Österreich-Haus in Whistler/CDN

Frischluft, Wärme und Warmwasser mittels Passivhaus-Heizzentrale

Austragungsort der alpinen und nordischen Wettkämpfe der 21. Olympischen Winterspiele 2010 war das kanadische Whistler, etwa 115 km nordöstlich von Vancouver gelegen. In dem wegen seiner Schneesicherheit beliebten Wintersportort befindet sich auch das sogenannte Österreich-Haus nach Plänen der Wiener Architekten Treberspurg und Partner. Während der Winterspiele diente es als Medientreffpunkt des österreichischen Fernsehens, danach wird es von der Gemeinde genutzt: im Sommer als Mountainbike-Zentrum, im Winter als Treffpunkt für Ski-Langläufer.

Ansicht Südost
Das Gebäude während der Olympischen Winterspiele Vancouver
Innen wie außen führt eine Treppe ins Obergeschoss

Die Architekten nahmen sich für ihren Entwurf das Bauen in alpinen Regionen zum Vorbild. Sie schufen einen kompakten, zweigeschossigen und nach Süden orientierten Baukörper mit Satteldach in Passivhausweise. Schwarze Faserzementschindeln an Dach- und Fassaden verstärken sein monolithisches Erscheinungsbild. Die Öffnungen folgen den inneren Funktionsbereichen: große Glasflächen im Erdgeschoss zur südlich vorgelagerten Terrasse und ein durchgehendes Fensterband entlang der Treppe ins Obergeschoss. Die gesamte Nutzfläche beträgt 250 m². Im Erdgeschoss dient ein spiralförmiges Einbauelement als Bar- und Raumteiler, im Treppenhaus und Obergeschoss als Brüstung.

Die Konstruktion des Gebäudes beruht auf einer ökologischen Holz-Massiv-Bauweise mit unbehandeltem Tannenholz, das ohne Klebstoffe nur mit Holzdübeln miteinander verbunden ist. Die Außenwände sind Massivholzwände mit einer 32 cm dicken Dämmschicht aus Passivhausklemmfilz. Ihr U-Wert beträgt 0,11 W/m²K. Alle Holz-Alu-Fenster mit Dreischeiben-Wärmeschutzverglasung und Argonfüllung sind vom Passivhausinstitut Darmstadt zertifiziert. Sie besitzen eine Rahmendämmung aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz und Kork. Ihr Ug-Wert beträgt 0,6 W/m²K.

Heizung/ Energiekonzept
Das Energiekonzept berücksichtigt nicht nur die Anforderungen an das Gebäude während der Olympischen Spiele, sondern auch die Bedürfnisse der Nachnutzer. Ein für Passivhäuser konzipiertes Kompaktgerät übernimmt die Lüftung, Wärmerückgewinnung, Heizung, Warmwasserbereitung und auch die Kühlung im Sommer. Im Inneren dieses Gerätes ist eine Sole/Wasser-Wärmepumpe integriert, die das Energiepotenzial des erdverlegten Solekreises nutzt. Die Heizlast der Mini-Wärmepumpe beträgt nur 4 kW. Der Solekreis kühlt oder wärmt je nach Bedarf außerdem die Außenluft für die zentrale Lüftung des Gebäudes. Im Sommer gibt er die Wärme der Innenluft an das Erdreich ab. Dies ist notwendig, da in Whistler sehr hohe Sommertemperaturen herrschen. Ein Fußbodenheizsystem verteilt die Wärme bzw. die Kühle im Haus.

Im Kompaktgerät übernimmt eine Steuerung das Zusammenspiel des kompletten Systems. Ein Feinstaubfilter reinigt die Frischluft einmal jährlich. Wegen der hochgedämmten Bauweise und der energiesparenden Haustechnik betragen die Jahresbetriebskosten für Passivhaus nur rund 350 EUR für Lüftung, Heizung und Warmwasser.

Bautafel

Architekten: Treberspurg und Partner, Wien/A
Projektbeteiligte: Erich Reiner, Ingenieurbüro für Holzwirtschaft, Bezau/A (Bauphysik); Sohm-Holzbau, Alberschwende/A, (Ausführung Holzbau und GU); Durfeld Log Construction, Whistler/CDN (Co-Bauausführung); Isover, Ludwigshafen (Passivhausklemmfilz); Drexel und Weiss Energieeffiziente Haustechniksysteme, Wolfurt/A (Energiekonzept/Haustechnik)
Bauherr: Austrian Passive House Group (APG) und Resort Municipality of Whistler, British Columbia/CDN
Fertigstellung: Dezember 2009
Standort: 7390 Fitzsimmons Road South Whistler, British Columbia, Kanada
Bildnachweis: APG/Austrian Passivhaus Group (3,5); APG/Ira Nicolai (1,2,4) Treberspurg und Partner (6); Drexel und Weiss (7)

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