Nouvelles Galeries Lafayette in Annecy

Erweiterung: Alt und Neu im Rhythmus

Bereits beim Blick auf den Stadtplan der ostfranzösischen Stadt Annecy sticht die kreisrunde Kubatur der Nouvelles Galeries Lafayette aus der ansonsten homogenen, historisch gewachsenen Bebauungsstruktur heraus. Das in den 1970er-Jahren nach Plänen von Antoine Dory errichtete Kaufhaus war zum Erbauungszeitpunkt ohne Rücksicht auf Kontext, Ausrichtung oder Dichte der Umgebung auf dem Grundstück platziert worden. Darin liegt womöglich die besondere Wirkung des Bauwerks, der mit seinem ganz eigenen Charakter in das Architekturerbe der Stadt eingegangen ist.

Das Gebäude war zum Erbauungszeitpunkt ohne Rücksicht auf Kontext oder Ausrichtung auf dem Grundstück platziert worden.
Das dominanteste Element des Gebäudes - ein kreisrunder Doppelring - wurde erhalten und durch formverwandte Erweiterungsbauten ergänzt.
Vor dem Umbau konnten Fußgänger*innen das Einkaufszentrum über tunnelartige Durchgänge unter dem Parkring betreten. Dieser Raum ist heute durch eine umlaufende Eingangshalle besetzt.

Der Entwurf ist ein typisches Beispiel postmoderner Architektur: Um den zentralen, quadratischen Baukörper des Kaufhauses herum verläuft ein kreisrunder Doppelring, der zwei Parkebenen aufnimmt – das dominanteste Element des Gebäudes. Der Originalentwurf sah die Anfahrt mit dem Auto vor, Fußgänger*innen betraten das Einkaufszentrum über tunnelartige Durchgänge unter dem ringförmigen, um mehr als ein Geschoss angehobenen Parkhaus. Der Zugang für Personen ohne Fahrzeug war wenig attraktiv und einladend. Mit der nun erfolgten Erweiterung und Sanierung durch das Architekturbüro Manuelle Gautrand Architecture verschwanden die dunklen Tunnel.


Siebenjährige Studien- und Planungsphase

Dem Planungsprozess vorangegangen war eine mehrjährige Studienphase. Zusammen mit der Eigentümerin Citynove befasste sich das Pariser Büro eingehend mit der Frage, wie das Gewerbe zukunftsfähig gestaltet und der Baukörper besser in die städtebauliche Struktur eingebunden werden kann. Im Ergebnis sahen die Planungsbeteiligten eine Nachverdichtung als notwendig für die Kontextualisierung sowie die Schaffung neuer urbaner Qualitäten.

Neben Umbau und Modernisierung des vollständig erhaltenen Bestands wurde er um sechs neue Baukörper in der Formensprache des Originals erweitert. Sie bieten Platz für vierzig neue Geschäfte und Restaurants.

Satelliten erweitern den Bestand

Der Parkring wurde als charakteristisches Bauteil erhalten, darunter auch die vertikalen, in sich gedrehten und vorgefertigten Fassadenelemente aus Beton, die umlaufend den Parkraum abschließen. Unter dem Ring befindet sich heute die Eingangshalle mitsamt einem Großteil der öffentlichen Nutzungen und Räume.

Wie Satelliten docken die runden Erweiterungsbauten im Süden und Westen an den Parkring an. Vier Baukörper liegen auf Straßenniveau, zwei weitere auf den Bauten im Westen. Diese kragen jeweils über das untere Volumen aus, was für eine dynamische Außenform sorgt und zugleich den Raum darunter verschattet. Dank dieser Anordnung ließen sich zudem jeweils begehbare Dachterrassen realisieren.

Alt und Neu verschmolzen

Ziel von Manuelle Gautrand Architecture war es, ein homogenes Gesamtensemble zu schaffen, bei dem alt und neu miteinander verschmelzen und ineinandergreifenden. Um mehr Sichtbarkeit vom Straßenraum zu erreichen und so die Attraktivität des Bauwerks für Passanten zu erhöhen, rückten sie die Satelliten mit ihren Schaufenstern, Eingangsbereichen und Café-Terrassen nah an die Grundstücksgrenzen. Zwischen den Satelliten liegen jeweils die Zugänge mit automatischen Glas-Schiebetüren in die Galeries Lafayette: Richtung Westen, Süden und Osten. Die muschelförmigen Zwischenräume sorgen für eine fließende, einladende Geste zum Gebäude hin. Vor jedem Hauptzugang laden öffentliche Plätze mit Grünflächen und Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein.

BEEAM-Excellent-Zertifizierung

Im Sinne nachhaltiger Stadtentwicklung lag ein weiterer Fokus des Umbaus auf den Freiflächen des Grundstücks: Versiegelte Flächen wurden geöffnet und durch Grünraum ersetzt. Anfallendes Regenwasser wird gesammelt und für die Bewässerung der neuen Gründächer verwendet. Um den Energieverbrauch für die Beleuchtung der Innenräume durch Kunstlicht zu verringern, war die Tageslichtplanung integraler Bestandteil des Entwurfs. Infolgedessen konnte das Projekt von der Renovierung und Erweiterung profitieren und erhielt eine BREEAM Excellent-Zertifizierung.

Sägezahnartige Fassade

Die Fassaden der Erweiterungsbauten sind vollflächig verglast. In Anlehnung an die gekrümmten Betonelemente des Parkrings bilden die planen Fenster die runden Grundformen mit einer sägezahnartigen Anordnung nach. Dadurch erzeugen die nicht öffenbaren Glaselemente eine ziselierte Abfolge von Falten, die abwechselnd und je nach Blickwinkel transparent und opak erscheinen. Die opaken Bereiche bilden die Fensterrahmen aus grau eloxiertem Aluminium, das sich in den Verkleidungen der Dachabschlüsse wiederholt. Das verleiht den Fassaden einen regelmäßigen, vertikalen Rhythmus, der mit der offenen Hülle des Parkrings korrespondiert.

Bautafel

Architektur: Manuelle Gautrand Architecture, Paris
Projektbeteiligte: Legendre Developpement, Saint-Jacques-de-la-Lande (Bauträger und Bauunternehmer); Studio David Thulstrup, Kopenhagen (Innenarchitektur); Khephren Ingénierie, Arcueil (Tragwerksplanung); T/E/S/S atelier d'ingénierie, Paris (Fassadenplanung); Barbanel, Bagneux (Maschinenbau und Elektrotechnik); VPEAS, Bordeaux (Bauökonomie, Kostenplanung)
Bauherr*in: Citynove – Groupe Galeries Lafayette
Fertigstellung:
2023
Standort:
25 Av. du Parmelan, 74000 Annecy, Frankreich
Bildnachweis: Luc Boegly; Manuelle Gautrand Architecture, Paris

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