Niklasgalerie bei Nauders

Schutzbau in hochalpinem Gelände

Die Tiroler Landesstraße B180 ist gemeinhin unter dem Namen Reschenstraße bekannt. Sie führt durch das Oberinntal bis kurz vor den Reschenpass in Italien, dem sie ihren Namen verdankt. Die Bergstrecke geht auf die römische Via Claudia Augusta zurück, die schon im Jahr 46 n. Chr. eine der ersten befahrbaren Straßen über die Alpen war. Noch im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit zählte sie zu den bedeutendsten transalpinen Routen. Heute wird der Pass täglich von bis zu 4500 Fahrzeugen genutzt. Um diese vor Lawinenabgängen und Steinschlag zu schützen, wurden diverse Schutzbauten entlang der Strecke errichtet, die aneinandergereiht eine Länge von 2600 Metern ergäben. Teil davon ist die durch das ortsansässige Ingenieurbüro IBPA geplante Niklasgalerie. Sie überdacht einen Straßenabschnitt zwischen Hochfinstermünz und Nauders. Unmittelbar neben der Festung Nauders, einem Sperrfort aus dem 18. Jahrhundert, schützt sie den Transitverkehr vor hochalpinen Gefahren.

Zuvor war die Fahrbahn beidseitig des Felstunnels von Steinschlag bedroht
Das Lichtraumprofil des Felstunnels wurde erweitert und er bekam eine Wandung aus Spritzbeton
Die neue Galerie liegt unmittelbar bei der Festung Nauders, einem Sperrfort aus dem 18. Jahrhundert

Das Amt der Tiroler Landesregierung beauftragte den Bau der Galerie im Jahr 2014. Zur Umsetzung des Projekts mussten, neben dem eigentlichen Neubau auch ein Gebirgstunnel aufgeweitet und der Bachlauf im Tal befestigt werden. Die vorhandene Stillerbachbrücke wurde in die neue, überdachte Fahrbahn integriert. Für die Dauer der Bauarbeiten wurde auf der gegenüberliegenden Talseite eine Ausweich-Fahrstrecke eingerichtet.

Mit insgesamt 270 m Länge wurde die Niklasgalerie in 18 Bauabschnitten mit einer Regellänge von jeweils 15 m errichtet. Der integrierte, 45 m lange Gebirgstunnel teilt den Neubau in zwei Segmente: Das nördliche, bei der Festung gelegene Teilstück ist 226,5 m lang. Der südliche Teil ist mit 48,5 m weitaus kürzer. Im Sprengvortrieb und maschinell wurde der bestehende Felstunnel gebirgsschonend bis auf die notwendige Durchfahrtsbreite aufgeweitet. Das talseitige Berggestein wurde dabei mit Felsankern zusätzlich gesichert. Eine 20 cm starke, zweilagig bewehrte Innenschale aus Spritzbeton verhindert das spätere Ausbrechen von Geröll über der Fahrbahn. Eine Kunststoffabdichtungsbahn über der Bewehrung, die sogenannte Regenschirmabdichtung, sorgt zusätzlich dafür, dass kein Wasser durch die Wandung ins Innere des Tunnels dringt.

Beim Galeriebauwerk bilden die Rückwand und die Flachdecke eine L-förmige Hülle, die zum Berg hin Schutz gewährleistet. Zur besseren Belichtung und Belüftung ist dieser Schutzmantel talseitig lediglich auf Stützen aufgelegt. Hülle und Stützen bilden zusammen ein monolithisches Rahmentragwerk. Die 80 cm dicke, über fünf Meter hohe Stützwand ruht bergseitig auf einem Streifenfundament. Zur Verstärkung des Deckenauflagers ist ihre innere Wandfläche im oberen Bereich leicht nach innen geneigt. Diese Voute zeichnet sich als Knick entlang des Fahrbahnverlaufs ab. Die Stützen stehen ebenfalls auf einem linearen Fundament, das sich neben der Fahrbahnoberfläche unter dem Erdreich verbirgt. Dieses Fundament musste mit Mikropfählen zusätzlich gesichert werden. Die horizontale Deckenplatte hat eine 2-lagige Abdichtung und wird durch eine bis zu 3,8 m dicke Aufschüttung aus losem Material vor Steinschlaglasten geschützt. Zur Absicherung des losen Substrats wurden hinter dem Randbalken des Galeriedachs Steinkörbe aus Stahl aufgestellt, die den Attikarand auf das dafür notwendige Maß erhöhen.

Zur Integration der bestehenden Stillerbachbrücke in das gleichförmig durchlaufende Galerieprofil waren zusätzliche Maßnahmen notwendig. Das Bauwerk stammte ursprünglich noch aus der Zeit der Monarchie und war bereits 1954 im Rahmen einer Streckenbegradigung verbreitert worden. Für die neue Galerie mussten die Wiederlagerwände entlang des Bachlaufs verlängert werden. Auf den dadurch entstandenen Auflagern lastet heute eine 45 cm starke, schiefwinklige Tragwerksplatte, die durch Träger in Spannrichtung und Weiteren an den freien Rändern umfangreich verstärkt ist. Mit einer Breite von 12,9 m überbrückt sie 26,2 m Spannweite. Zur Aufnahme der hohen vertikalen Lasten aus dem Galeriedach musste über dem Bachlauf ein Sprengwerk ausgebildet werden, dessen unterer Riegel als freier Träger neben dem Brückentragwerk liegt. Zusammen mit den diagonalen Streben des Sprengwerks kennzeichnet er die Position der Brücke am Ende der Galerie. 

Gerüste und Schalungen

Für die Schalung der Flachdecke wurde ein Schalwagen eingesetzt, der auf Laufschienen in Fahrbahnrichtung bewegt werden konnte. Dadurch ergibt sich ein fortlaufendes Schalbild an der Deckenunterseite. Weil der Wagen erst nach Fertigstellung der Galeriestützen zum Einsatz kam, über die die Decke hinausragt, musste er auf der offenen Galerieseite durch mobile Stützen ergänzt werden. Die bergseitige, abgewinkelte Stützmauer wurde in Segmenten gleicher Länge frei stehend geschalt und nach dem Betonieren mit Filterkies hinterfüllt. Über eine Anschlussbewehrung ist sie mit der Decke verbunden. Das gilt auch für die talseitigen Stützen, die mit 0,90 m x 0,55 m einen konstanten Querschnitt haben. Je nach Geländeverlauf und Lage des Fundaments variieren sie in ihrer Länge.

Eine besondere technische Herausforderung war der Anschluss der Galerie an das Gewölbe des Felstunnels. Hier mussten umfangreiche schaltechnische Anpassungsarbeiten vorgenommen werden, um die verschiedenen Geometrien zusammenzuführen. Alle Sichtbetonflächen haben ein gleiches Schalbild mit längs gerichteter Brettschalung. Dadurch erhalten die unterschiedlichen Bauteile ein einheitliches Erscheinungsbild. Die konsequente Anwendung dieses Prinzips zeigt sich besonders eindrucksvoll an Detailpunkten wie den diagonalen Tragwerksstreben der Stillerbachbrücke oder den geneigten Untersichten der Deckenränder.

Bautafel

Planer: IBPA Passegger-Autengruber, Aldrans
Projektbeteiligte: Porr, Wien (Ausführungsbetrieb); Baubezirksamt Ims (Bauaufsicht); Herbert Müller, Innsbruck (Geologie); Jürgen Ewerz, Imst (Geotechnik)
Fertigstellung: 2016
Bauherr: Amt der Tiroler Landesregierung, Innsbruck
Standort: Reschen Straße, 6543 Nauders, Österreich
Bildnachweis: Porr, Wien

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