Multifunktionales Sportzentrum in Bordeaux

Gestapeltes Schwitzen

Das Quartier Brazza ist ein ambitioniertes städtebauliches Entwicklungsprojekt in Bordeaux, das darauf abzielt, ein ehemals industriell genutztes Gebiet am östlichen Ufer der Garonne in ein lebendiges Stadtviertel zu verwandeln. Am Zugang des aufstrebenden Quartiers erhebt sich ein Bauwerk, das nicht nur durch seine Dimensionen auffällt, sondern auch durch sein architektonisches Konzept: Die UCPA Sport Station Bordeaux Brazza, entworfen vom Pariser Architekturbüro NP2F, ist eine als offenes Regal konzipierte, multifunktionale Sporteinrichtung, bei der sich eine Vielfalt an Sportarten über sechs Etagen stapelt. Umhüllt ist der wuchtige Schaukasten von einer Membran, die Sporttreibende gleichermaßen vor Wind und Sonne schützt.

Die offene Struktur ist von einer variablen Membran umschlossen.
 Sie bietet gleichermaßen Schutz vor Sonne und Wind.
Das Gebäude ist als Regal konzipiert, in das verschiedene Sportstätten eingestellt sind.

Sportliche Vielfalt

Das Bauwerk mit einer Bruttogrundfläche von rund 15.700 Quadratmetern und einer Höhe von 20 Metern bezeichnet NP2F als „Cathédrale des sports“. Während auf dem Dach das ebenfalls 20 Meter hohe Auffangnetz der Golfübungsanlage emporragt, schufen die Planer*innen im Innenraum Platz für Aktivitäten wie Klettern, Padel-Tennis, Squash, Gewichtheben, Fitness und eSports. Ein Restaurant mit Bar und Entspannungsbereich verbindet sämtliche Sportbereiche miteinander. Die Dachfläche dient optional als Austragungsort für sportliche Ereignisse und Festivals. Als öffentlich zugänglicher Bereich bietet sie Ausblicke auf das Stadtzentrum sowie die Weinberge der Region Bordeaux.

Reduzierter Materialeinsatz

Die Tragstruktur des Gebäudes folgt einem simplen Konstruktionsprinzip, bestehend aus Betonplatten, -balken und -stützen. Verwendet wurde ein Leichtbeton mit geringem CO₂-Ausstoß. Die reduzierte Gestaltung soll mögliche Umnutzungen in der Zukunft erleichtern. Markante Elemente wie der Empfangsbereich, Treppenaufgänge und Tribünen sind in die offene Struktur eingestellt und schon von Weitem erkennbar. Die Gestaltung soll Besucher*innen dazu anregen, das Gebäude zu Fuß zu erkunden und so den Einsatz von Aufzügen minimieren. Die klar strukturierten Raumkonfigurationen erinnern an geschichtete Stadtplätze und Straßen und scheinen der urbanen Logik des neuen Viertels zu folgen.

Hohe Effizienz

Das Gebäude ist hauptsächlich für Außensportarten konzipiert, wodurch lediglich ein Drittel der Fläche auf eine geschlossene Fassade und Heizung angewiesen ist. Diese Ausrichtung begünstigt eine natürliche Belüftung und reduziert den Bedarf an künstlicher Beleuchtung, Heizung sowie Klimatisierung. Dadurch sollen jährlich etwa 900.000 kWh Energie eingespart werden, was einer Reduzierung des Energieverbrauchs um 56% und einer CO₂-Einsparung von rund 2.270 Tonnen im Vergleich zu einem konventionellen, geschlossenen Gebäude gleicher Größe entspricht.

Sonnenschutz: Windschutznetze aus der Landwirtschaft

Umgeben sind die gestapelten Spielfelder von landwirtschaftlichen Windschutznetzen, die die Sporttreibenden vor Zugluft schützen und die Bälle am Davonfliegen hindern. Doch das Material ist nicht nur ein Windbrecher, sondern dient auch als Lichtfilter: Das Gewebe hält einen Teil der Sonneneinstrahlung zurück. Dabei ist es transluzent genug, um Ausblicke zu ermöglichen. Die textilen Behänge sind auf breiten Tuchwellen aufgerollt und werden durch eine Windsensorik automatisch auf- und abgefahren. Befestigt sind die Anlagen an einer in den Geschossdecken verankerten Tragstruktur aus verzinktem Stahl. -sr

Bautafel

Architektur: NP2F, Paris
Bauherrschaft: ADIM Nouvelle Aquitaine, Bordeaux
Projektbeteiligte: Vivalto, Bordeaux (Tragwerksplanung); Artelia, Bordeaux (HLKS); Bollinger+Grohmann, Berlin (Dachtragwerk); VPEAS (Projektleitung)
Standort: 10 Rue Charles Chaigneau, 33100 Bordeaux
Fertigstellung: 2016
Bildnachweis: Maxime Delvaux, Brüssel / NP2F, Paris

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