Prismatische Oberlichtgitter

Vault Lights, Pavement Lights, Gehwegprismen

Vault Lights, wortwörtlich übersetzt Kellergewölbe-Fensteröffnung, oder auch Pavement Lights, sind mit den Bezeichnungen Bürgersteigfenster und Gehwegprismen eine frühe Form begehbarer Oberlichter. Sie entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Seit den 1980er-Jahren werden die Vault Lights als authentische urbane Artefakte repariert, restauriert und vielfach auch rekonstruiert und ergänzt.
Die Gitter variieren in der Form und lassen sich zu größeren Flächen addieren.
Brown Brothers, Chicago, Sidewalk and Vault Lights, etwa 1870

In den im Zuge der industriellen Revolution rasant wachsenden Großstädten wie London, Paris, New York, Chicago und San Francisco war innerstädtischer Raum für Warenlager und Werkstätten knapp. Folglich wurden die – manchmal sogar mehrgeschossigen – Kellerräume bis unter die Bürgersteige erweitert und ausgebaut. Doch die Belichtung dieser fensterlosen Räume war ein Problem. Zu dieser Zeit gab es noch kein elektrisches Licht, wie wir es heute kennen. Künstliche Beleuchtung beispielsweise mit Gaslaternen war aufwendig und mit Öllampen oder gar Kerzen gefährlich, wie die Great Fires, die flächenmäßig enormen Großfeuer mit unzähligen Opfern wie in New York im Jahr 1835, in San Francisco 1851 und in Chicago 1871 zeigen.

Gitter, Zellen, Glaspfropfen

Eine Form der sicheren Belichtung entwickelte der US-amerikanische Politiker und Erfinder Thaddeus Hyatt (1816-1901) und meldete seine Idee 1845 als Hyatt Patent Lights zum Patent an. Zur natürlichen Belichtung unterirdischer Räume wurden in den Bürgersteigen guss- oder schmiedeeiserne Gitter verlegt, in deren Zellen massive gläserne Pfropfen gesteckt wurden. Diese Pfropfen sind geometrisch eine Kombination aus einem oberen linsenförmig verstärkten Rand und einem unteren asymmetrisch facettierten Prisma, das der Lichtbündelung und -lenkung dient. Sie haben einen Durchmesser zwischen etwa 5 cm bis maximal 10 cm und Längen bis zu etwa 15 cm. Diese Lösung setzte sich sowohl in den USA als auch in Varianten in Europa durch.

Die Gitter variieren von rechtwinkligen und wabenartigen Formen, die sich zu größeren Flächen addieren lassen, bis zu radial-konzentrischen Rosetten. In Abhängigkeit von der Kontur der Zellen sind die Pfropfen daher oben quadratisch, kreisrund oder hexagonal. Je nach den chemischen Bestandteilen des Glases schimmern sie weißlich, grünlich, gelblich oder violett. Im Falle einer Verkantung oder eines Bruchs konnten die Glaselemente einzeln ausgetauscht werden. Typologisch verwandt sind begehbare Glassteine.

Hochphase und Verfall

Die begehbaren Gitteroberlichter waren insbesondere zur Zeit der Belle Epoque, des Art Déco und des Jugendstils als gleichermaßen praktische wie dekorative Glasornamente beliebt und wurden zahlreich verwendet. Sie bildeten beispielsweise Mosaike in Fußböden respektive Decken von Bahnhöfen, in Zugängen zu Untergrundbahnen sowie in Einkaufspassagen.

Im Zuge der Elektrifizierung, der Modernisierung und nicht zuletzt durch innerstädtischen Strukturwandel mitsamt Aufgabe der Kellerlager verloren die Vault Lights ihre Funktion. Bei Bruch, beispielsweise durch Belastung durch parkende PKWs, wurden sie nicht mehr repariert. Leere und defekte Gitter füllten sich mit Abfällen. Schließlich wurden sie oft mit Beton, Zement oder Asphalt verfüllt und verdeckt.

Wiederentdeckung als atmosphärische Artefakte

Als sich seit den 1980er-Jahren die New Yorker Viertel Soho und Tribeca zu hippen Gegenden für Musik- und Filmstars mit Lofts, Flagshipstores gehobener Modemarken, Galerien und Fine Dining Restaurants wandelten, wurden die dort besonders häufig vorhandenen Vault Lights der damaligen Gewerbebauten als authentische und atmosphärisch charmante urbane Artefakte wiederentdeckt. Sie wurden repariert, restauriert und bei Fehlstellen sogar rekonstruiert und ergänzt. Eine vergleichbare neue Wertschätzung erfahren diese historischen Oberlichter auch in europäischen Städten wie Lissabon und Budapest, die ein architektonisches Erbe von Fin-de-Siècle-Bauten kultivieren. Besonders in der Dämmerung belebt das sanfte Schimmern dieser begehbaren Oberlichter den öffentlichen Straßenraum und trägt damit nicht zuletzt zu einem besseren Sicherheitsempfinden bei. -sj

Fachwissen zum Thema

Grabkapelle auf dem Württemberg, mit dem Opaion des Pantheons in Rom als Vorbild

Grabkapelle auf dem Württemberg, mit dem Opaion des Pantheons in Rom als Vorbild

Fensterarten

Himmelsauge

Modularer Beton-Lichtschacht von ACO

Modularer Beton-Lichtschacht von ACO

Fensterarten

Kellerfenster/Lichtschächte

Bauwerke zum Thema

Der Planungs- und Bauprozess erfolgte über fünf Jahre in mehreren Abschnitten und ist nunmehr abgeschlossen: der Lego-Campus in Billund ist fertig.

Der Planungs- und Bauprozess erfolgte über fünf Jahre in mehreren Abschnitten und ist nunmehr abgeschlossen: der Lego-Campus in Billund ist fertig.

Büro/​Verwaltung

Campus in Billund

Kontakt Redaktion Baunetz Wissen: wissen@baunetz.de
Baunetz Wissen Fenster und Türen sponsored by:
Solarlux GmbH | Kontakt +49 5422 9271-0 | www.solarlux.com