Rundumblick in die Vergangenheit
Neubau für ein Panometer in Konstanz
Normalerweise nutzt der Berliner Künstler und Architekt Yadegar Asisi ehemalige Gasometer, um seine künstlerische Signatur – großformatige Panoramen – auszustellen. Das entsprechende Kofferwort „Panometer“ steht für schon existierende, monothematische Ausstellungsorte in Leipzig, Dresden, Berlin oder Pforzheim. Auch eigene Bauwerke im Stil der Gasometer entstanden bereits für die 360-Grad-Panoramen Asisis, darunter in Wittenberg oder im französischen Rouen. Derzeit ist ein weiterer Rundbau immensen Ausmaßes in der Entstehungsphase, das eigens für die Präsentation der perspektivischen Panoramazeichnungen errichtet wird.
In Konstanz am Bodensee wächst nach Plänen des Berliner Architekturbüros Sauerbruch Hutton ein über 50 Meter hohes Bauwerk im Stil eines Gasometers in die Höhe, das fast ausschließlich der monumentalen Kunst gewidmet sein wird. Dort soll ab 2026 ein 32 Meter hohes Rundbild des spätmittelalterlichen Konstanzer Konzils zu betrachten sein. Das knapp 3.000 Quadratmeter große Gemälde entsteht derzeit parallel auf Polyester-Stoffbahnen in Berlin. Der Kulturtempel Panorama Konstanz wird neben der historischen Darstellung des Konzils, das von 1414 bis 1418 stattfand und als eine der größten Kirchenversammlungen des Mittelalters gilt, auch Gastronomie und eine Dachterrasse mit Aussicht auf die gegenwärtige und reale Umgebung beherbergen.
Traggerüst für die Montage der vorgefertigten Holzelemente
Der gigantische Zylinder mit rund 40 Metern Durchmesser wird in Holz-Hybridbauweise errichtet. Dabei sind der zweigeschossige Sockel sowie der gebäudehohe Treppen- und Aufzugskern in Massivbauweise aus Stahlbeton hergestellt. Die Sockelebenen beherbergen Ausstellungs- und Multifunktionsflächen. Darauf baut der stützenfreie Hauptausstellungsraum mit über 30 Meter Höhe auf. Für die komplexe Holzkonstruktion und -fassade in elementierter Vorfertigung zeichnet das Schweizer Unternehmen Blumer-Lehmann verantwortlich. Das Bauwerk krönen zwei Etagen für Restaurant und Aussichtsterrasse in über 40 Metern Höhe.
Sogar in der Bauphase präsentiert sich der Turm recht spektakulär. Die Montage der Holzelemente unterstützt ein Traggerüst aus der Serie Peri Up des Weißenhorner Gerüstherstellers Peri. Dieses musste während der Rohbauphase von März bis Juli 2025 hohe Lasten abtragen, was insbesondere aufgrund der großen Höhe und hoher Windlasten herausfordernd war. Gleichzeitig stand wenig Platz für die Hilfskonstruktion und Anlieferung zur Verfügung. Der Gerüstbaukasten bot eine Lösung für die 32 Meter hohe temporäre Installation, sodass die Deckenkonstruktion mit radial angeordneten Holzfachwerkträgern montiert werden konnte. Mithilfe von Systembauteilen des Ingenieurbaukastens Variokit von Peri wurden fünf Aussteifungsebenen ausgebildet, durch die die Horizontallasten in den außenliegenden Stahlbetonkern abgeleitet werden konnten. Das schlanke Gerüstprovisorium musste rund 1.400 Kilonewton Traglast auffangen und gleichzeitig auf der Sockelebene möglichst viel Platz für die notwendigen Hubarbeitsbühnen freihalten.
Vorteile der abgestimmten Systemkomponenten
Als Teil der Peri-Up-Gerüstlösung konnte mithilfe mobiler Hydraulikeinheiten das Traggerüst sowie die mittig aufgelagerte Fachwerkdecke nach der Fertigmontage kontrolliert abgesenkt werden. Zuvor wurden die vorgefertigten Holzbauteile für die Fachwerkträger der später freitragenden Dachkonstruktion durch das Team von Blumer-Lehmann vor Ort zusammengefügt und mit dem Kran in die Auflagerebene eingehoben. Dabei half auch ein Vormontagegerüst, ebenfalls der Serie Peri Up. Drei bis zu 167 Tonnen wiegende Fachwerkträger sind gleichzeitig in circa 8 Metern Höhe zwischengelagert und fertigmontiert worden. Der enge Raum stellte auch hier wiederum eine besondere Situation dar.
So konnten etwa durch 25-Zentimeter-Riegel ausgebildete Schwerlaststützen übergangslos integriert werden, und zwar just an der Stelle, wo innerhalb der Tragkonstruktion hohe Lastkonzentrationen zu erwarten waren. Auch erwies sich die geometrische Anpassungsfähigkeit der Systeme genau dort als vorteilhaft, wo durch die präzise 3D-Gerüstplanung Kollisionspunkte zwischen der Gerüstkonstruktion und dem Holzbau ausgeschlossen wurden.