Produktions- und Lagerhalle in Thüringen

Heizen mit Produktionsabwärme

Thüringen ist nicht nur der Name eines deutschen Bundeslandes sondern auch einer Gemeinde im österreichischen Vorarlberg am Ausgang des Großen Walsertals. Hier befindet sich eine der Produktionsstätten des Unternehmens Hilti, das Bohr- und Direktbefestigungsgeräte für die Baubranche erzeugt. Diese Produktionsstätte sollte erweitert werden. Im Rahmen eines Wettbewerbs mit vorgeschaltetem Evaluierungsverfahren wurden ATP Architekten und Ingenieure für die Bauaufgabe ausgewählt. Das Architekturbüro wurde mit der Umsetzung sowie mit einer geordneten langfristigen Entwicklung des Standortes beauftragt.

Vom Innenhof aus ist die großzügige Verglasung zu erkennen
Die markante Dachform bringt viel Tageslicht in die Halle
Im Vordergrund das Hochregallager, nach hinten erstreckt sich die Produktionshalle

Der Neubau mit rund 18.000 m² Grundfläche beinhaltet Produktion und Logistik, ein 30 m hohes, vollautomatisiertes Paletten- und Behälterlager sowie Supportflächen und Büros. Gestalterisch unterscheiden sich diese Bereiche: Die Produktionshalle mit einer Sheddach-Konstruktion aus Holz präsentiert sich als metallisch, schuppiger Monolith. Das schwarze Hochregallager tritt dagegen optisch zurück und verschmilzt - zumindest von Weitem - mit dem Hintergrund des Auwaldes.

Nachhaltig Bauen
Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt die „Verantwortung für Gesellschaft und Umwelt aktiv wahr zu nehmen“. Diese zeigt sich auch bei seinen eigenen Neu- und Umbauprojekten. Deshalb wurde bereits zu Beginn der Projektarbeiten gemeinsam mit den Planern ein „Anforderungskatalog Nachhaltigkeit“ erarbeitet. Ein interdisziplinäres Team schaffte die Voraussetzung für einen integralen Planungsprozess.

Um den Eingriff in die Natur sowie die Belastung für Anrainer und Mitarbeiter möglichst gering zu halten, erfolgte die Material- und Produktwahl nach Prinzipien der Nachhaltigkeit und der Ökologie. Es wurden Materialien ausgesucht, die im Fall eines Rückbaus oder Abrisses wiederverwendet werden können. Helle Oberflächen, optimale Tageslichtverhältnisse und behagliches Raumklima sorgen für ein angenehmes Arbeitsumfeld.

Die Energieeffizienz des Konzepts resultiert aus dem innovativen Zusammenspiel von Regelungstechnik, energieeffizienten hydraulischen Schaltungen und kreativen Systemen zur Erdwärme-, Grundwasser- und Abwärmenutzung. Ziel war es, die bereits für die Produktion benötigte Energie sekundär für Heizung und Kühlung zu nutzen und dadurch soweit wie möglich auf zusätzliche Energie zu verzichten. Der Einsatz von fossilen und elektrischen Energieträgern wurde minimiert und stattdessen auf regenerative Formen gesetzt. Im Winter wird mit Produktionsabwärme und Lufterdwärmetauscher geheizt, im Sommer mit Grundwasser gekühlt. Dadurch verringert sich der CO2-Ausstoss um rund 213.000 kg pro Jahr, die Energieeinsparung beläuft sich auf 350.000 kWh jährlich. Der Montage- und Produktionsbereich wird ausschließlich über Betonkernaktivierung temperiert.

Die Produktions- und Lagerhalle wurde mit dem Energy Globe Award des Energieinstituts Vorarlberg ausgezeichnet sowie mit dem Europäischen Architekturpreis 2009 Energie + Architektur des BDA. Darüber hinaus ist sie für eine Pilotzertifizierung nach DGNB für Industrie- und Produktionsbauten ausgewählt.

Bautafel

Architekten: ATP Architekten und Ingenieure, Innsbruck (Architektur, Tragwerksplanung, Gebäudetechnik, Elektroplanung)
Projektbeteiligte: Hilti + Jehle, Feldkirch (Spezialtiefbau); Kaufmann Bausysteme, Reuthe (Dachkonstruktion); Spirig Vogel Haustech, Nöllen (Flachdach)
Bauherr: Hilti, Thüringen
Fertigstellung: 2009
Standort: Thüringen, Österreich

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Wer nachhaltig Bauen möchte, sollte Baustoffe wählen, die aus nachwachsenden, gut recyclebaren und lange verfügbaren Rohstoffen bestehen (Bild: Schafwolle).

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Auswahl der Baustoffe

Die DGNB vergibt mit der Auszeichnung ein  Zertifikat für Nachhaltiges Bauen.

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