Royale Belge in Brüssel

Bronziertes Glas am ehemaligen Versicherungshaus

Wer hat die Corporate Architecture „erfunden“? Adriano Olivetti? Frank Lloyd Wright? Peter Behrens? Wie auch immer, der ehemalige Hauptsitz der Versicherung Royale Belge im Südosten von Brüssel ist jedenfalls ein aufwändig gestaltetes, Luxus verströmendes Beispiel aus den 1960er-Jahren. Mit der Zeit wurde der Unternehmensname zum Synonym für das Gebäude. Nach vorübergehendem Leerstand und Eintragung als Denkmal 2019 haben Bovenbouw Architectuur aus Antwerpen, Caruso St John Architects London/Zürich und das Brüsseler Architekturbüro DDS+ sich auf Betreiben der Stadt Brüssel um Sanierung und Umbau des Gebäudes gekümmert.

Der kreuzförmige Bau ist in einen Park eingebettet.
Die Fassade besteht aus Cortenstahl und bronzierten Verglasungen.
Der denkmalgeschützte Bau ist ein Beispiel für luxuriöse Corporate Architecture.

Die beiden Architekten René Stapels und Pierre Dufau hatten die von 1967 bis 1970 errichtete Unternehmenszentrale als kreuzförmiges Hochhaus mit acht Geschossen über einem breiten Sockel entworfen, in dessen südlicher Ecke ein quadratischer Flachbau eingeschoben ist. Umgeben ist der Komplex von einem großzügigen, von den Landschaftsarchitekten Jean Delogne und Claude Rebold gestalteten Park mit künstlichem See, der im Nordosten an die Sockelterrasse reicht. 

Die Versicherung Royale Belge, die 1999 von der AXA übernommen wurde, nutzte das Gebäude bis 2017. Im kreuzförmigen Turm und dem zweigeschossigen Sockel befanden sich auf 80.000 Quadratmetern Büros, Konferenz- und Schulungsräume für rund tausend Mitarbeiter. Jetzt findet sich hier ein Nutzungsmix aus Konferenzräumen, Büros, Co-Working-Spaces, ein Hotel, ein Fitnessstudio und ein Restaurant. Ziel war es, trotz erheblich veränderten Nutzungsanforderungen das Wesen der denkmalgeschützten Architektur zu erhalten.

Weiterbauen im Einklang

Einen weitreichenden, wirkungsvollen Eingriff in den Bestand stellte die Schaffung eines großen, gerundeten Atriums zwischen südöstlichem und südwestlichem Kreuzflügel dar. Somit reagiert es formal auf das gegenüber, zwischen Nordost und Nordwestflügel gelegene, kreisrunde Auditorium. Das Atrium öffnet sich über drei Geschosse und ist über weite, gewendelte Treppen erschlossen. Ein großes Oberlicht bringt Tageslicht nach unten in den Raum. 

Zuvor befand sich an dieser Stelle ein Versorgungsschacht, der im Zuge des Umbaus entfernt wurde. So entstand eine Lücke in der charakteristischen Betondecke mit den sich netzartig schneidenden Unterzügen (Diagrid). Fehlende Dreiecke wurden in Stahl ergänzt. Vier neue Stützen nehmen Bezug auf die eindrücklichen Bestandsstützen im Eingangsbereich, ohne deren kapitellartige Tageslichtsegel zu imitieren.

Fassade: denkmalgerechte Millimeterarbeit

Die Fassade des Turms kontrastiert mit der Betonkonstruktion und besteht aus einer Cortenstahl-Struktur mit Pfostenprofilen vom Typ HEB 300 und Riegelprofilen vom Typ UPN 300 sowie Aluminiumfenstern mit bronzefarben getönter Verglasung. Am Sockel waren dagegen schlankere Profile verwendet worden. Im Rahmen der Sanierung blieb die Cortenstahl-Struktur erhalten. Hingegen wurde die 24 mm (6/12/6 mm) starke, bronzierte Doppelverglasung durch eine 35 mm starke Doppelverglasung ersetzt. Sie entspricht aktuellen thermischen Standards und kommt zugleich den bauzeitlichen Proportionen sehr nahe.

Vor den geschlossenen Bereichen waren teilweise 2 mm starke Cortenstahlbleche montiert, die in identischem Material ersetzt wurden, teilweise waren aber auch einfachverglaste Elemente vorgehängt, die durch Doppelverglasungen ersetzt wurden. Zwischen Verkleidung und Betontragschicht wurden 40 mm Mineralfaserdämmung eingefügt. Im Sockelbereich, wo sich unter anderem der Sportclub befindet, wurden Fassadenteilungen geändert und neue Öffnungen geschaffen.

Bautafel

Architekten: Bovenbouw Architectuur, Antwerpen und Caruso St John Architects, London/Zürich mit DDS+ architects, Brüssel
Projektbeteiligte: MA2, Metzger et Associés Architecture, Brüssel (Denkmalarchitekten), Lemaire Ingénieurs (Statik), RVR Van Reeth Studiebureau, Kontich (Anlagenplanung), Protec bvba, Wetteren (Projektmanagement), Atelier EOLE Paysagistes, Watermael-Boitsfort (Landschaftsarchitektur), Bureau Bouwtechniek, Antwerpen (Technischer Berater), Macobo-Stabo, Tessenderlo (Akustik), Koordinator für Gesundheit und Sicherheit: VETO & Partners, Oosterzele (Arbeitsschutzkoordinator), Atelier Lionel Jadot, Zaventem (Innenarchitekt Hotel, Fitnessstudio und Restaurant), CIT Blaton, Schaerbeek (Hauptauftragnehmer)
Bauherr: Souverain 25
Fertigstellung: 2023
Standort: Boulevard du Souverain 25, 1170 Watermael-Boitsfort, Belgien
Bildnachweis: Bovenbouw Architectuur & Caruso St John Architects (Fotos und Pläne)

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Die Glasfassade der Hamburger Elbphilharmonie setzt sich aus 1.100 unterschiedlichen Elementen zusammen, Architekten: Herzog & de Meuron

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Fassadenarten

Glasfassaden

Zwischen den Pfosten und Riegeln können Glasflächen, Blindpaneele oder Öffnungselemente angeordnet sein.

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Fassadenarten

Pfosten-Riegel-Fassade

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