Revitalisierung der Križík-Pavillons in Prag

Dachgärten auf ehemaligen Messehallen

Das Prager Messegelände entstand 1891 anlässlich der Jubiläumsausstellung, einer von böhmischen Unternehmern organisierten Industriemesse, bei der auch tschechische Kulturgüter gefeiert wurden. 1991, zum hundertjährigen Bestehen, gab es eine Neuauflage und das Gelände wurde um die Križík-Pavillons erweitert. Eigentlich waren sie als temporäre Bauten konzipiert, doch kontinuierliche Messen und Ausstellungen sorgten dafür, dass sie blieben. Schließlich wurde der Gebäudekomplex 2024 unter Führung der Messegesellschaft Výstaviště Praha revitalisiert. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Schaffung von attraktiven Dachterrassen bei gleichzeitiger Entsiegelung des Flachdachs. 

Der vierteilige Komplex erstreckt sich über eine Fläche von circa 7.500 Quadratmetern.
Teils umgeben achteckige Pavillons die charakteristischen Stahlfachwerktürme.
Die Dachflächen wurden umfassend begrünt und neue Aufenthaltsflächen geschaffen.

Die Pavillons – benannt nach dem Elektrotechniker und Industriellen František Křižík – stammen aus der Feder des tschechischen Architekten Michal Brix. Der vierteilige Komplex erstreckt sich über eine Fläche von circa 7.500 Quadratmetern und bildet gemeinsam mit seinem Brunnen im Zentrum einen wichtigen Teil der Gesamtanlage rund um den 1891 errichteten Industriepalast. 

Aufgrund der anfangs geplanten kurzen Lebensdauer war eine Sanierung der Pavillons notwendig geworden. Die Stadt Prag beauftragte die Messegesellschaft mit einem Revitalisierungskonzept und forderte gleichzeitig eine Umstrukturierung, um das Nutzungsangebot zu vervielfältigen. Beteiligt waren SOA Architekti sowie die Gartengestalterin Vendulka Vaněčková und das Landschaftsarchitekturbüro Greenville.

Vier Hallen, ein Dach

Als eigenständige Gebäude konzipiert, sind die vier Pavillons allein durch Brücken zwischen den begehbaren Flachdächern verbunden. Erreichbar sind sie über die filigranen Außentreppen an den Fassaden und teils über die charakteristischen Stahlfachwerktürme, von denen die Dächer abgehängt sind. Aufgrund der großen Spannweite der Zugstangen bleiben die Hallen weitgehend stützenfrei. Genutzt wurden sie bisher für Ausstellungen und Messen, nach der Revitalisierung sollen hier aber auch Konzerte und Filmaufnahmen stattfinden. Dafür ergänzte das Planungsteam an verschiedenen Stellen technische und sanitäre Einrichtungen. 

Wegen ihrer thermischen und technischen Mängel wurde die Fassade komplett ausgetauscht. Raster und Glastönung der neuen Fassade orientieren sich jedoch am Bestand. Die im Inneren sichtbaren Betonelemente wurden gereinigt und in ihrer rohen Form belassen. Sie sollen zusammen mit den ergänzten Geländern und Möbeln aus Edelstahl den industriellen Charakter der Anlage betonen. Sämtliche weiteren Oberflächen rücken mit einer neuen mattschwarzen Lackierung versehen visuell in den Hintergrund. 

Weniger Hitze, mehr Aufenthaltsqualität

Das Hauptaugenmerk der Revitalisierung lag auf der rund 6.000 Quadratmeter großen versiegelten Dachfläche. Die ursprüngliche Dachhaut übte mit ihrem dunklen Betonpflaster einen erheblichen Einfluss auf die Umgebung aus und führte zu Temperaturerhöhungen von bis zu 10 Grad Celsius. In ihrer Auslobung forderte die Stadt Prag eine Verbesserung des Mikroklimas sowie des Regenwasserabflusses und knüpfte damit an ihre Strategie zur Verringerung von Hitzeinseln im Stadtgebiet an. 

Zugleich sollte das Dach zu einer öffentlichen Parklandschaft umgestaltet und um Sport- und Spielflächen, Sitzbereiche und Cafés ergänzt werden. Letztere zogen in die achteckigen Dachaufbauten ein. Die roten Spindeltreppen in den weißen Stahlfachwerktürmen blieben erhalten und ermöglichen den Blick auf den Botanischen Garten und den Industriepalast. Durch die Aktivierung wird der Dachgarten zum neuen Zentrum des Areals. Fortan soll er der Öffentlichkeit ganzjährig zur Verfügung stehen. 

2.000 Quadratmeter Blaugründach

Das Planungsteam konzipierte die Dachflächen gemeinsam mit den Landschaftsarchitekt*innen von GreenVille neu. Eine rund 130 Meter lange Laufbahn umringt den neuen Aufenthaltsort und bietet Ausblick auf das 36 Hektar große Messeareal. Rund um die Stahlfachwerktürme und die achteckigen Dachaufbauten konnten etwa 5.000 Quadratmeter Pflaster zurückgebaut und große Teile um eine intensive Dachbegrünung ergänzt werden. 

Die Bepflanzung mit Stauden und Gräsern reichert die Umgebungsluft mit Sauerstoff an und erhöht die Luftfeuchtigkeit – und sorgt somit für einen Kühlungseffekt. Eine Speicherschicht unter dem Substrat ertüchtigt die Dachflächen zu einem Retentionsdach bzw. Blaugründach. Laut Architekt*innen können so rund 1.000 Kubikmeter Regenwasser gespeichert und den Pflanzen zur Verfügung gestellt werden.

Bautafel

Architektur Bestand: Michal Brix
Architektur Sanierung und Umbau: Výstaviště Praha, Prag; SOA architekti, Prag (Ondřej Píhrt, Štefan Šulek, Ondřej Laciga, Kateřina Luftová, Štěpán Tomš, Matěj Střecha und Pavel Dostal)
Projektbeteiligte: Vendulka Vaněčková (Gartengestalterin); GreenVille, Prag (Landschaftsarchitektur/Freiraumplanung); Piada, Strakonice (Tragwerksplanung); Atelier Dek, Prag (bautechnische Beratung); A1 systém (Brandschutz); Sára servis (Elektrotechnik); Colt International (RWA); KONSIT, Prag (Ausführung Pavillons); TOST (Ausführung Dach)
Bauherr*in: Magistrat der Hauptstadt Prag
Fertigstellung: 2024
Standort: Výstaviště, 170 00 Prag, Tschechien
Bildnachweis: Alex Shoots Buildings (Fotos); Výstaviště Praha (Pläne)

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