RDS Community Housing in Schoten

Gemeinschaftliches und gesundes Wohnen hinter Holz und Ziegeln

Der Begriff gesundes Bauen bezieht sich in erster Linie auf den Einsatz gesundheitlich unbedenklicher Materialien, die zugleich ein gutes Raumklima gewährleisten. Es gibt jedoch auch den Ansatz, diese Definition auf die mentale Gesundheit auszuweiten. In der belgischen Gemeinde Schoten südlich der Provinz Antwerpen entstand im Sinne dieser Auffassung des gesunden Bauens ein neues, bereits vielfach ausgezeichnetes Cohousing Projekt: das RDS Community House, geplant von Bruno Spaas Architectuur. Der durch die Non-Profit-Organisation Anapneusis initiierte Neubau bietet Unterkünfte für Menschen, die sich nach Obdachlosigkeit oder Inhaftierung im Prozess der Resozialisierung befinden und ihre Selbstständigkeit zurückerlangen wollen.

Der von Bruno Spaas Architectuur geplante soziale Wohnungsbau liegt direkt an einem See.
Steile Pultdächer ohne Dachüberstand, große Rundfenster und die monochrome Farbgebung lassen den Bau zwischen seinen eher konventionellen Nachbarn hervorstechen.
Um ein besonders anspruchsvolles Fassadenbild zu kreieren, wurden die Verblender in einer Variation des klassischen Läuferverbandes aufgemauert – hier im vierfachen Läuferverband.

Gemeinschaftliches Wohnen

Der in rote Ziegel gehüllte Neubau befindet sich auf einem idyllischen Grundstück zwischen Wohn- und Erholungsgebiet direkt an einem See. So soll den Bewohner*innen ermöglicht werden, eine geschützte, erholsame und doch gemeinschaftliche Umgebung zu genießen, die sie in Ihrem Entwicklungsprozess unterstützt.

Das Gebäude besteht aus drei leicht versetzt aneinandergereihten Häuschen, von denen zwei ein gemeinsames Erdgeschoss ausbilden. Steile Pultdächer ohne Dachüberstand, große Rundfenster und die monochrome Farbgebung lassen den Bau zwischen seinen eher konventionellen Nachbarn hervorstechen. In dem zusammengelegten Erdgeschoss befindet sich ein großer Gemeinschaftsbereich für Bewohnerinnen und Gäste, wo zusammen gekocht oder gespielt werden kann. Eine großzügige, überdachte Terrasse bildet den Übergang zum Garten. Von hier werden die in den Obergeschossen liegenden Wohneinheiten über eine Wendeltreppe aus rotem Stahl erschlossen. Alle Einheiten besitzen einen eigenen außenliegenden Zugang, sodass sie den Charakter eines eigenen Heimes aufweisen. Auf 36 Quadratmetern Fläche verfügen die Einheiten jeweils über Bad, Garderobe, Schlafbereich und einen Wohnbereich mit Küchenzeile. Großzügige Fenster bieten einen Blick auf den See.

Nachhaltig und gesund

Während das räumliche Konzept dem psychischen Wohlbefinden der Nutzer*innen dienen soll, sollen die konstruktiven und materiellen Eigenschaften des Hauses zu einem gesunden Raumklima beitragen und somit der physischen Gesundheit der Bewohner*innen zugutekommen. Mit einer leichten Holzkonstruktion und natürlichen, nachhaltigen Dämmstoffen wie Holzwolle und Hanfkalk gelang es den Architekt*innen eine diffusionsoffene Außenwand gänzlich aus nachhaltigen Rohstoffen zu erstellen. Innen sind die Wände mit einer diffusionsoffenen Beplankung aus Gipsfaserplatten und einem Lehmputz beschichtet. Die Oberflächen unterstützen zudem die Schallabsorption.

Auch die unverkleidet belassenen Geschossdecken und das zugleich als Balkon genutzte Terrassendach wurden als Holzkonstruktion ausgebildet. Die Decken sind aus massiven Brettsperrholzplatten (auch: CLT-Platte / Crosslaminated Timber) gefertigt und können durch die Querverleimung der einzelnen Holzschichten über die gesamte Breite einer Hauseinheit spannen. Alle konstruktiven Holzelemente wurden als Fertigteile geplant, um so den Bauprozess zu vereinfachen und material- sowie zeiteffizient zu bauen. Das eingesetzte Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Auch bei der Erstellung des Fundaments wurde auf Materialsuffizienz und Nachhaltigkeit geachtet. So ist dieses lediglich als umlaufendes Linienfundament erstellt und mit einem 40 cm tiefen Muschelbett aufgefüllt. Die Muscheln wurden aus der Nordsee geerntet und dienen als Sauberkeitsschicht und ersetzen den sonst verwendeten Kies. Der Vorteil von Muscheln ist, dass diese den feuchten Boden wirksam abdichten und so die Luft darüber trocken halten. Durch die materialreine Bauweise soll das Gebäude nicht nur nachhaltig, sondern auch gänzlich reversibel und kreislaufgerecht sein.

Neue Muster für traditionelle Ziegel

Das vorgesetzte Sichtmauerwerk erhöht die Langlebigkeit des Gebäudes. Denn die wasserabweisende, massive Ziegelschale schützt die dahinterliegende Holzstruktur vor Witterungseinflüssen. Der hohe Schieferanteil des für die Mauerziegel verwendeten Oberlausitzer Tons sorgt für eine besonders hydrophobe Oberfläche. Dadurch wirkt der Ziegelstein besonders homogen, fast „weich“, so als sei er noch ungebrannt.

Um ein besonders anspruchsvolles Fassadenbild zu kreieren, wurden die Verblender in einer Variation des klassischen Läuferverbandes aufgemauert. So erhielt die Fassade des ersten Hauses einen doppelten Läuferverband – also eine zweifache Stapelung der Steine. Diese Stapelung wird von Haus zu Haus um einen Stein ergänzt – bis zu einem vierfachen Läuferverband. Somit ergibt sich optisch eine Mischung aus Läufer- und Stapelverband. Der Fugenmörtel wurde rot eingefärbt und unterstützt damit die monolithische Wirkung der Gebäudehülle.

Auch sonst fällt der feine Detaillierungsgrad des Gebäudes auf. Fensterrahmen, Regenrinnen und Fallrohre sowie Dachziegel passen sich ebenfalls der Farbe der Fassade an und ordnen sich somit zugleich unter. Die steile Dachform mit Ost-West-Ausrichtung unterstützt die Gewinnung von Solarstrom. -sm

Bautafel

Architektur: Bruno Spaas Architectuur, Antwerpen
Projektbeteiligte: PUUR Bouwen, Zottegem (Bauunternehmen)
Bauherr*in: Anapneusis, Antwerpen
Fertigstellung: 2022
Standort: Ruitersdreef 29 B, 2900 Schoten, Belgien
Bildnachweis: Pieter Frans Gerda Geerts, Antwerpen

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