, die im August 2023 abgeschlossen wurde.  

Der Denkmalschutz stellte besonderen Herausforderungen an die statische und energetische Ertüchtigung.
Um sie zu dämmen und zugleich das Erscheinungsbild zu wahren, konstruierten die Planer*innen eine Außenschale im Stil des Bestands.
Das 17. Obergeschoss verfügt über eine Dachterrasse.

Während das viergeschossige und 270 Meter lange, benachbarte Betriebsgebäude über die Jahre hinweg erweitert und angepasst wurde, erhielt der Büroturm viel weniger Aufmerksamkeit. An der westlichen Stirnfassade war Wasser durch die Backsteinwand ins Innere gelangt, wodurch die Armierung der Verbundkonstruktion angegriffen war. Eine statische und energetische Sanierung mit vollständiger Erneuerung der Gebäudetechnik wurde notwendig. Dabei stellten der städtebauliche und denkmalpflegerische Kontext sowie die Proportionierung des Baukörpers besondere Herausforderungen an Architekt*innen und Fachplaner*innen – insbesondere in Hinblick auf heutige Normen.

Neue Fassaden in alter Optik

An den Stirnseiten wurden für die Erdbebensicherheit schmale Betonscheiben in das bestehende Mauerwerk gesetzt und mit einem aufgesetzten Stahlfachwerk ausgesteift. Aufgrund weiterer Wasserschäden und Abplatzungen mussten alle bestehenden Backsteinfassaden und -brüstungen ersetzt, wärmegedämmt und mit neuen Klinkern versehen werden, die hinsichtlich Format, Oberfläche und Farbe dem Bestand gleichen. Die ursprünglich verwendeten Backsteine aus verschiedenen Tongruben ergaben im Mauerwerksverband ein abwechslungsreiches Bild. Auf der Suche nach geeignetem Ersatz stießen die Planer*innen von Gigon/Guyer auf geeignete Klinkersteine in verschiedenen Rotbrauntönen und konnten mittels Tonwerttrennung bei historischen Fotos den bauzeitliche Ausdruck weitestgehend rekonstruieren.

Auch die neuen Fensterbänder wurden dem ursprünglichen Erscheinungsbild entsprechend gestaltet. An zur Straße liegenden Nordseite sitzen die langen Fensterreihen mit breiten Rändern bündig in der Fassade – ähnlich einem Filmstreifen. An der Südfassade springen die Fensterbänder leicht zurück, um Platz zu machen für vorgesetzte Raffstore, die wiederum bündig sind mit der äußeren Mauerwerksschale. Innenliegende Rollos gewährleisten den Blendschutz. Neue dreifachisolierte Aluminiumfenster entsprechen den gewachsenen Anforderungen bezüglich Wärme- und Schallschutz

Dämmung im Zwischenraum

Bis zur Sanierung des Hochhauses war die Gebäudehülle größtenteils ungedämmt. Nun verfügen die nördlichen und südlichen Außenwände über eine 200 mm starke Schicht Steinwolle ein. An der Ost- und Westseite sind es sogar 250 mm. Im Attikageschoss kam bei den Außenwänden eine mineralische Hochleistungs-Wärmedämmplatte zum Einsatz, beim Dach hingegen eine Gefälledämmung aus Steinwolle. Um die Dachterrasse im 17. Obergeschoss zu dämmen, nutzte man Schaumglas für den druckfesten Bereich und Steinwolle im Gefälle für die übrigen Bereiche.

Optimierung im Innenraum

Im ganzen Gebäude wurden neben Heizkörpern auch Klimakonvektoren verbaut. Das in Edelstahl geschweißte Rohrleitungsnetz ist für Heizung wie Kühlung zuständig. Im 17. Obergeschoss und im Erdgeschoss konnten dank der Raumhöhe ergänzend Kühldecken mit Holzlamellen montiert werden. Bei den Büroflächen legte man die Unterzüge frei, um ihre Speichermasse nutzen für die Klimatisierung zu können. Zusammen mit den Stützen rhythmisieren sie die Räume und verleihen ihnen einen atelierartigen Eindruck. Das Attikageschoss, das von einer Dachterrasse umgeben ist, bietet einen Panoramablick über Zürich West bis zu den Alpen. Es beherbergt ein großes Sitzungszimmer, das mitsamt seiner kleinen Küche umgebaut wurde. 

Während der Arbeiten zogen die rund 500 Mitarbeitenden in ein Provisorium um. Mit der Fertigstellung der Arbeiten im August 2023 konnten sie wieder an ihren angestammten Firmensitz zurückkehren.

Bautafel

Architektur Bestand: Hans Vogelsanger, Ernst Schwarzenbach und Albert Maurer
Architektur Umbau:
Gigon/Guyer Architekten, Zürich
Projektbeteiligte: Spiegel + Partner, Zürich (Bauleitung, Kosten, Terminplanung); Lorenz Eugster Landschaftsarchitektur und Städtebau, Zürich  (Landschaftsarchitektur); Walt Galmarini, Zürich (Statik, Bauphysik, Akustik); Eplan, Reinach (Elektrotechnik); Concept-G, Winterthur (HLKS, Koordination); Migros Engineering Solutions, Migros-Genossenschafts-Bund (MGB), Zürich (Brandschutz); Banzer Beratung & Planung, Will (Sprinkler); Enfors, Sempach (RDA); Reba Fassadentechnik, Chur (Fassadenplanung); Batishield, Rüti (Türplanung) 
Bauherr*in: Genossenschaft Migros Zürich
Fertigstellung: 2023
Standort: Pfingstweidstraße 101, 8005 Zürich, Schweiz
Bildnachweis: Seraina Wirz, Zürich (Fotos); Gigon/Guyer Architekten, Zürich (Pläne)



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