Plant in Basingstoke

Behutsame Erneuerung eines Bürogebäudes aus den 1970er-Jahren

Das denkmalgeschützte Bürogebäude aus den 1970er-Jahren wurde behutsam saniert und zeigt nun mustergültig, wie Architektur und Natur harmonieren können. Fensterbänder und Fenstertüren schaffen ebenerdige Zugänge zu den abgestuften Dachgärten.

Das Gebäude basiert auf einem Raster von 7,50 x 7,50 m. Wie bei Tetris fügen sich die quadratischen Felder zu L-, U-, S- und T-Formen.
Anders als bei Tetris bildet das Raster einen dreidimensionalen Körper. Entstanden sind sechs abgetreppte Geschosse mit großzügigen Dachterrassen.
Umflaufende Fensterbänder prägen die Außenansicht des Gebäudes.

Basingstoke ist eine Stadt nahe London, die in den 1970er-Jahren gezielt als Standort für Unternehmenszentralen entwickelt wurde, um die Londoner Innenstadt zu entlasten. Der Papierhersteller Wiggins Teape beauftragte das Architektur- und Ingenieurbüro Arup 1973 mit dem Bau eines Verwaltungsgebäudes. Peter Foggo (1930-1993), Partner bei Arup Associates, entwarf das Gebäude mit rund 20.000 Quadratmeter Nutzfläche für damals knapp 1.000 Mitarbeiter. 1977 später wurde es übergeben und seitdem genutzt. Die Dachgärten gestaltete der Landschaftsarchitekt James Russell (1920-1996). Seit 2015 steht der gesamte Komplex unter Denkmalschutz. Seit seiner Entstehung wechselte das Gebäude mehrfach den Eigentümer und den Namen, u.a. hieß es Mountbatten House. Nun wurde es Plant getauft – ein Wortspiel aus Anlage, Fabrikation und Pflanze, das auf die enge Verzahnung von Architektur und Gärten verweist.

Büroarchitektur der 1960er- und 1970er-Jahre

Bürogebäude dieser Zeit werden heute oft kritisch betrachtet. Viele sind zwar funktional und mit ihren Stahlbetonskeletten für Großraumbüros gut geeignet, doch gelten ihre Rasterfassaden, besonders bei Hochhäusern, als städtebaulich wenig integrativ oder einfach als hässlich. Dies trifft umso mehr zu, wenn wirtschaftliche Probleme der Bauherren und häufige Eigentümerwechsel zu mangelnder Instandhaltung und einem nicht nur visuellen Verfall führten. Dazu kommen bauphysikalische Mängel. Und so werden trotz eines wachsenden Bewusstseins für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung viele dieser Bürogebäude abgerissen. In Berlin beispielsweise das Hochhaus An der Urania 4-10 und das alte Kudamm-Eck, in Düsseldorf die Bienenhäuser der Igedo. International sorgte der Abriss mehrerer Gebäude des Architekten Paul Rudolph, darunter das Burroughs Wellcome Building in North Carolina, für Aufsehen.

Rationalismus im Quadrat

Peter Foggo entwarf mit seinem Team ein rationalistisches Gebäude in der Tradition der klassischen Moderne à la Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier und Louis Kahn. Die nahezu quadratische Grundfläche basiert auf einem Raster von 7,50 x 7,50 m. Wie im Spiel Tetris fügen sich die quadratischen Felder zu L-, U-, S- und T-Formen. Hier jedoch bilden sie ein dreidimensionales Volumen: entlang der Rasterachsen treppen sich sechs Geschosse ab. Diese Staffelung schafft Dachterrassen, die sich zu einem quadratischen Innenhof absenken. Das Raster bestimmt nicht nur die Kubatur, sondern auch die Tragstruktur und die räumliche Organisation der tiefen Nutzflächen.

Ein weiteres prägendes Element des Gebäudes sind die umlaufenden Fensterbänder bzw. Fenstertüren. Sie bieten weite Ausblicke und ermöglichen den direkten Zugang zu den Terrassen. Diese enge Verzahnung von Großraumbüro und Dachbegrünung war in den 1970er-Jahren sehr ungewöhnlich und zeigt den großen Wert, den das Team aus Architekten, Ingenieuren und Landschaftsarchitekten auf Aufenthaltsqualität und das Wohlbefinden der Nutzer legte.

Retrofit

Seit 2019 wurde das Gebäude in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz nach dem Prinzip des Retrofit saniert. Der Begriff Retrofit stammt ursprünglich aus dem Maschinen- und Anlagenbau und steht für eine technische Überholung durch Austausch materialermüdeter und nicht mehr funktionsfähiger Komponenten. Das heutige Planerteam übertrug ihn auf die Architektur, um auf die rationale Struktur und jahrzehntelangen Funktionalität des Gebäudes zu verweisen.

Tatsächlich wurde das Gebäude auch nicht umgebaut, sondern behutsam und respektvoll modernisiert. Es erfolgten eine energetische Ertüchtigung, eine Erneuerung der Sanitär- und Heizungstechnik sowie eine Neuorganisation der Erschließung, um die Mieteinheiten unabhängig voneinander zugänglich zu machen. Die Dachgärten wurden teils rekonstruiert und erweitert. Neue Nutzungen wie ein Café, ein Fitnesstudio und Ladestationen für Elektroautos kamen hinzu.

Fensterbänder und Fenstertüren

Die Abmessungen der Fensterbänder basieren auf dem Achsraster von 7,50 m, das in fünf gleich breite Felder à 1,50 m unterteilt ist. An einigen Stellen gibt es eine Aufteilung in vier Felder à 1,50 m mit jeweils einem halben Feld à 75 cm an den Rändern zu den Stützen. Die Feldbreite von 1,50 m ermöglicht zweiflügelige Türen. Fenster und Fenstertüren sind jeweils bodenbündig und reichen in der Höhe bis zu den Unterzügen des Tragskeletts. So erhalten auch tiefere Räume viel Tageslicht, und es entstehen zahlreiche Anschlussmöglichkeiten für Trennwände, falls kleinere Büroräume gewünscht sind.

Fensterprofile und Fassadenpaneele aus bronzeeloxiertem Aluminium – einem bauzeitlich typischen Metall – wurden weitestgehend erhalten und unter Beibehaltung von Geometrie und Ästhetik gedämmt. Die Glasscheiben wurden durch Doppelverglasungen ausgetauscht.

Im Inneren wurden nachträglich eingebaute abgehängte Decken entfernt, um die ursprünglich sichtbaren Stahlbeton-Kassettendecken mit hohlen Pyramidenstümpfen und darin integrierten Leuchten freizulegen. Eine neue Wendeltreppe verbindet die Eingangslobby mit den oberen Ebenen. Auf den obersten und nicht begehbaren Dachflächen wurden Photovoltaik-Paneele installiert.

Dachgärten und grüne Oasen

Die verwilderten und vernachlässigten Dachgärten wurden auf Grundlage von James Russells handschriftlichen Pflanzlisten rekonstruiert, die im Archiv der University of York aufbewahrt sind. Er hatte die Terrassen nach Farben, Düften und Wachstumszyklen der Pflanzen gestaltet, um die Natur das ganze Jahr über erlebbar zu machen.

Landschaftsarchitekten und Tragwerksplaner arbeiteten zusammen, um die Pflanzbecken mit Tiefen zwischen 225 mm und 900 mm zu reparieren, vor allem abzudichten und die Erde auszutauschen. Mehr als 22.500 Pflanzen, darunter Sträucher und Bäume, bilden nun eine biodiverse und zunehmend dichter werdende Dachlandschaft. Blauregen und Wilder Wein hängen über den thematisch gegliederten Gärten mit Kräutern, Rosen und stellenweise japanischer Anmutung. Tische und Bänke dienen als Arbeitsplätze oder laden zum Verweilen ein. Einige der Terrassen sind öffentlich zugänglich, etwa im Bereich des Cafés. Im Teich sollen bald bunte Fische schwimmen.

Kommentare der Planer

Ian Taylor, Architekt und Partner bei Feilden Clegg Bradley Studios kommentiert: „Die vorausschauende Planung des Gebäudes, von allen Büroräumen auf allen Ebenen Kontakt und Zugang zur Natur zu schaffen, schuf ein Erbe, das auch heute noch zukunftsweisend wirkt. Unsere Arbeit konzentrierte sich darauf, den einzigartigen Charakter des ursprünglichen Foggo-Entwurfs zu bewahren und gleichzeitig einen Rahmen zu schaffen, der Funktion und Umweltverantwortung in Einklang bringt. Plant setzt heute Maßstäbe für Sanierung und Regeneration – ein Ort, an dem Mensch und Natur harmonisch zusammenleben.“

Der Landschaftsarchitekt Martin Knight von Studio Knight Stokoe ergänzt: „Durch die Neugestaltung dieses national bedeutenden Gebäudes und seiner Gärten haben wir dazu beigetragen, ein transformatives Beispiel für Nachrüstung und Wiederverwendung zu schaffen. Das Projekt respektiert den ursprünglichen Entwurfsgedanken und erfüllt gleichzeitig moderne Anforderungen. Die Verbindung zwischen Mensch und Natur ist hier keine nachträgliche Idee – sie steht im Mittelpunkt. Regenerative und biophile Designprinzipien schaffen wunderschöne Umgebungen, die das Wohlbefinden in jeder Hinsicht fördern. (...) Dieses Projekt geht über die Bewahrung der Geschichte oder die Schaffung von Büroräumen hinaus. Es geht darum, einen Ort zu gestalten, der sich positiv auf Mensch und Umwelt auswirkt.“

Zertifikate und Budget

Die Retrofit-Sanierung kostete rund 36 Millionen Euro. Das Gebäude erhielt mehrere Zertifikate, darunter BREEAM Outstanding, Well Platinum Enabled, EPC-Rating B und Wire Score Gold. „Plant“ setzt Maßstäbe für nachhaltige Sanierung und zeigt, wie Architektur und Natur im Einklang stehen können -sj

Bautafel

Architektur: Peter Foggo/Team2/Arup Associates (Bestand); Feilden Clegg Bradley Studios, Bath/London/Manchester in Zusammenarbeit mit Twelve Architects and Masterplanners, London (Sanierung 2024)
Landschaftsarchitektur und Gartenbau: James Russell (Bestand); Studio Knight Stokoe, Corsham in Zusammenarbeit mit Grant Associates, Bath (Sanierung)
Projektbeteiligte: Whitby Wood (Tragwerk und Haustechnik); Skelly & Couch (Beratende Ingenieure); Montrésor Partnership und Structura (Fassade); Circle Development (Projektmanagement und Bauunternehmen)
Bauherr*in: Mactaggart Family & Partners, London/New York; Longstock Capital, London
Fertigstellung: Bestand 1977; Sanierung 2024
Standort: Basingstoke, London
Bildnachweis: Andy Stagg, London (Fotos); Twelve Architects and Masterplanners, Studio Knight Stokoe (Pläne) über Salt, London 

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Beim Begriff Fensterband handelt es sich um eine meist waagerechte Aneinanderreihung von Fenstern, die nur durch Rahmen, Pfosten oder schmale Blindfenster unterbrochen sind (im Bild: zeitgenössische Fensterbänder, Berlin, Gewers Pudewill, 2020).

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Fenstertüren werden oft als Balkon- oder Terrassentüren eingesetzt. Im Bild das Beispiel einer Glas-Faltwand mit Holzrahmen (Serie Woodline von Solarlux).

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